Die neue Art der Weiterbildung

„Zeit für einen Kultur­wandel bleibt selten“

Warum IT-Talente in den eigenen Reihen zu identifizieren und passgenau weiterzubilden für Dalia Das, Gründerin des IT-Bootcamps „Neue Fische“, zu einer zeitgemäßen Recruiting- und Retentionstrategie dazugehört, erklärt sie im Interview.

Dalia Das neue Fische

Dalia Das arbeitete über 15 Jahre für Unternehmen wie AOL Europa und Bertelsmann. Sie war maßgeblich am Aufbau der BMG Music Company sowie am Geschäftsaufbau der Bertelsmann Education Group beteiligt.

ITM: Frau Das, in der IT fehlen Fachkräfte – das ist seit Jahren bekannt. Doch wird das Problem immer deutlicher. Wie kann eine ausgefeilte IT-Weiterbildungsstrategie Unternehmen dabei helfen, Fachkräfte zu halten und potenzielle neue Mitarbeiter anzulocken?
Das:
Unternehmen müssen erkennen, dass sich Berufsbilder und Anforderungen heute viel schneller verändern als noch vor ein paar Jahren. Das Sprichwort „Man lernt nie aus“ bekommt in diesem Kontext eine ganz neue Relevanz.

Es muss also Lösungen geben, wie man sich auch später im Berufsleben schneller und kürzer für neue Aufgaben und Tätigkeitsfelder qualifizieren kann. Neuartige Weiterbildungskonzepte machen diese Herausforderung, im Gegensatz zu einem weiteren Hochschulstudium oder lang laufenden Umschulungsprogrammen, realisierbar – sowohl für Arbeitskräfte als auch Unternehmen. In die Kenntnisse der eigenen Mitarbeiter zu investieren und deren Kompetenzen weiter auszubauen, wirkt sich positiv auf die Arbeitgebermarke und die Mitarbeiterbindung aus – nicht zuletzt auch auf die Kosten. Das gilt insbesondere für Mitarbeiter, die sich bereits seit vielen Jahren im Unternehmen befinden.

Es liegt in der Verantwortung der Unternehmen, zu schauen, was diese Menschen in Zukunft noch zum Fortschritt des Unternehmens beitragen können, und dem bestehenden Skill-Set der eigenen Leute die benötigte Kompetenz hinzuzufügen. Das hat auch viel mit dem Thema Wertschätzung zu tun: Wenn Mitarbeiter spüren, dass man in sie vertraut und investiert, stärkt das die Bindung ans Unternehmen.

ITM: Welche Rolle spielt die Umschulung von Mitarbeitern dabei, den IT-Fachkräftemangel kurzfristig zu verbessern?
Das:
Hochgerechnet wird sich die Personallücke in den nächsten zwei Jahren auf rund 765.000 offene Stellen ausweiten. Bis zum Jahr 2030 werden allein im öffentlichen Dienst rund 140.000 IT-Fachkräfte fehlen. Wir haben also einen sich verstärkenden IT-Fachkräftemangel, der ohne Quereinsteiger und interne Weiterbildungen nicht zu bewältigen ist.

Darum müssen sich Unternehmen umfassender mit dem Potenzial der Menschen beschäftigen, die schon da sind, und diese entsprechend mobilisieren. Das geht sowohl schneller als auch effizienter, als viele denken. Das dies möglich ist, hat erst kürzlich eine McKinsey-Studie verifiziert: Man kann Mitarbeiter nicht nur innerhalb ihres Kompetenzbereichs, sondern auch in einem komplett neuen Feld weiterbilden. Es geht darum, die richtigen Talente in den eigenen Reihen zu identifizieren, die eine entsprechende Lernmotivation mitbringen, und Programme zu entwickeln, die auf Quereinsteiger zugeschnitten sind. Gerade in diesem Bereich setzen Unternehmen nun auch vermehrt auf die Zusammenarbeit mit Institutionen wie unserer.

ITM: Wie hält es vor allem der Mittelstand aktuell damit, die eigenen Mitarbeiter zu schulen, und inwiefern gibt es in diesem
Bereich noch Nachbesserungsbedarf?
Das:
Bei vielen Unternehmen scheitert es an der Umsetzungspower. Das hat auch eine Studie bestätigt, die wir dazu in Auftrag gegeben haben. Der Großteil der befragten Entscheider sieht in der Umschulung von Mitarbeiten kurzfristig das größte Potenzial zur Behebung des Mangels an IT-Fachkräften. Doch vergleichsweise wenige haben diese Erkenntnis entsprechend umgesetzt. Das ist aus unserer Sicht auch wenig verwunderlich, da es für ein erfolgreiches Reskilling spezielle Lernkonzepte braucht, die Bildungsanbieter wie Neue Fische – School and Pool for Digital Talent fünf Jahre lang erprobt und erweitert haben.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Nur 13 Prozent der Befragten gaben in unserer Studie an, selbstständig eigene Fachkräfte weiterbilden zu können, über 65 Prozent der Unternehmen sehen Weiterbildungen außerhalb ihres Kompetenzbereichs. Das betrifft vor allem Kleinst- und Mittelunternehmen, die es sich schlicht nicht leisten können, Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum zur Weiterbildung freizustellen. Warum eine Weiterbildung auch in drei Monaten gelingen kann, zeigt eine neue Studie von McKinsey: Es braucht oftmals nur eine Handvoll neuer Skills, um in ein komplett neues Berufsfeld zu passen. Und dafür reicht eine kurze, aber intensive Weiterbildung sehr gut aus.

Bildquelle: Jewgeni Roppel

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