Neuer Mobilfunkstandard

5G-Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Michael Lemke von Huawei sieht die Mobilfunkanbieter für die Einführung von 5G gut gerüstet und kann auch schon auf ein erstes gemeinsam mit der Deutschen Telekom in Berlin realisiertes 5G-Testnetz verweisen.

Michael Lemke, Huawei Technologies Deutschland

Michael Lemke, Senior Technology Expert von Huawei Technologies Deutschland

Herr Lemke, seit mehreren Jahren laufen seitens der Telekommunikationsanbieter die Vorbereitungen zur Einführung von 5G. Wie weit ist man damit hierzulande bereits gekommen? Was steht der Einführung der nächsten Mobilfunkgeneration noch im Wege?
Michael Lemke:
Genaugenommen ist das eine Frage, die wir nicht beantworten können, da sie durch unsere Kunden entschieden wird. Aber als einer der führenden Hersteller von 5G-Technologie können wir sicher sagen, dass wir für die Einführung von 5G gut gerüstet sind. Insbesondere vor dem Hintergrund des Abschlusses der ersten Phase des 5G-Standards durch die 3GPP zum Ende 2017. Ein gewisser Status lässt sich von allgemein verfügbaren Informationen ableiten, ich verweise hier auf die erfolgreiche Demonstration eines ersten 5G-Testnetzes durch die Deutsche Telekom in Berlin. Der wesentliche Schritt ist zunächst die Klärung der Frequenzthemen, insbesondere im Bereich 3.6 GHz bzw. 26 GHz, wie sie von der Bundesnetzagentur gegenwärtig in Vorbereitung ist.

Wann wird Ihrer Einschätzung nach 5G in Deutschland flächendeckend genutzt werden können?
Lemke:
Auch diese Frage können wir als Hersteller nur bedingt beantworten. Wenn man aber den europäischen Ambitionen folgt und den Absichtserklärungen in Deutschland, dann fallen zwei Daten auf: Beginn mit 2020 und vollständige Verfügbarkeit bis 2025. Dabei ist das Thema der Flächendeckung mit Augenmaß zu verstehen, denn es ist genaugenommen vom Anwendungsfall abhängig. So wird 5G beispielsweise im Zusammenhang mit dem Thema vernetztes und automatisiertes Fahren diskutiert. Die Flächendeckung hier würde sich also insbesondere auf die Straßen bzw. Verkehrsflächen beziehen.

Branchenkenner wiederholen permanent, dass 5G die Verbreitung des Internets der Dinge, das autonome Fahren oder Anwendungen wie Augmented und Virtual Reality befeuern wird. Welche Gründe sprechen dafür und welche dagegen?
Lemke:
Zunächst sei angemerkt, dass 5G nicht die alleinige Voraussetzung für das Internet der Dinge ist, aber das Ziel von 5G ist, aufgrund seiner Eigenschaften neue bzw. erweiterte Anwendungen zu finden. Für das Internet der Dinge wird beispielsweise die Zahl der Dinge pro Flächeneinheit dramatisch angehoben, z. B. bis auf Millionen pro Quadratkilometer. Das autonome Fahren wird von der Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und mit ihrer Umgebung mit höherer Bandbreite und geringerer Latenz profitieren. Also wird beispielsweise die Übertragung des Kamerabildes eines vorausfahrenden Fahrzeugs möglich. Augmented und Virtual Reality hingegen benötigen Datenübertragungsgeschwindigkeiten im Gbit/s und Verzögerungszeiten im einstelligen Millisekundenbereich, die mit heutigen Mobilfunktechnologien wie LTE nicht darstellbar sind. Natürlich setzen alle diese Anwendungsfälle den entsprechenden 5G-Ausbau voraus.

Wie jedem Netzwerk sind auch 5G-Netzen Grenzen gesetzt. Was könnte 5G-Übertragungen ausbremsen oder gar ganz zum Stillstand bringen?
Lemke:
Nun, hier gilt wie bei allen Mobilfunktechnologien zuvor, wo kein Signal ist, da gibt es auch keine Datenübertragung, das wird sich mit 5G nicht ändern.

Neben dem klassischen Mobilfunk existieren zahlreiche weitere Alternativen, mit denen in Zukunft kommuniziert werden kann. Dazu zählen WLAN-Hotspots, LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) oder klassische Glasfaser- und Kabelnetze. Inwieweit wird sich der Mobilfunk dagegen behaupten können?
Lemke:
Sicher gibt es Alternativen, zunächst einmal: Die drahtlose Kommunikation insbesondere der digitale Mobilfunk hat einen beispiellosen Siegeszug hinter sich und der Trend ist ungebrochen. 5G-Technologie setzt ihn fort, insbesondere zukünftig auch verstärkt bei industriellen Anwendungen. Glasfaser- und Kabelnetze sind ebenfalls Zugänge zu drahtloser Versorgung im Inhouse-Bereich und für öffentliche WLAN-Hotspots und, das ist ganz wichtig, als Anschlussmedium/-netze für 5G-Basisstationen. 5G hat auf Grund der Fähigkeiten das Potential der Konsolidierung aller drahtlosen Übertragungstechnologien. Mobilfunk als das potenteste aller Weitverkehrsnetze ist so allgegenwärtig, dass er nicht wegzudenken ist.

Inwieweit braucht es bei flächendeckender Ausdehnung von 5G überhaupt noch den vielbeschworenen Glasfaserausbau?
Lemke:
Hier liegt, wie oben bereits angedeutet, ein Missverständnis vor. 5G benötigt Glasfaser, denn die hohen Datenraten lassen sich nur per Glasfaser von den 5G-Basisstationen abführen. Das heißt, es gibt keinen Gegensatz, sondern sie ergänzen einander. Es gilt: Es geht nicht ohne Glasfaser, es stellt sich nur immer die Frage, wie weit der nächste Glasfaserendpunkt entfernt ist.

Welche Weichen müssen Mobilfunk-Provider bereits heute stellen, um langfristig erfolgreich zu sein?
Lemke:
Drei Themen sind hier wichtig: Eine entsprechende Glasfaserinfrastruktur zur Bewältigung der 5G-Datenraten, eine 5G-Netzarchitektur basierend auf Software-defined Networks einführen, flexibilisiert durch Virtualisierung von Kernnetzfunktionen, und das Treffen von Vorbereitungen, um über ausreichend Spektrum zu verfügen.

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