Im Heiligen Gral: Arbeiten bei Google
Silicon Valley, eigentlich die gesamte Bay Area inklusive San Francisco, gilt hier in Deutschland als der heilige Gral der Technologie-Startups. Ganze Flugzeugladungen voll deutscher Politiker, Investoren, Konzernmanager, Gründer in spe und gestandener Unternehmer pilgern in regelmäßigen Abständen an die Westküste der USA, vor allem zu Google, Apple und Facebook. Sie wollen dort lernen, wie man ein deutsches Silicon Valley hinbekommt und wie man möglichst viele junge und innovative Unternehmen gründet.
Die Frage ist natürlich, ob es möglich ist, diese Lektion ausgerechnet im Silicon Valley zu lernen. Gelegentlich hat ein außenstehender Beobachter den Eindruck, dass es gar nicht um das Gründen geht - denn das ist im Silicon Valley offensichtlich kinderleicht. Entscheidend scheint dagegen eine fortlaufende Folge von Finanzierungen zu sein, die ein Gegengewicht durch stetiges Wachstum des Unternehmens erhalten. Kurz: Das überreich vorhandene Venture Capital ist der wichtigste Erfolgsfaktor, denn irgendwohin muss das Geld ja fließen.
Diese Perspektive ist allerdings etwas einseitig, denn die USA sind größer und diverser als die Bay Area. Zwar gilt sie auch in den USA als das definitive Paradies für Investoren und Gründer. Aber es gibt in dem Teilkontinent noch andere Regionen, die ebenfalls erfolgreiche Gründerzentren sind. In einem hochinteressanten Blogpost analysiert der New Yorker Investor Fred Wilson die Situation in den USA.
Silicon Valley ist natürlich die Nummer eins, da hier gut die Hälfte aller Startups und VCs unterwegs sind. Doch es gibt auch auf dem zweiten Rang einige interessante Regionen. Wilson zählt New York, Los Angeles und Boston dazu, gut ein Drittel aller Gründer- und Investoren finden sich hier. Das entscheidende Merkmal des ersten und zweiten Rangs ist nach Wilsons Meinung: Ein Investor kann sich jeweils auf diese Region beschränken, ohne Probleme zu bekommen oder unter einem Mangel an interessanten Pitches zu leiden.
Andere Regionen wie Seattle, Chicago, Atlanta, Washingtons DC, Boulder oder Austin sehen dagegen schlechter aus, sie gehören in den dritten Rang. Denn in ihnen gibt es nach Ansicht von Wilson nicht genügend Risikokapital, sodass weder die Investoren noch die Gründer besonders große Sprünge machen können.
Die Business Angel oder Investoren müssen also möglichst rasch Investoren aus den anderen Regionen überzeugen, bei ihnen einzusteigen. Dazu ist allerdings ein spannendes Startup notwendig, von denen es jedoch in den erstklassigen Regionen mehr als genug gibt. Es ist also schwierig, im dritten Rang eine Wachstumsfinanzierung im Valley-Stil zu bekommen.
Diese Analyse zeigt, dass die Strahlkraft der Bay Area schon in den USA zu Problemen führt - „The Winner Takes It All“ oder jedenfalls fast. Schon die zweite Reihe der Standorte muss sich (bildlich gesprochen) auf die Zehenspitzen stellen, um hinter der ersten Reihe noch sichtbar zu sein. Erst recht gilt das für den dritten Rang, dessen Vertretern diese Sicht nicht gut gefällt - der Blogpost von Wilson erntete reichlich Widerspruch.
Vor allem aus Seattle kam eine starke Gegenrede durch Microsoft-Veteran Tren Griffin. Nachdem er Wilson bereits auf Twitter kritisiert hatte, fasste er seine Auffassung von dem tatsächlich vorhandenen Erfolg der Seattle-Startups in einer Entgegnung zusammen. Hierbei widmete er sich nicht nur den Argumenten und Analysen von Wilson, sondern nannte einige Lehren für den Erfolg von Startup-Standorten - Lektionen, die auch für Deutschland gelten.
Diese Liste lässt sich problemlos für deutsche Verhältnisse übernehmen, vor allem den ersten Punkt sollten sich Vertreter von Politik und Wirtschaft immer wieder vor Augen halten. Auch die Sache mit dem Scheitern ist wichtig. Die Erwähnung zeigt, dass die Gleichung „Scheitern gleich lernen“ auch in den USA nicht jedem bekannt ist. Auch Griffin beklagt dies und er weist darauf hin, dass die Arbeit in einem Startup häufig einen schlechten Ruf hat.
Doch zwei für Deutschland wichtige Unterpunkte fehlen noch, die sind in den USA nämlich selbstverständlich:
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