Netzausbau

5G – keine negativen Auswirkungen?

Dr. Michael Lemke, Senior Technology Principal (ICT) bei der Huawei Technologies Deutschland GmbH, benennt im Interview die Haupttreiber für den 5G-Netzausbau und wirft einen Blick auf gesundheitliche Risiken.

Dr. Michael Lemke, Huawei Technologies Deutschland GmbH

„5G wird bis Ende 2020 in Deutschland in Ansätzen etabliert sein“, ist sich Dr. Michael Lemke von Huawei sicher.

MOB: Herr Dr. Lemke, wie gestaltet sich die bisherige 5G-Mobilfunkabdeckung in Deutschland?
Dr. Michael Lemke:
Das öffentliche 5G-Netz in Deutschland steht derzeit noch in den Startlöchern. Punktuell werden 5G-Stationen gebaut, es gibt jedoch nur wenige Stationen, die mit bis zu 1,4 Gigabyte pro Sekunde senden können. Bisher können nur wenige Teilnehmer die Vorteile von 5G nutzen. Eine Herausforderung, die vor dem flächendeckenden Ausbau noch zu bewältigen ist, hängt davon ab, ob das 5G-Netz die bereits genutzten Frequenzen verwendet (ähnlich wie in der Schweiz) und in welchem Umfang die versteigerten Frequenzen im 3,5-GHz-Frequezband zum Einsatz kommen.

MOB: Wer oder was sind die Haupttreiber des 5G-Themas – und warum?
Lemke:
Es gibt global und lokal drei Haupttreiber für den 5G-Netzausbau. Das wäre zunächst die hohe Übertragungsgeschwindigkeit für den stationären Internetzugang. Global sind hier die Märkte in Asien und Amerika wichtige Treiber. Der nächste Trend betrifft den zunehmenden Einsatz von Virtual sowie Augmented Reality, wie es beispielsweise in Südkorea zu beobachten ist, der ein stabileres und schnelleres Netz erfordert. Außerdem wird der wachsende Markt für 5G-fähige Mobilgeräte für Endnutzer immer relevanter – auch in Deutschland steigt sicher das Interesse an solchen Geräten. Ein wichtiger lokaler Aspekt ist zudem, dass die gewerbliche Nutzung von 5G zu einem Push von durch Unternehmen genutzten 5G-Campus-Netzen führen wird.

MOB: Wer oder was sind die bisherigen Bremsfaktoren – und vielleicht auch Gegner?
Lemke:
In der öffentlichen Diskussion um das 5G-Netz spürt man leider eine gewisse Verunsicherung, die ernst genommen werden muss. Es ist unklar, wie groß der Nutzen ist, was zu fehlender Akzeptanz führt. Aber es gibt auch Widerstände gegen die Aufrüstung von Standorten, beispielsweise aus Angst vor elektromagnetischer Strahlung. Abseits des öffentlichen Diskurses ist noch zu bedenken, dass die Nutzung in Grenzgebieten noch nicht gänzlich geklärt ist. Hintergrund ist, dass sich alle Betreiber auf eine Art und Weise der Nutzung der neuen 5G-Frequenzen einigen müssen. Hier haben sich die Betreiber jedoch in verschiedenen Ländern unterschiedlich festgelegt, z.B. gehen französische Betreiber anders heran als die Betreiber in Deutschland. Was dies für die Grenzregionen bedeutet, muss noch geklärt werden.

MOB: Inwieweit haben Industrie-/Produktions-/Handelsunternehmen das Thema „5G“ tatsächlich auf ihrer Agenda? Geht das Thema wirklich jede Branche etwas an?
Lemke:
Digitalisierung geht jede Branche an. Und 5G ist ein wichtiger Teil der Digitalisierung. Allerdings sind Tempo und Bedarf in den gewerblichen Branchen unterschiedlich hoch. So hoffen beispielsweise das produzierende Gewerbe oder auch die Landwirtschaft stark von 5G zu profitieren. Aber auch die Logistikbranche steht noch in den Anfängen – auch für sie wird der Netzausbau immer relevanter, denkt man an Automatisierung von Prozessen und deren Überwachung dank Drohnen und Sensoren.

MOB: Wie denken wiederum die Endnutzer über 5G?
Lemke:
Die deutschen Endnutzer sind derzeit noch zögerlich, wenn es um die Akzeptanz und Nutzung von 5G geht – dies ist in anderen Teilen der Welt ganz anders. Diese Zurückhaltung wird sich aber ändern, wenn sich Anwendungen mit Virtual oder Augmented Reality oder 360-Grad-Videos weiterverbreiten. Die Nachfrage von Early Adoptern wird dem Thema Schwung geben. Diese Zurückhaltung angesichts eines neuen Mobilstandards konnten wir übrigens auch bei LTE beobachten – und dies stellt heute niemand mehr in Frage.

MOB: Wie gefährlich ist der neue Mobilfunkstandard?
Lemke:
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt auf seiner Webseite an, dass nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen durch den 5G-Netzausbau zu erwarten sind. Diese Erkenntnis zieht sich aus bisherigen Studien, die mögliche Gesundheitswirkungen elektromagnetischer Felder des Mobilfunks untersuchten und die zu einem großen Teil auf 5G übertragbar sind. Derzeit werden die gültigen Grenzwerte durch die Mobilfunksendeanlagen nicht annähernd ausgenutzt.

MOB: Wie wird es in Ihren Augen Ende 2020 mit 5G in Deutschland aussehen?
Lemke:
5G wird bis Ende 2020 in Deutschland in Ansätzen etabliert sein. Anfänglich werden vor allem Unternehmen aus Industrien wie der Fertigungsbranche die Nutzung der 5G-Technologie erkunden. Aber auch Endanwender werden im Laufe des Jahres immer mehr funktionierende 5G-Netze fordern.

Bildquelle: Huawei

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