Assekuranz digital

Adaptive Versicherungen für Individualisten

Auch im Versicherungsmarkt sind Standardprodukte von gestern, individuelle Lösungen sind im Trend.

Versicherungen sind ein ganz besonderes Genre im Dienstleistungsmarkt. In der älteren Generation gibt es wohl kaum jemanden, der keine Versicherungen hat. Doch der Markt ist seit einigen Jahren im Umbruch. So lohnt sich die urdeutsche Lebensversicherung immer weniger und zwar sowohl für den Kunden als auch für die Versicherer. Die Konsequenz: Langsam verabschieden sich die Anbieter aus diesem Markt.

Auf der anderen Seite werden Sachversicherungen lediglich als Leistungserbringer im Schadensfall wahrgenommen. Am deutlichsten sichtbar ist diese Tendenz im Markt der Autoversicherung, aber auch beim Rechtsschutz. Hier herrscht ein enormer Preiskampf und der starke Effizienzdruck sorgt dafür, dass die Anbieter immer austauschbarer werden.

Kunden wünschen sich mehr individuelle Angebote

Doch genau das widerspricht den Erwartungen der Kunden. Die Trendstudie „Die Zukunft der Versicherung“ des Leipziger Trendforschungsinstitutes 2b AHEAD ThinkTank macht deutlich, dass die Versicherungskunden sich eine größere Flexibilität im Angebot wünschen. Der Grund ist hier wie in vielen anderen Märkten die Digitalisierung, die vor allem den Megatrend Individualisierung antreibt.

Hier sind die Versicherungen aufgefordert, adaptive Produkte zu entwickeln. Darunter sind individuelle und veränderbare Versicherungen zu verstehen. Sie passen sich an die individuellen Risiken eines einzelnen Menschen an und sind über die Vertragslaufzeit hinweg veränderlich. Die Konsequenz für die Versicherungsunternehmen: Die traditionelle Spartenorganisation löst sich langsam aber sicher auf. Stattdessen kann sich der Kunde ein privates, nicht standardisiertes Versicherungsprodukt zusammenstellen.

Angesichts des Internets der Dinge mit seinen vernetzten Geräten haben die Versicherungen in den nächsten Jahren zahlreiche Möglichkeiten, sich durch Zusatzdienste von den Mitbewerbern abzuheben. Die an den Fahrstil angepasste Autoversicherung ist ja bei einigen Anbietern bereits Wirklichkeit. Doch es handelt sich immer noch um ein Standardprodukt - auch wenn der Preis recht individuell ist.

Die Trendforscher erwarten, dass in den nächsten zehn Jahren Versicherungen wirklich individuelle Produkte entwickeln werden, die zu einem großen Teil auf der zunehmenden Vernetzung unterschiedlichster Datenarten und -quellen basieren. Sie verknüpfen diese Daten in der Cloud und bieten den Kunden eine für jede Situation passende Lösung an, beispielsweise einen Risikoschutz oder eine langfristig angelegte Vorsorge.

„Dabei treiben sich das Internet of Everything und adaptive Versicherungsprodukte wechselseitig voran“, schreiben die Autoren der Studie. Mit den erhobenen Daten gestalten die Anbieter neue Produkte, wodurch wiederum das Datenvolumen wächst und in der Konsequenz das Wissen der Anbieter über die Kunden. Hieraus lassen sich weitere dynamische Produkte erzeugen. Ein sehr einfaches Beispiel: Eine „Gesundheitsversicherung“ gibt Bonuspunkte für sportliche Aktivitäten, die mit den Sensoren eines Smartphones erfasst werden können.

Der Fokus verschiebt sich von Risikoschutz auf Prävention

Doch das noch nicht alles, so ist auch eine „smarte“ Versicherung denkbar, die über die Auswertung der Kundendaten Vorschläge für Erweiterungen oder Änderungen des Versicherungsschutzes macht. Ein denkbares Beispiel: Der Anbieter einer Rechtschutzversicherung erkennt anhand der übertragenen Daten, dass ein bestimmter Kunde eine Reise nach China plant. In diesem Fall bietet es ihm eine befristete Erweiterung der Rechtsschutzversicherung für die Zeit des Urlaubs an.

Für die Versicherung bedeutet dies, dass sich der Fokus stärker vom Risikoschutz auf die kontinuierliche Prävention verschiebt. Am deutlichsten ist das bei den Krankenversicherungen, doch diese Entwicklung wird es auch in anderen Bereichen geben. Hinzu kommt nach Ansicht der Trendforscher, dass Versicherungen in Zukunft dazu gezwungen sind, zusätzliche Smart Services zu ihren Produkten entwickeln zu müssen.

Auch bei den Geschäftsmodellen im Versicherungsmarkt sind noch viele Änderungen möglich. So ist es denkbar, das im Bereich der digitalen Services erprobte Freemium-Prinzip auch auf Versicherungen zu übertragen. Dabei gibt es einen grundlegenden Risikoschutz kostenlos, erweiterter Schutz, Unterstützung bei der Prävention sowie zusätzliche Dienstleistungen werden dann zu einem individuellen Servicepaket geschnürt, das auch einen individuellen Preis hat.

Voraussetzung für solche und ähnliche Services ist natürlich eine Freigabe der Daten durch den Kunden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Versicherungen unterschiedliche Versicherungstypen anbieten. Denkbar wären Standardversicherungen mit (sicher nicht ganz billigen) „Flatrates“ für Leute, die Wert auf eine möglichst geringe Datentransparenz legen und andererseits adaptive Versicherungen für alle Kunden, die ihre Daten gerne freigeben.

Und die Datenfreigabe dürfte in wenigen Jahren nicht nur das Smartphone mit seinen Sensoren betreffen, sondern auch andere Geräte wie Amazon Echo oder Systeme in den Bereichen Smart Home oder Smart Car. Aus Datenschutzsicht ist das natürlich die schöne neue Welt: Unternehmen wissen alles über ihre Kunden, inklusive der ominösen Möglichkeiten von Big-Data-Anwendungen, Information aus dem Datenpool ableiten zu können, die dem betreffenden Kunden unter Umständen selbst nicht so recht bewusst sind.

Bildquelle: Thinkstock

Die 2bAHEAD-Trendstudie „Die Zukunft der Versicherung

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