Hohe Bandbreite, niedrige Latenz

5G – Turbo für Virtual Reality?

Inwieweit könnte 5G ein erfolgversprechender Ansatz für die zukünftige, flächendeckende Anwendung von Virtual Reality – und in diesem Zuge auch Augmented-Reality-Anwendungen – sein?

5G – Turbo für Virtual Reality?

Mithilfe von 5G lassen sich sehr gute 5G-Erfahrungen verwirklichen.

Schon bald werden Virtual und Augmented Reality (VR und AR) branchenübergreifend das digitale Hilfsmittel der Wahl sein – im Produktdesign, dem Engineering, der virtuellen Fabrikplanung und der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen sowie in Marketing und Vertrieb. Derzeit realisierbare VR-Projekte oder Virtual Showrooms können aufgrund der spezifischen Anforderungen an Datenübertragungsraten, Bandbreiten, Performance und Hardware nur punktuell und in einem spezifischen Hardware-Setting eingesetzt werden. Was fehlt, ist ein Datenfluss in Echtzeit. Das heißt: eine Datenübertragung an jedem beliebigen Ort mit minimalster Latenz.

Schon die Einführung des 4G-Standards (LTE) konnte die Antwortzeit im Vergleich zum 3G-UMTS-Standard um rund zwei Drittel reduzieren: von 100 auf rund 30 Millisekunden. Heute stellt 5G im Bereich der Latenzzeiten einen erneuten Quantensprung dar. Die Antwortzeit liegt bei gerade einmal einer Millisekunde – fast Echtzeit. 5G könnte somit ein erfolgversprechender Ansatz zur zukünftigen, flächendeckenden Anwendung von VR – und in diesem Zuge auch AR-Anwendungen – sein. Mit niedrigen Ende-zu-Ende-Latenzzeiten, die unterhalb von 20 Millisekunden liegen, lassen sich bereits sehr gute VR-Erfahrungen verwirklichen.

Bereits heute experimentieren viele Firmen mit unterschiedlichen Geräten und Szenarien. Infinity Reply hat in diesem Kontext z.B. gemeinsam mit Spark Reply ein Projekt in der Automotive-Branche umgesetzt, das vor allem die technischen Grenzen von 5G beim Einsatz von AR und VR in Pre-Sales-Szenarien ausloten soll. Daher stand die Frage nach der Möglichkeit, ein gutes AR-/VR-Erlebnis zu streamen, im Fokus – und falls möglich, wann und unter welchen realen Bedingungen dies gelingen könnte. Eine wesentliche Herausforderung waren die Unterschiede bei den Vertriebsstandorten im Hinblick auf Netzwerkinfrastruktur und Hardware.

Mit den hohen Bandbreiten und der nie-drigen Latenz von 5G können Augmented Reality und Virtual Reality theoretisch ohne lokale Rechen-Hardware bereitgestellt werden, denn die Berechnung kann bereits im Netzwerk erfolgen. Das reduziert die Komplexität der AR-/VR-Endgeräte und erleichtert die Bereitstellung der Technologie. Um diese Prämissen überprüfen zu können, wurde für das Projekt im Rahmen einer theoretischen Analyse und einer pilothaften Anwendung visueller Content aus der Cloud auf ein mobiles Endgerät gestreamt. Dafür wurden unterschiedliche Übertragungswege hinsichtlich Performance, Latenz und visueller Qualität gegenübergestellt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Ein besonderes Kundenerlebnis

5G-gestützte AR-/VR-Szenarien bergen große Chancen für Automobilhersteller im Pre-Sales-Bereich. Das volle Potential kann vor allem dann ausgeschöpft werden, wenn der Kunde mithilfe der hohen visuellen Qualität in den Mittelpunkt rückt. Um die Verzögerungen bei den Übertragungszeiten endgültig beseitigen zu können, müssten jedoch Edge-Computing-Szenarien umgesetzt werden, denn ein netzabdeckender Einsatz von 5G reicht hier nicht aus. Die mögliche Lösung: AR-/VR-Szenarien über 5G können – und konnten bereits – mit 6 GHz WiFi und lokalen Computern simuliert werden.

Auch ohne Bereitstellung einer breiteren 5G-Abdeckung lassen sich heute Pilotprojekte durchführen und mobile AR-/VR-Lösungen entwickeln, die Kunden ein besonderes Erlebnis bieten. Dabei kommt es nicht zuletzt auf die Zusammenarbeit von Unternehmen, Technologievorreitern und Branchendienstleistern an. Schon in naher Zukunft könnte es Dienstleister geben, die sich auf die Bereitstellung von Augmented und/oder Virtual Reality in lokalen (stationären) Umgebungen konzentrieren. Den größeren Teil werden auf lange Sicht aber mobile AR-/VR-Lösungen ausmachen.

Bild: Gettyimages/iStock

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