Neuer Mobilfunkstandard

5G ist Basis für das Internet der Dinge

Beim Internet der Dinge geht es darum, alles mit allem zu vernetzen. „Wenn wie erwartet 2030 schon 30 Milliarden Dinge vernetzt sein sollen, braucht dies eine entsprechend sichere, technische Basis – und dies ist 5G", betont Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei Telekom Deutschland.

Hagen Rickmann, Telekom Deutschland

Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH

Herr Rickmann, seit mehreren Jahren laufen seitens der Telekommunikationsanbieter die Vorbereitungen zur Einführung von 5G. Wie weit ist man damit hierzulande bereits gekommen? Was steht der Einführung der nächsten Mobilfunkgeneration noch im Wege?
Hagen Rickmann:
Eines vorweg: Bei 5G handelt es sich um einen neuen Kommunikationsstandard, der Festnetz- und Mobilfunktechnologie miteinander verknüpft. Ein großer Meilenstein auf dem Weg zu 5G ist natürlich die Standardisierung. Diese läuft gerade noch, wobei bereits zum Jahresende 2017 der Standard für die Mobilfunkkomponente 5G New Radio verabschiedet wurde.

In Europa nehmen wir eine Spitzenposition ein. Bereits im Oktober funkten die ersten 5G-New-Radio-Antennen Europas im Telekom-Netz in Berlin (Vorstandard). Das ist ein erfolgreicher Start und natürlich testen wir auch weiterhin kontinuierlich die Integration der 5G-Komponenten in unser Netz.

Wann wird Ihrer Einschätzung nach 5G in Deutschland flächendeckend genutzt werden können?
Rickmann:
Die Telekom startet 2020 mit der kommerziellen Markteinführung. Dabei stehen drei Dinge im Fokus: das Internet der Dinge als einer der größten Digitalisierungstreiber im Mittelstand, hohe Bandbreiten sowie ultrakurze, hochverlässliche Reaktionszeiten im Netz.

Branchenkenner wiederholen permanent, dass 5G die Verbreitung des Internets der Dinge, das autonome Fahren oder Anwendungen wie Augmented und Virtual Reality befeuern wird. Welche Gründe sprechen dafür und welche dagegen?
Rickmann:
Beim Internet der Dinge geht es darum, alles mit allem zu vernetzen. Wenn, wie nach Schätzungen erwartet, 2030 schon 30 Milliarden Dinge vernetzt sein sollen, braucht das eine technische Basis, eine schnelle, stabile, verlässliche und sichere Konnektivität. Das ist 5G. Augmented und Virtual Reality (AR/VR) sind zukünftige Anwendungen, die mehr auf Bandbreite und Latenz abzielen, auch dafür brauchen wir 5G.

Wie jedem Netzwerk sind auch 5G-Netzen Grenzen gesetzt. Was könnte 5G-Übertragungen ausbremsen oder gar ganz zum Stillstand bringen?
Rickmann:
Wir sehen erst mal die Chance: Wir können Krankheiten besser diagnostizieren und heilen, Drohnen können bei humanitären Katastrophen helfen, mit digitalen Zwillingen können wir vieles probieren und simulieren. Aber natürlich muss uns klar sein, dass es nicht nur gute Hände gibt und wir also sehr verantwortungsbewusst mit den neuen Technologien umgehen müssen. Die Telekom setzt sich auch mit den ethischen Aspekten für unsere Gesellschaft auseinander, der digitalen Verantwortung.

Neben dem klassischen Mobilfunk existieren zahlreiche weitere Alternativen, mit denen in Zukunft kommuniziert werden kann. Dazu zählen WLAN-Hotspots, LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) oder klassische Glasfaser- und Kabelnetze. Inwieweit wird sich der Mobilfunk dagegen behaupten können?
Rickmann:
Das ist richtig. Telekom Virtual Fiber ist ein gutes Beispiel. Hier testen wir aktuell in Berlin so etwas wie den glasfaserähnlichen Gigabit-Anschluss über Funk ins Haus. Wir setzen auf einen Technologiemix, also das Zusammenspiel von Festnetz, Mobilfunk und alternativen Technologien, der unseren Kunden immer den besten Internet-Zugang ermöglicht.

Inwieweit braucht es bei flächendeckender Ausdehnung von 5G überhaupt noch den viel beschworenen Glasfaserausbau?
Rickmann:
Zunächst einmal: ohne Glasfaser kein 5G. Der Glasfaserausbau läuft auf Hochtouren. Wir haben in 2017 über 40.000 Kilometer Glasfaser in Deutschland verlegt. Das sind mehr Kilometer in einem Jahr als das Gesamtnetz der Bundesstraßen in Deutschland. Und für dieses Jahr haben wir uns sogar 60.000 Kilometer vorgenommen. Der massive Ausbau von Gewerbegebieten spielt hier eine wesentliche Rolle. Auch die Mehrzahl unserer Mobilfunksendeanlagen ist mittlerweile schon über Glasfaser angeschlossen. Für 5G brauchen wir die Glasfaser bis in die Straße. Aber klar ist: Bei allem setzen wir auf einen Technologiemix, um das Netz für unsere Kunden optimal zu gestalten.

Welche Weichen müssen Mobilfunkprovider bereits heute stellen, um langfristig erfolgreich zu sein?
Rickmann:
5G ist die Integration von Festnetz und Mobilfunk und bietet eine große Chance für die Digitalisierung des Mittelstands. Doch 5G funktioniert nicht im Alleingang von Netzbetreibern. Gemeinsam mit Mittelstand und Industrie wollen wir schon jetzt die möglichen Einsatzbereiche der neuen Technologie prüfen und die 5G-Anwendungen der Zukunft Hand in Hand entwickeln.

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