Zwei Jahre nach Übernahme

Also doch: WhatsApp will Daten mit Facebook teilen

Nahezu zwei Jahre nach der über 20 Milliarden Dollar teuren Übernahme von WhatsApp will Facebook die Dienste enger miteinander verzahnen.

Mit dem Abgleich der Telefonnummer solle unter anderem die relevantere Werbung bei Facebook angezeigt werden. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Mit dem Abgleich der Telefonnummer solle unter anderem die relevantere Werbung bei Facebook angezeigt werden. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Künftig sollen die Telefonnummer des WhatsApp-Nutzers sowie Informationen dazu, wie häufig der Kurzmitteilungsdienst genutzt wird, an Facebook weitergegeben werden. Bestehende WhatsApp-Mitglieder könnten zumindest der Verwendung ihrer Daten für die Personalisierung von Facebook-Werbung und Freunde-Vorschläge widersprechen, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. An Facebook weitergegeben werde die Telefonnummer künftig aber in jedem Fall, wenn man die App weiternutzen wolle.

>>Werden unsere Befürchtungen aus 2014 also jetzt doch noch wahr?<<

Zugleich betonte WhatsApp, dass Facebook auf keinen Fall Zugang zum Inhalt von Kurzmitteilungen bekommen werde. Mit der Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Frühjahr seien sie ohnehin nur für die beteiligten Nutzer und nicht einmal für WhatsApp selbst einsehbar.

Mit dem Abgleich der Telefonnummer solle unter anderem die relevantere Werbung bei Facebook angezeigt werden, hieß es weiter. Wenn zum Beispiel ein WhatsApp-Nutzer seine Handy-Nummer auch mit Händlern geteilt habe, die Anzeigen bei Facebook schalten und dafür ihre Datenbanken hochluden, könnten ihm durch den Abgleich Angebote des Geschäfts eingeblendet werden. In den neuen Nutzungsbedingungen geht es auch um die Pläne, WhatsApp für die Kommunikation zwischen Nutzern und Unternehmen einzusetzen.

Facebook hatte WhatsApp im Herbst 2014 für rund 22 Milliarden Dollar übernommen. Der Kurzmitteilungsdienst hat inzwischen mehr als eine Milliarde Nutzer. Der ursprüngliche Plan von Koum war, WhatsApp mit einer Jahresgebühr von rund einem Dollar bzw. Euro pro Nutzer als unabhängige Firma zu betreiben. Die Übernahme durch Facebook brachte dem Dienst den Zugang zu der gigantischen Rechen-Infrastruktur des Online-Netzwerks. Zugleich wurde WhatsApp wieder zu einer kostenlosen Anwendung. Klar war dabei, dass an irgendeinem Punkt eine Möglichkeit gefunden werden müsste, wie Facebook von dem Milliardendeal auch finanziell profitieren kann.

Zugleich hatte der Ukrainer Koum stets betont, dass er auch durch seine Kindheitsjahre in der kommunistischen Sowjetunion großen Wert auf den Schutz der Privatsphäre lege. In Brasilien war WhatsApp in den vergangenen Monaten auf richterlichen Beschluss wiederholt blockiert worden, weil der Dienst keine verschlüsselten Mitteilungen herausrückte. «Unser Glaube an private Kommunikation ist nicht zu erschüttern», hieß es auch im Blogeintrag am Donnerstag.

dpa / rs

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok