Peter Frerichs, Inform
MOB: Herr Frerichs, die Engpässe während der Corona-Krise haben gezeigt, wie volatil die Supply Chain ist. Weshalb ist hier eine verstärkte Lagerhaltung keine Lösung?
Peter Frerichs: Es ist ein allgegenwärtiger Trend: Als Reaktion auf Engpässe folgt ein panischer Ausbau von Sicherheitsbeständen. Das ist allerdings nicht der Schlüssel zu einer robusteren, resistenteren Lieferkette. Ein Großteil der Unternehmen ist krisenbedingt finanziell geschwächt. Mit dem reinen Bestandsaufbau geht zusätzlich eine hohe Kapitalbindung einher und gleichzeitig ist eine Ausweitung von Lagerkapazitäten erforderlich. Betriebswirtschaftlich wie ökologisch entsteht hierdurch sicherlich kein langfristiger Vorteil. Bestandssenkungen und Resilienz schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus, da es in der heutigen Zeit deutlich intelligentere Antworten – wie KI-Lösungen – auf solche Herausforderungen gibt.
MOB: Wie können KI oder Maschinelles Lernen helfen, in zukünftigen Krisensituationen besser aufgestellt zu sein und nachhaltiger zu planen?
Frerichs: Unternehmen, die in Krisensituationen auf KI in Form von intelligenten Algorithmen setzen, sind in der Lage, deutlich dynamischer und nachhaltiger zu agieren. Solche Algorithmen treffen exakte Bedarfsprognosen und liefern am Ende kostenoptimale Bestellvorschläge, die sich u.a. an den durch maschinelles Lernen ermittelten Kausalitäten orientieren. Sicherheitsbestände sind demnach nur so hoch wie maximal nötig, damit die gewünschte Lieferfähigkeit gewährleistet bleibt. Sicherlich kann auch eine Optimierungssoftware keinen Totalausfall prognostizieren, jedoch kann sie dazu beitragen, effizienter und wirtschaftlicher auf eine bevorstehende Krise zu reagieren.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09-10/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
MOB: Der Logistikbranche wird unterstellt, sie sei ein „Digitalisierungsnachzügler“. Wie wirkt sich Ihrer Einschätzung nach die aktuelle Krise auf die Digitale Transformation der Branche aus?
Frerichs: Auch in der Logistikbranche gibt es immer weniger Unternehmen, die sich der Digitalisierung verschließen. Die Corona-Krise wirkt hierbei aus meiner Sicht zusätzlich als Katalysator. Wir als Optimierungsspezialist stellen aber bereits seit einigen Jahren fest, dass die Nachfrage nach spezialisierter Software zur Optimierung komplexer Supply-Chain-Prozesse zunimmt: Immer mehr Prozesse und Produktionsschritte werden digitalisiert und auch die Verfügbarkeit und Menge an relevanten Daten nimmt stetig zu. Hier liegt die Basis für den Einsatz moderner Software, die es Unternehmen ermöglicht, intelligente Entscheidungen zu treffen, indem sie in komplexen Situationen relevante Entscheidungsvarianten durchkalkuliert und dem Anwender die bestmögliche Lösung zur Umsetzung vorschlägt.
((Bildquelle: Inform))