Befeuerung der öffentlichen Wahrnehmung

5G als Allheilmittel?

„5G befeuert derzeit die öffentliche Wahrnehmung von mobilen Anwendungen sowie allgegenwärtiger Digitalisierung und erlebt dadurch einen Hype“, so Axel Simon, Chief Technologist bei HPE Aruba. Gleichzeitig werde 5G als Allheilmittel und Hoffnungsträger momentan in der Universalität der Anwendbarkeit etwas überschätzt.

Axel Simon, Chief Technologist bei HPE Aruba

„5G wird einen Schub für viele dedizierte Anwendungsfälle unterstützen, wie z.B. autonomes Fahren“, meint Axel Simon, Chief Technologist bei HPE Aruba.

MOB: Herr Simon, Stichwort „öffentliches Wlan/Hotspots“: Wie gut ist Deutschland im internationalen Vergleich bereits vernetzt?
Axel Simon:
Die öffentlichen Hotspots beschränken sich bisher auf Bereiche in Innenstädten und werden jetzt im Zusammenhang mit Smart Cities immer stärker ausgebaut. Es bleiben allerdings punktuelle Versorgungsbereiche. Generell hat Deutschland im internationalen Vergleich Nachholbedarf. Es ist hier auch nicht nur die Abdeckung durch öffentlichen Wlans, sondern es sind vor allem auch der Breitband- sowie der Mobilfunkausbau zu betrachten, da die Technologien ja in Abhängigkeit zueinanderstehen und sich ergänzen.

MOB: Worin bestehen die Vorteile und Möglichkeiten solch einer öffentlichen Vernetzung – vor allem für die Bürger?
Simon:
Das volle Potenzial von öffentlichen Wlans kann nur durch die sinnvolle Vernetzung von digitalen Angeboten erreicht werden. Das geht aber nur, wenn die Stadt auch die Datenhoheit solcher öffentlichen Infrastruktur hält und den Ausbau technisch so gestaltet, dass am Ende beispielsweise der Tourismus oder der städtische Einzelhandel belebt wird. Darüber hinaus glaube ich an die Koexistenz und gegenseitige Ergänzung von WiFi 6, dem aktuellen Wlan-Standard, und 5G-Mobilfunk. Wlan spielt vor allem im Innenbereich seine Stärken aus und kann in Verbindung mit Bluetooth Low Energy (BLE) lokationsbasierte Dienste, wie die Navigation durch ein Klinikum oder einen Verkehrsknotenpunkt wie Bahnhof oder Flughafen, bereitstellen.

MOB: Im Rahmen einer Eco-Umfrage gaben 44,9 Prozent der Befragten an, öffentliche Wlan-Hotspots im Ausland eindeutig häufiger oder eher häufiger zu nutzen als in Deutschland. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Simon:
Das liegt an der Art der Umfrage und ist ein Vergleich, der etwas hinkt. Vor noch nicht so langer Zeit sind Roaming-Gebühren für Mobilfunk angefallen, die zumindest in der EU nicht mehr zum Tragen kommen. Von daher ist die Wlan-Nutzung im Ausland etwas Selbstverständliches. Dazu kommt, dass bedingt durch die Art der Aufenthalte, sei es privat oder beruflich, sich die mobile Nutzung durch Down- oder Uploads z.B. von Fotos verdichtet und damit das Datenvolumen stärker genutzt wird als im Heimatland. Also sind Wlans eine gute Möglichkeit, Datenvolumen zu sparen. Unbestritten ist jedoch, dass Wlan-Nutzung in Deutschland barrierefreier und benutzerfreundlicher gestaltet werden muss. Das ist auch ein wichtiger Bereich, dem wir uns mit unseren Software-Plattformen für Netzwerkinfrastruktur widmen.

MOB: Was sind Bremsfaktoren für die Bereitstellung öffentlicher Wlan-Netze? Welche Rolle spielen hier etwa Netzsperren, Störerhaftung, Kosten...?
Simon:
Häufig sind öffentliche Wlans ein politisches Erfordernis im Rahmen der Digitalisierung, das sich über Angebote von Service-Providern budgetschonend umsetzen lässt. Das Verständnis für eigenbetriebene Wlans wächst zwar, aber nicht überall. Dementsprechend viel Luft ist hier noch nach oben, was die Flächenabdeckung angeht.

MOB: Welche konkreten Gefahren birgt ein öffentliches Netz für die Bürger?
Simon:
Für die Nutzung mobiler Endgeräte in der Öffentlichkeit besteht die Gefahr, im Wlan ausspioniert zu werden. Gegen das Ausspionieren kann sich der Bürger schützen, wenn er nur Wlans nutzt, die er kennt, und Zugangsdaten besitzt. Sogenannte Honigtöpfe, wie z.B. ein Wlan mit dem Namen „kostenlosesFlughafenWLAN“ einer sein könnte, sind mit Vorsicht zu genießen. Darüber hinaus sollten Verschlüsselungsmechanismen genutzt werden wie z.B. VPNs oder mit SSL-verschlüsselte Webseiten. In der Öffentlichkeit besteht aber auch die Gefahr, dass Gespräche gehört und Bildschirminhalte gesehen werden können. Nicht zuletzt nützen die beste Verschlüsselung und Umsicht nichts, wenn Nutzer allzu sorglos mit ihren Daten in sozialen Netzen umgehen. Online-Einkäufe sollten nach Möglichkeit, wenn überhaupt, in öffentlichen Netzen nur unter Beachtung der drei zuvor genannten Grundsätze gemacht werden.

MOB: Immer neue Studien sollen die Gesundheitsgefahren, die von Mobilfunk- und eben auch Wlan-Strahlung ausgehen, untermauern. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Simon:
Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass von Funktechnologien wie Wlan nicht – wie die Frage suggeriert – zwangsläufig eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Es muss vor allem zwischen Mobilfunk und Wlan unterschieden werden, da beide Technologien gerne in einen Topf geworfen werden. Die Sendeleistung von Wlan ist um mindestens eine Größenordnung geringer als jene von Mobilfunk, was Endgeräte angeht, und im Vergleich schneiden Mobilfunkbasisstationen hoher Reichweite noch ungünstiger ab. Basierend auf den Ergebnissen der derzeit verfügbaren, unabhängigen und wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Auswirkungen von Funkfrequenzen auf die menschliche Gesundheit gehen wir davon aus, dass die Verwendung unserer Produkte für Wlan kein Gesundheitsrisiko darstellt. Mit der, durch die Regulierung vorgegebenen Beschränkungen der Sendeleistung können mit Wlan die Grenzwerte für die spezifischen Absorptionsraten, die sogenannten SAR-Werte, nicht überschritten werden.

MOB: Welchen Einfluss wird 5G zukünftig auf die Wlan-Infrastruktur ausüben?
Simon:
5G befeuert derzeit die öffentliche Wahrnehmung von mobilen Anwendungen sowie allgegenwärtiger Digitalisierung und erlebt dadurch einen Hype. Gleichzeitig wird 5G als Allheilmittel und Hoffnungsträger momentan in der Universalität der Anwendbarkeit etwas überschätzt. 5G wird einen Schub für viele dedizierte Anwendungsfälle unterstützen, wie z.B. autonomes Fahren. In der Digitalisierung von Schulen spielt 5G keine Rolle und im Gesundheitswesen nur sehr begrenzt. Für das Internet der Dinge im Bereich von Gebäudetechnik in Verwaltung, Gesundheitswesen und Büro und Betriebstechnik in der Industrie hat sich die erste Aufregung wieder gelegt. Es zeichnet sich insbesondere hier ein Miteinander von WiFi 6 und 5G ab. Wir sind darüber hinaus technologisch in der Lage, dieses Miteinander besonders nahtlos zu gestalten, d.h. ein automatisches Roaming zwischen Mobilfunk und Wlan zu ermöglichen. Was wir in den USA bereits erfolgreich implementiert haben, erfordert hierzulande noch den Schritt der Mobilfunk-Provider in diese Richtung. Dann können beide Technologien sich gegenseitig ergänzen und ihr großes Potenzial noch stärker nutzen.

Bildquelle: HPE Aruba

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