KI und Risikokapital

10 Milliarden Dollar für künstliche Intelligenz

Die Investitionen in KI-Startups wachsen seit einigen Jahren, denn von ihnen wird ein massiver Beitrag zum Wirtschaftswachstum erwartet.

Künstliche Intelligenz ist ein heiß diskutiertes Thema, nicht zuletzt wegen der von vielen befürchteten enormen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Doch was steckt wirklich dahinter? Die wichtigste Antwort auf diese Frage lautet: Wir werden es bemerken. Niemand weiß wirklich, wie sich KI-Algorithmen auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. Letztlich entscheidet die Sicht auf das Thema, also entweder Optimismus oder Pessimismus.

Eine optimistische Sicht hat die Unternehmensberatung Accenture. In der Studie „Why Artificial Intelligence is the Future of Growth“ heben die Analysten hervor, dass Künstliche Intelligenz das Potenzial hat, in den nächsten zwei Jahrzehnten das Wirtschaftswachstum zu verdoppeln und die Arbeitsproduktivität um etwa 40 Prozent anwachsen zu lassen. Sie interpretieren dabei KI-Verfahren als neuartigen Produktionsfaktor, der bisher unbekannte Geschäftsmodelle ermöglicht. Zwar werden nach Ansicht von Accenture dadurch sowohl traditionelle Arbeitsplätze als auch Geschäftsmodelle in Teilen überflüssig, doch das Unternehmen schätzt den Zugewinn an Wirtschaftskraft weitaus größer ein.

16 Milliarden US-Dollar Marktvolumen 2022

Die Analysten des indischen Beratungsunternehmens MarketsAndMarkets schätzen das Marktvolumen von KI-Anwendungen für das Jahr 2022 auf etwa 16 Milliarden US-Dollar. Sie erwarten dabei die größten Wachstumsraten im Teilmarkt für Sprachverarbeitung, vor allen Dingen im Bereich des Kundenservice. Ebenfalls hohe Wachstumsraten vermuten sie in der Gesundheitsbranche, hier vorwiegend in der Diagnostik mit Deep-Learning-Algorithmen. Insgesamt gehen die Analysten von einem jährlichen Wachstum von mehr als 50 Prozent aus. Diese fantastisch wirkenden Steigerungsraten sorgen für Aufregung bei Investoren und Venture-Fonds. Auch hier gibt es ein enormes Wachstum: Hatte der gesamte AI-Markt 2012 kaum mehr als 580 Millionen Dollar Risikokapital zur Verfügung, so ist der Betrag nach Ermittlungen von CB Insights auf gut fünf Milliarden Dollar für 2016 angestiegen.

Dabei zeichnen sich einige Favoriten ab: Nach einer Analyse des VentureScanner ist „Machine Learning“ der absolute Spitzenreiter. Die Marktbeobachter werten die Daten von mehr als 1500 KI-Unternehmen aus, die von denen etwa die Hälfte mit insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar finanziert worden sind. Ein gutes Drittel, nämlich 3,5 Milliarden Dollar, ist an die 425 Machine-Learning-Startups geflossen. Mit einem deutlichen Abstand folgen Sprachverarbeitung und Robotik, die mit jeweils rund einer Milliarde finanziert wurden. Die Szene der mit diesen Summen unterstützten Startups ist übrigens gar nicht so jung, wie das Klischee es will. So ist ein großer Teil der Unternehmen zwischen sechs und acht Jahren alt, sie haben somit häufig schon mehrere Finanzierungsrunden hinter sich.

American AI first, Europe second

Doch wo sitzen die Startups? Nur in den USA? Beim VentureScanner findet sich eine Weltkarte, die Infos zur Verteilung der Startups in den einzelnen Ländern zeigt. Hier wird klar, dass zwar die USA mit etwa 750 Unternehmen die Spitzenreiter sind, aber Europa, Indien, China und Australien recht gut mithalten können. Da die Analysten allerdings nur einen Ausschnitt des Marktes beobachten, sind Aussagen über die Gesamtzahl der Unternehmen mit irgendeiner Verbindung zu KI schwierig. Der KI-Experte Ha Duong kommt in seinem Marktüberblick auf 680 Unternehmen in Europa, von denen etwa 90 in Deutschland angesiedelt sind. Auffällig an der deutschen KI-Szene ist, dass gut die Hälfte der Unternehmen in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Doch neben diesen noch sehr jungen Mitspielern gibt es auch einzelne Vorreiter wie beispielsweise Arago, das 1995 gegründet wurde.

KI-Lösungen haben sich auch in Deutschland stark verbreitet. Viele Unternehmen sind jedoch reine Nutzer und entwickeln die KI-Algorithmen nicht selbst. So gibt es etliche Analytics-Anbieter, die entsprechende Verfahren in ihre Services integriert haben. Typische Beispiele sind die Betrugserkennung im Handel und im Versicherungsmarkt oder vorausschauende Wartung, wo enorme Mengen an unspezifischen Maschinendaten ausgewertet werden. Doch es gibt auch viele Unternehmen, die in drei Bereichen aktiv sind:

  • Algorithmen für allgemeine KI wie beispielsweise Deep Learning.
  • Enterprise-Anwendungen auf der Basis von KI-Algorithmen, unter anderen im Bereich der Prozessautomatisierung.
  • KI-Lösungen für den B2B-Markt, etwa Chatbots.

In den nächsten Tagen folgen weitere Artikel, die einige deutsche KI-Startups aus diesen Bereichen etwas ausführlicher vorstellen.

Bildquelle: Thinkstock

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