Digitalisierung

„Zukunftsfähigkeit und Resilienz stärken“

Im Interview erläutert Benjamin Springub, Vice President Operations Development bei der Telekom Deutschland GmbH, warum der Mittelstand die Vorteile staatlicher Förderprogramme nutzen sollte.

Benjamin Springub

Benjamin Springub verantwortet u.a. Themengebiete wie interne Digitalisierung, Steuerung der operativen Delivery-Bereiche sowie Build & Run Management.

ITM: Herr Springub, warum sollte der Mittelstand in Sachen „Digitalisierung“ auf Förderungen setzen?
Springub:
Mithilfe von Fördermitteln können Unternehmen innovative Projekte und Technologien implementieren, die sie sonst womöglich aufgrund von Kosten depriorisieren würden. Förderprogramme bieten hier die Chance, finanzielle Belastungen für das Unternehmen zu reduzieren. Wichtig ist auch zu wissen, dass viele Förderprogramme neben finanzieller Unterstützung auch Beratungsleistungen und Schulungen beinhalten können. Das ist vor allem für KMUs wertvoll. Mittelständler, die rechtzeitig auf den Zug der Digitalisierung aufspringen, können ihre Zukunftsfähigkeit und Resilienz stärken. Mit dem Anschub durch entsprechende Förderung ist dieses nochmals attraktiver.

ITM: Was gilt es bei der Auswahl des richtigen Förderprogramms und der Antragstellung zu beachten?
Springub:
Die meisten Unternehmen sind von der Vielzahl an Förderprogrammen und Anforderungen bei der Antragstellung überwältigt. So gibt es in Deutschland rund 3.000 unterschiedliche Förderprogramme. Auch ein Grund, warum man häufig vom Förderdschungel spricht. Denn jedes Förderprogramm hat spezifische Ziele und Antragsfristen, die eingehalten werden müssen. Und nicht alle Kosten, die im Zusammenhang mit einem Projekt entstehen, sind förderfähig. Förderprogramme erfordern darüber hinaus Nachweise bei der Durchführung des Projekts. Oft müssen Unternehmen die Kosten zunächst selbst tragen und bekommen diese erst später erstattet. Daher ist es wichtig, dass Unternehmen sich Zeit nehmen: erst eruieren, für welches Förderprogramm sie infrage kommen. Dann das passende Förderprogramm bearbeiten und zum Schluss einen soliden Antrag stellen. Eine gründliche Vorbereitung kann die Chancen auf eine erfolgreiche Förderung erheblich erhöhen.

ITM: Mit welchen Förderbeträgen können KMUs im Fall einer Bewilligung rechnen?
Springub:
Die Höhe der Fördermittel variiert stark. Das ist abhängig von der Art des Programms und des jeweiligen Projekts sowie der speziellen Bedingungen, die ein Unternehmen erfüllen muss. Manche Programme übernehmen bis zu 70 Prozent der Kosten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Inwieweit nutzt der Mittelstand das vorhandene Angebot an Digitalisierungsförderungen schon?
Springub:
Der Mittelstand hat die Möglichkeiten der Digitalisierungsförderungen längst nicht ausgeschöpft. Innovative Lösungen wie das Internet der Dinge (IoT) oder Künstliche Intelligenz (KI) setzt bisher nur eine Minderheit ein. Öffentliche Förderprogramme könnten den Einsatz technischer Neuheiten steigern. Jedoch rufen laut Digitalisierungsindex 2022 bisher nur 18 Prozent der Unternehmen diese Gelder für ihre Vorhaben ab. Oft genannte Gründe: fehlende Transparenz und bürokratische Hürden. Das lässt sich auch unter den Unternehmen beobachten, die solche Fördermittel nutzen: Etwa sechs von zehn Betrieben mussten externe Unterstützung einholen. Nur so ließ sich das passende Programm finden und beantragen. Das heißt aber nicht, dass Förderungen ungenutzt bleiben. Es gibt Erfolgsgeschichten von KMUs, die Fördermittel genutzt haben, um ihre Digitalisierungsprojekte zu realisieren. Zudem gibt es seitens der Regierung und der Förderinstitute stetige Bemühungen, Programme bekannter zu machen und die Antragstellung zu vereinfachen.

Bildquelle: Deutsche Telekom

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