Enterprise Mobility Managent

Alle Daten unter Kontrolle

Datensicherheit und -schutz stehen in Deutschland weit oben auf der Agenda, weshalb Bring-your-own-Device-Konzepte bisher nur zögerlich hierzulande Anwendung finden. Doch mit einer passenden Enterprise-Mobility-Management-Lösung bleiben die Daten unter Kontrolle, betont Peter Oguntoye, Vertriebsingenieur für die DACH-Region bei Airwatch, im Interview mit MOBILE BUSINESS. Die zukünftige Entwicklung im Bereich EMM schätzt er positiv ein.

Peter Oguntoye, Airwatch

„Man könnte GB ein wenig mit den USA vergleichen, die allgemein ein wenig rabiater sind was den Datenschutz angelangt", so Peter Oguntoye.

Herr Oguntoye, wie gestaltet sich der Enterprise-Mobility-Management-Markt in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?
Peter Oguntoye:
Enterprise Mobility ist im Allgemeinen das wichtigste Thema, seit es den PC gibt, und Deutschland stellt für diesen Bereich einen sehr wichtigen Markt dar: Einerseits betreibt das Land die größte Wirtschaft in Europa, andererseits wird hier effiziente Technik sehr früh adoptiert – etwa von den großen Autoherstellern, Warenkaufhäusern und Logistikern. Sie alle brauchen Enterprise-Mobility-Lösungen und zeigen auch großes Interesse, weil jene Lösungen das Geschäft modernisieren. Mit Enterprise Mobility haben Unternehmen mehr Kontrolle über ihre verteilten Daten. Andere Länder hinken an dieser Stelle etwas hinterher.

Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Enterprise Mobility Management (EMM) und Mobile Device Management (MDM)?
Oguntoye:
Mit Mobile Device Management fing letztlich alles an. So ging es zunächst nur darum, bestimmte Funktionalitäten bzw. Komponenten am Geschäftstelefon wie etwa die Kamera ein- und ausschalten zu können, damit Mitarbeiter in bestimmten Gebäuden keine Bilder machen oder Videos aufzeichnen können, wenn dies der Arbeitgeber untersagte.

Dann hat sich das Ganze thematisch und komponententechnisch ausgebreitet, denn es kamen viele Fragen auf: Wie verfährt man mit E-Mails? Wie gehen wir mit persönlichen Informationen um? Mit Kontakten und Kalendereinträgen? An dieser Stelle war das Mobile E-Mail Management geboren.

Im Folgenden tauchten plötzlich die ganzen Apps auf – ob selbstentwickelt, von Dritten eingekauft oder im öffentlichen Appstore zur Verfügung gestellt – und Unternehmen mussten sich fragen, wie man diese Applikationen an bestimmte Mitarbeiter verteilen und dann wieder zurücknehmen könnte, wenn jene Mitarbeiter z.B. die Firma verlassen. Hier kam also das Mobile Application Management hinzu.

Enterprise Mobility Management umfasst letztlich all diese Bereiche, inklusive Mobile Device Management, Mobile E-Mail Management, Mobile Application Management und auch Mobile Content Management.

Ab wann lohnt sich EMM für ein Unternehmen?
Oguntoye:
Enterprise Mobility Management ist für jedes Unternehmen wichtig. Wer Geräte an seine Mitarbeiter ausgibt oder generell Szenarien wie BYOD (Bring your own Device) oder COPE (corporate-owned, personally-enabled) unterstützt, möchte natürlich sicher sein, dass die generierten Daten innerhalb der Firma bleiben.

Enterprise Mobility wird in Unternehmen sehr unterschiedlich eingesetzt: Einige vertrauen auf sehr „kleine Lösungen“, die nur für eine geringe Anzahl an mobilen Endgeräten zulässig sind. Doch es gibt auch mandantenfähige Lösungen: Mit unserer Plattform können wir z.B. bis zu 250.000 Geräte und mehr verwalten.

Wie gestaltet sich Ihre Kundenlandschaft in Deutschland?
Oguntoye:
Sie ist breitgefächert. Viele Kunden entstammen der Logistikbranche und arbeiten mit robusten Geräten, die verwaltet werden müssen. Auch in der Luftfahrt sehen wir viel Bewegung. Hier vertraut beispielsweise eine große deutsche Fluggesellschaft auf unsere Expertise.

Inwieweit wird BYOD bereits in Deutschland akzeptiert?
Oguntoye:
In den Köpfen der Endnutzer erscheint das Thema wichtiger, als es in den Unternehmen tatsächlich schon umgesetzt wird. Doch die Arbeitgeber erkennen und akzeptieren zunehmend, dass die Arbeitnehmer jene Geräte, die sie kennen und lieben, natürlich für alles einsetzen möchten.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland wiederum schon recht gut positioniert. Der Grund: Durch BYOD können Unternehmen bei der Geräteanschaffung grundsätzlich Kosten sparen, weil sie eben keine mobilen Devices an ihre Mitarbeiter herausgeben müssen, da diese ihre Privatgeräte nutzen. Von Herstellerseite wünschen wir uns in Zukunft natürlich eine noch stärkere BYOD-Umsetzung.

Stimmt es, dass Großbritannien in Sachen „BYOD“ schon weiter als Deutschland ist?
Oguntoye:
Ja, das ist richtig. Man könnte GB ein wenig mit den USA vergleichen, die allgemein ein wenig „rabiater“ sind, was den Datenschutz anbelangt. Daten werden dort grundsätzlich gesammelt und die Einschränkungen sind nicht so stringent. In Deutschland sind die Nutzer deutlich vorsichtiger und äußerst auf Sicherheit fokussiert. Dennoch haben wir hier bereits Kunden, die Bring-your-own-Device-Szenarien sicher und datenschutzkonform umsetzen, wenn auch oft nur in einem etwas kleineren Rahmen.

Mit welchen Herausforderungen ist die Einführung einer kompletten EMM-Lösung verbunden?
Oguntoye:
Je nach Modell gestaltet sich die Einführung recht aufwendig. Wer ein Cloud-Modell wählt, wird administrativ und auch wartungstechnisch weniger zu tun haben. Es kommt aber auch darauf an, wie viele mobile Endgeräte verwaltet werden und welche Anwendungsfälle abgebildet werden sollen. Aufwendiger wird es in jedem Fall bei einem global aufgestellten Unternehmen.

Wenn die EMM-Lösung schließlich rund läuft, amortisiert sich die Anfangsinvestition eines Unternehmens rasch, weil dessen Mitarbeiter nun effizienter arbeiten können. Egal, wo sie sich auf der Welt befinden, können sie via Internet auf interne Ressourcen und Daten zugreifen.

Wie gestaltet sich der zeitliche Aufwand einer entsprechenden Installation?
Oguntoye:
Die Software-as-a-Service-Variante (SaaS) ist innerhalb von 48 Stunden startklar. Der Kunde bezahlt und wir müssen lediglich einen Hebel umlegen. Alles, was der Geschäftsanwender braucht, ist eine E-Mail-Adresse, über die er sich letztlich auch im System anmeldet. Bei manchen Endgeräten gestaltet sich die Registrierung für die Verwaltung etwas aufwendiger, doch in der Regel geht alles relativ schnell über die Bühne.

Entscheiden sich Ihre Anwender eher für eine EMM-Cloud- oder -On-Premise-Variante?
Oguntoye:
Weltweit befinden sind 80 Prozent unserer Kunden in der Cloud und 20 Prozent haben sich für „On Premise“ entschieden. In Deutschland ist es genau umgekehrt: Hier befinden sich nur 20 bis 30 Prozent der Kunden in der Wolke und 70 bis 80 Prozent vertrauen auf die On-Premise-Variante – aus Datenschutzgründen.

Wird sich dies wandeln?
Oguntoye:
Meiner Meinung nach nicht in der näheren Zukunft, denn in Deutschland sind – wie bereits erwähnt – Sicherheit und Datenschutz sehr wichtige Themen. Hier muss tatsächlich jede Firma selbst schauen, welche Strategie sie fahren will, denn jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Was man auf jeden Fall sagen kann: Es gibt ein eindeutig erhöhtes Interesse an „Cloud“ insgesamt. Das ist auch ein weltweiter Trend

Gerätehersteller wie Apple bieten MDM-Lösungen im kleineren Rahmen auch selbst an. Inwiefern stellen solche Anbieter eine Konkurrenz für Sie dar?
Oguntoye:
Konkurrenz ist immer gut. Wir brauchen sie auch, um besser zu werden. Unsere Plattform ist zum größten Teil auf Kundenwunsch gewachsen, d.h. Kunden kommen zu uns, damit eine bestimmte Funktionalität implementiert wird. Natürlich überlegen unser Produktmanagement und -marketing, ob eine entsprechende Umsetzung nach Kundenwunsch am Ende für uns Sinn ergibt, aber in der Regel tut sie das. Wir setzen letztlich dort an, wo die Funktionalität bei den kleineren Herstellern aufhört, und bieten die Integration in den Enterprise-Bereich bzw. Mandantenfähigkeit an.

Welche Rolle spielt hierbei das neue Betriebssystem Windows 10?
Oguntoye:
Windows 10 ist nicht nur für Microsoft, sondern auch für den Rest der Welt ein wichtiges Thema. Ein Großteil der PCs weltweit basiert auf Windows. Laut Hersteller werden bis 2018 19 Milliarden Geräte auf Windows-10-Basis laufen.

Für EMM führt das Betriebssystem sehr wichtige Funktionalitäten ein, an die wir andocken, wobei die Datensicherheit im Vordergrund steht. „Bulk Enrollment“, sprich die Massenregistrierung, dass viele Endgeräte ohne größeren Aufwand in EMM aufgenommen werden können, wurde angestoßen. Mit der Funktion „Health Attestation“ lässt sich indes prüfen, wie „gesund“ ein Gerät ist, bevor es irgendwelche Datensätze verarbeiten darf.

Mit welchem Aufwand ist für Ihre Kunden die Migration auf Windows 10 verbunden?
Oguntoye:
Der Aufwand ist wirklich nur der, den der Kunde auch ohne Airwatch hätte: Er muss von einem alten Betriebssystem auf die neue Windows-Version migrieren. Die Geräte selbst müssen nicht neu registriert oder installiert werden.

Wie schätzen Sie den zukünftigen EMM-Markt ein?
Oguntoye:
Spekulieren kann ich nicht, aber der Trend in Richtung EMM ist klar zu erkennen. Wir sehen die Traktion allein schon durch unser Kundenwachstum. Vor zweieinhalb Jahren, als ich dem Unternehmen beigetreten bin, hatten wir 3.000 Kunden, inzwischen liegen wir bei 16.000 Kunden. Der Mobility-Markt bewegt sich sehr schnell und wächst sehr stark.

Was passiert mit Firmen, die nicht auf den Enterprise-Mobility-Management-Zug aufspringen?
Oguntoye:
Man sieht am Beispiel einer großen, aus Kanada stammenden Firma mit relevanter und geschätzter Technologie was passiert, wenn man nicht die neuesten Innovationen aufgreift, auf die Kunden hört und auf Höhe der Zeit bleibt. Anbieter müssen ihre Produkte plattform-agnostisch gestalten, sprich eine Technologie sollte für sämtliche Plattformen und Anwendungsfälle passen. Das ist die Zukunft. Enterprise Mobility Management wird hier auf jeden Fall relevant bleiben.

Und was passiert, wenn sich die Endkunden nicht mit dem Thema befassen?
Oguntoye:
Dann werden sie irgendwann ihre vertraulichen Daten nicht mehr sicher untereinander teilen können. Sie haben keine Kontrolle darüber, wohin die Daten gelangen und wo sie gespeichert werden. Es besteht gar das Risiko, dass sie Daten komplett verlieren. Enterprise Mobility Management ist somit ein Geschäft, das wir alle ernstnehmen sollten.


Peter Oguntoye ...
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ist Vertriebsingenieur bei Airwatch. In seiner Funktion ist er für alle technischen Pre-Sales-Aktivitäten in der DACH-Region verantwortlich. Als Produktexperte mit langjähriger Erfahrung arbeitet Oguntoye eng mit Neukunden und Partnern zusammen, um Ideen auszutauschen und die Grenzen mobiler Technologien neu zu definieren. Mit seinem technischen Know-how begleitet er Unternehmen von Frühphasen-demonstrationen über Anforderungs-erfassung bis hin zum erfolgreichen Proof of Concept. Vor seiner Tätigkeit bei Airwatch war Oguntoye u.a. als Pre-Sales-Berater für ein in London ansässiges und auf Computer Forensics spezialisiertes Unternehmen tätig. Ferner arbeitete er als Security Program Manager bei einem Computer- und Netzwerk-Security-Unternehmen.

Airwatch wurde im Jahr 2003 gegründet und erzielte schon frühzeitig Erfolge auf dem Gebiet des Managements drahtloser Endpunkte und robuster Geräte. Im Jahr 2006 schwenkte das Führungsteam den Schwerpunkt der Firma strategisch auf das Management sämtlicher Geräte in Unternehmen. Heute ist Airwatch Anbieter von Enterprise Mobility Management. Mit über einem Jahrzehnt an Erfahrung entwickelt die Firma Lösungen, die Unternehmen zur innovativen Verwendung mobiler Technologie befähigen. Im Februar 2013 sicherte sich Airwatch mit 200 Mio. US-Dollar eine der bis dato größten Erstfinanzierungsrunden. Ein Jahr später akquirierte VMware das Unternehmen für 1,54 Mrd. US-Dollar.

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