Auch 2023 ist mancherorts die Bedeutung der IT-Weiterbildung noch nicht angekommen. Zwar wissen Unternehmen, wie wichtig Fortbildungen sind, doch wird dieses Wissen oft nicht in die Tat umgesetzt.
Viele Mitarbeiter erleben es in ihrem Alltag und diverse Studien belegen den Missstand: Auch 2023 ist mancherorts die Bedeutung der IT-Weiterbildung noch nicht angekommen. Zwar wissen Unternehmen, wie wichtig Fortbildungen sind, doch wird dieses Wissen oft nicht in die Tat umgesetzt.
So belegt etwa eine Studie von Hey Data, dass nur 17 Prozent der Firmen in Deutschland verpflichtende Weiterbildungen zu den Themen „Datenschutz“ und „IT-Sicherheit“ anbieten – und das in einer Zeit, in der beinahe täglich in den Medien von sich häufenden Ransomware-Angriffen zu hören ist. Mit diesem Ergebnis liegt Deutschland unterhalb des Europavergleichs.
Ein weiteres Problem: Die Unternehmenslandschaft hat sich gewandelt. „Die Corona-Pandemie war der treibende Faktor für viele Veränderungen in der Arbeitswelt. Natürlich gab es bereits vor ihr Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle, doch erst die Auflagen der Regierung haben ihnen zu einem flächendeckenden Durchbruch verholfen – und damit neue Digitalkompetenzen erforderlich gemacht“, erklärt Heike Landau, HR Consultant bei Consol. Arbeitnehmer müssten heute mit Kommunikations- und Kollaborations-Tools zurechtkommen und Dateien mittels Daten-Management-Systemen verwalten. Führungspersonen hätten die herausfordernde Aufgabe, ihre Teams und Abteilungen auch in der verteilten Arbeitswelt zusammenzuhalten.
Auch Libby Duane Adams, Co-Founder und Chief Advocacy Officer bei Alteryx, hebt hervor, wie wichtig eine professionelle IT-Ausbildung und weiterführende technische Fähigkeiten heutzutage sind. Die Fähigkeiten, über den Tellerrand hinauszuschauen und Risiken zu erkennen, bevor sie sich verfestigen, seien für jeden Arbeitgeber hochgeschätzte Kernkompetenzen.
Für Christophe Zwaenepoel, Managing Director von SThree, steht fest: „In der dynamischen Arbeitswelt dieser Tage sind es zunehmend die Soft Skills, die über beruflichen Erfolg und Funktionsfähigkeit divers zusammengesetzter Teams entscheiden.“ Die Pandemie, der Krieg auf dem Kontinent und die damit verbundenen Unwägbarkeiten würden für extrem volatile Bedingungen sorgen. „Resilienz, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität avancieren vor diesem Hintergrund zu Schlüsselkompetenzen.“ In Kombination mit der Bereitschaft, dazuzulernen und angestammte Denkmuster zu hinterfragen, ermöglichten sie Beschäftigten, in unbekannten Situationen souverän zu bleiben.
Auch deshalb spiele die IT-Weiterbildung eine zunehmend tragende Rolle für die Zukunftsfähigkeit mittelständischer Unternehmen. Kaum ein Bereich sei so dynamisch wie die IT – in Sachen fachlicher Expertise am Ball zu bleiben, sei daher notwendig, um die damit verbundenen Tätigkeiten erfolgreich ausführen zu können. Dazu komme, dass Weiterbildung nach wie vor ein entscheidender Weg sei, um dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich zu begegnen. „Und nicht nur dort: Auch Berufsbilder jenseits der klassischen Tech-Jobs verändern sich durch die Digitale Transformation und machen neue, technische Kompetenzen erforderlich.“ Es gelte, sich ein Bild der Kompetenzen bestehender Angestellter zu machen und diese mit den vorhandenen Bedarfen abzugleichen.
„Wollen Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie dafür sorgen, dass die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter mit der Entwicklung Schritt halten“, fasst Consol-Expertin Landau zusammen. Zunächst sei es daher wichtig, dass Firmen ein entsprechendes Bewusstsein für die Notwendigkeit von Weiterbildungen verinnerlichten. „Ist diese Grundvoraussetzung erfüllt, müssen Weiterbildungen einen festen Platz in der Jahresplanung erhalten und Bestandteil der Mitarbeiterentwicklung werden“, rät Landau.
Libby Duane Adams betont die wichtige Rolle der Führungskräfte in mittelständischen Firmen: „Sie müssen bei der Entwicklung zu einem Unternehmen mit robusten Prozessen und mit weitgehend demokratisiertem Zugang zu Daten sowie Analysen mitwirken.“ Nur dann würden alle Mitarbeiter in die Lage versetzt, Analysen zu automatisieren und das gesamte strategische und operative Wissen aus ihren Daten herauszuholen.
Das Engagement seitens der Unternehmen ist das eine, die Motivation der Mitarbeiter das andere. „Für Unternehmen gilt es, die Weiterbildung zu einem Vergnügen zu machen, die Erfahrung spielerisch zu gestalten und praktische Aktivitäten einzubauen, bei denen es Belohnungen für die Demonstration neuer Fähigkeiten gibt“, erläutert Libby Duane Adams. Im Vergleich zum bloßen Austausch von Lernmodulen würden diese Aktivitäten die Weiterbildung interessanter gestalten.
Ähnlich sieht das Heike Landau: „Ein wichtiger Punkt ist, die Mitarbeiter wirklich einzubinden.“ Dazu gehöre nicht nur, gemeinsam mit ihnen einen Plan zu erstellen und individualisierte Angebote zu fördern. „Sie sollen ihre Weiterbildung aktiv mitgestalten“, betont die IT-Expertin. Unternehmen würden den Stellenwert einer Fortbildung auch erhöhen, wenn sie die Mitarbeiter dazu motivierten, ihr neues Wissen direkt an die Kollegen weiterzugeben. Schulungen vor Ort seien zudem häufig wegen langer Anreisewege ein Problem, das mit Webinaren und E-Learnings gelöst werden könne.
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Zudem müssen Weiterbildungen nicht zwangsläufig in Form von Schulungen stattfinden, meint SThree-Experte Zwaenepoel: „Podcasts etwa bieten einen praktischen Rahmen, um aktuelle relevante Inhalte in kompaktem Format aufzubereiten und den Mitarbeitern in einfach konsumierbarer Form zur Verfügung zu stellen.“ Dazu kommen vielfältige andere Möglichkeiten für Mitarbeiter und Unternehmen, sich weiterzuentwickeln – und das ist vor dem Hintergrund des sich wandelnden Arbeitsmarkts wichtiger denn je.
Denn eindeutig ist: Die Arbeitswelt wird sich stetig weiter verändern. Das unterstreicht auch Alteryx-Expertin Libby Duane Adams: „Wir erleben im Jahr 2023 eine Zunahme an Lernmöglichkeiten. Angesichts fast täglich neuer Herausforderungen müssen Mitarbeiter lernen, die richtigen Fragen zu stellen, um diese zu meistern und wertvolle Ergebnisse zu erzielen.“ Weiterbildungsinitiativen wie Datathons seien Multiplikatoren, die Unternehmen dabei helfen, bei der Vermittlung von Datenkenntnissen einen Schritt weiterzugehen als bisher.
Ein Trend, den Zwaenepoel erkennt, ist die Tendenz zu umfassenden Umschulungen im Sinne einer Reskilling-Initiative. „Die fortschreitende Digitalisierung nahezu aller Tätigkeitsbereiche macht eine breit angelegte Kompetenzvermittlung in diesem Umfang in vielen Fällen erforderlich“, erklärt er. Darüber hinaus dürften sich seiner Ansicht nach vor allem diejenigen Trends durchsetzen, die auf eine einfachere Zugänglichkeit und Konsumierbarkeit von Lerninhalten einzahlen. Dazu gehörten z.B. E-Learning und Gamification. „Neben der Infrastruktur ist der Stellenwert von Weiterbildung in einem Unternehmen auch eine Frage der gelebten Kultur“, betont der IT-Experte. „Lebenslanges Lernen ist eine Grundeinstellung, die weit über das Angebot einzelner Fortbildungsmaßnahmen hinausgeht und ein neugieriges, offenes Mindset zur Folge hat.“
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