Der Webzombie

Adobe Flash stirbt jeden Tag ein wenig mehr

Mal sind es 24 Sicherheitslücken, die ein Patch schließt, mal 78: Der Flash-Player gehört ins Software-Nirvana. Bitte, helft alle mit und schaltet ihn aus.

Bitte, helft alle mit und erlöst den Flash-Zombie

Wenn es einen Preis für die furchtbarste Software aller Zeiten gäbe, würde Adobe Flash sicher einen der ersten drei Plätze belegen. Dabei hatte alles so toll angefangen: Vor ziemlich genau 20 Jahren hat FutureWave ein Programm zum Basteln von Animationen geschrieben. Kurze Zeit später kaufte Macromedia den Hersteller und brachte das Programm ein Jahr später unter dem Namen Flash auf den Markt.

Die Geschichte von Flash

Was waren das Zeiten: Das World Wide Web war jung, Windows 95 das Betriebssystem der Stunde und Computer hatten noch Diskettenlaufwerke. Ein paar Sachen waren aber auch damals schon wie heute, zum Beispiel der Umgang mit Hype.

Und ein Hype war Flash damals wirklich, denn es eignete sich für Multimedia. Das war seinerzeit eine ähnlich häufig beschworene Sache wie heute die digitale Transformation. Flash erlaubte nämlich interaktive, aufwändig gestaltete und animierte Anwendungen, die auf jedem Computer liefen.

Damals war Flash eine der wenigen Entwicklungsumgebungen, die multimediale Inhalte erzeugen und einfach über CD-ROM verbreiten konnten. Auch im Internet wurde Flash rasch populär, da die Möglichkeiten der Darstellung im frühen HTML stark begrenzt waren. Also griffen (nicht nur überkandidelte) Designer zu Flash, um optisch attraktive Websites zu gestalten.

Ein zweiter Schub kam vor etwa zwölf Jahren durch Videos. Der Flash-Player bot seinerzeit gute Funktionen für das Abspielen von Videos im Internet. Was ihn für viele Anbieter vor allem interessant machte, war die relativ einfache Möglichkeit, Kopierschutzmechanismen (DRM) umzusetzen. Die Entwickler von Flash hatten bereits von Anfang an diese Möglichkeit gedacht, da Multimedia-CD-ROMs häufig einen Kopierschutz besaßen.

Vor allem YouTube sorgte für eine rasche Verbreitung das Flash-Players, ohne den sich bis vor wenigen Jahren praktisch keine Videos im Internet anzeigen ließen. Inzwischen hatte Adobe den Flash-Hersteller Macromedia aufgekauft und die weitere Entwicklung übernommen. Das Unternehmen gab 2008 an, dass zu dieser Zeit gut 98 Prozent aller Computer den Flash-Player installiert hatten.

Flash in der Malware-Falle

Parallel dazu entwickelte sich das Web allerdings auch weiter und Flash wurde immer seltener für den Aufbau von interaktiven Websites genutzt. Es war einfach nicht mehr nötig, da mit CSS und HTML 5 zwar noch in Entwicklung befindliche, aber trotzdem in allen relevanten Browsern verbreitete Standards nutzbar waren. So dauerte es nicht lange und Flash wurde (fast) ausschließlich für das Abspielen von Videos eingesetzt.

Und an ungefähr diesem Punkt lief Adobe mit Flash in die Malware-Falle, die bereits Microsoft-CEO Bill Gates und seinen Nachfolgern bei Windows erhebliche Kopfschmerzen bereitet hatte. Denn eine Software, über das Internet erreichbar und gleichzeitig auf praktisch jedem Rechner vorhanden, ist was? Genau: Eine Einladung an jeden Cyberkriminellen, darüber beispielsweise Trojaner für die Zusammenschaltung von Bot-Netzen einzuschleusen.

Die Zahlen der gefundenen Sicherheitslücken stiegen ins Unfassbare. So gibt es jedes Jahr eine gute Hundertschaft Probleme mit höchstem Schweregrad, bei denen bereits das Öffnen einer Webseite mit dem Flash-Player zu einer Verseuchung mit Malware führt. Einzelne Updates schließen bis zu 80 Lücken. Und die quietschbunte Version von Malware, Älteren als Reklame bekannt, nutzt bestimmte Funktionen des Flash-Players, um einen Computer eindeutig zu identifizieren und das Anwenderverhalten aufzuzeichnen.

Hinzu kommt, dass Flash im Grunde eine vollkommen veraltete Technologie ist, die auf mobilen Geräten für Probleme sorgt. So tendieren Flash-Videos dazu, den Akku leer zu saugen. Das sorgt im Alltag für unangenehme Überraschungen. Aber immerhin kann der Flash Player als Akkutester eingesetzt werden: Wenn ein Smartphone die Radikalbehandlung einer Flash-Dauerschleife länger als 8 Stunden aushält, kann der Akku nur empfehlenswert sein.

Kurz und gut: Flash ist tot und stinkt auch schon ganz gewaltig, führt aber bislang noch ein Halbleben als Webzombie, der auf zu vielen Websites noch eingesetzt wird. Dabei propagieren zahlreiche Unternehmen die Abkehr von Flash. Vorreiter war hier Steve Jobs von Apple, der das Programm für instabil und unsicher hielt. So konnte iOS noch nie Flash-Zeugs anzeigen. Selbst Adobe empfiehlt inzwischen den Umstieg von Flash auf HTML5, ist aber dazu verdammt, die bestehenden Anwender noch eine Zeitlang zu unterstützen.

Flash verschwindet nur langsam

Big Player wie Facebook oder Mozilla wollen den Flash-Player abschaffen und trocknen langsam, aber sicher seine Basis aus, indem sie ihn nicht mehr unterstützen oder zumindest den Einsatz erschweren. Wer etwa den Open-Source-Browser Firefox installiert, wird mit Flash gar nicht mehr belästigt. Das entsprechende Plugin ist ausgeschaltet.

Jeder Anwender sollte den Webzombie Flash deaktiviert lassen. Denn die Anzahl der Sicherheitsaktualisierungen macht Flash-Updates zu einer äußerst nervigen Angelegenheit. Wer nicht genau aufpasst, schaut leicht in die Röhre. Der Grund: Der Update-Check geschieht normalerweise nur bei einem Neustart. Wer also den Windows-Ruhezustand statt des „ordnungsgemäßen“ Herunterfahrens bevorzugt, verpasst leicht ein paar Updates. Besser also, das Plugin auf jeden Fall zu deaktivieren.

Denn die üblichen, gut besuchten Websites wie Google, Facebook, Amazon, und viele mehr setzen überhaupt gar kein Flash mehr ein. Ganz generell wird Flash nur in bestimmten Bereichen noch benutzt, etwa auf Streaming-Webseiten wie Spotify. Wer diese Services nicht nutzt, kann Flash komplett ausschalten. Wer aber auf Spotify nicht verzichten möchte, muss das Plugin so einstellen, dass er nach einem Mausklick Flash dann trotzdem nutzen kann - auf eigene Gefahr.

Service: So deaktivieren Sie Flash

Diese kurzen Anmerkungen zeigen, wie Sie unter Windows 10 Flash in Ihrem Browser ausschalten können.

Chrome: In der Adressleiste „chrome://plugins/“ eingeben, Eingabetaste drücken, in der Liste das Flash-Plugin suchen und auf „Deaktivieren“ klicken.

Firefox: Menü (Drei-Balken-Symbol) öffnen, Symbol „Add-Ons“ anklicken, Eintrag „Plugins“ anklicken, in der Zeile mit dem Flash-Plugin aus dem Menü „Nie aktivieren“ auswählen.

Edge: Menü (Drei-Punkte-Symbol) öffnen, ganz unten „Erweitere Einstellungen“ wählen und Regler „Adobe Flash Player verwenden“ auf „Aus“ verschieben.

Internet Explorer: Im Startmenü „Alle Apps > Windows System > Systemsteuerung“ wählen, „Internetoptionen“ anklicken, Register „Programme“ aktivieren, „Add-Ons- verwalten“ anklicken, Eintrag „Shockwave Flash Object“ anklicken und „Deaktivieren“ wählen.

Bildquelle: Thinkstock

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