Andromium OS

Android kommt auf den Desktop

Nach Hause kommen, das Smartphone andocken und dann am Desktop-Monitor weiterarbeiten - diese Idee will ein Kickstarter-Projekt verwirklichen und benötigt dafür noch Unterstützer.

Der Andromium-Desktop im Einsatz

Wer eines der aktuellen Highend-Smartphones wie das Galaxy S5 oder Note 4 besitzt, trägt einen Boliden durch die Gegend. Die Leistungen der aktuellen Snapdragon-Prozessoren entsprechen ungefähr dem, was sich noch vor wenigen Jahren auf zahlreichen Schreibtischen als Desktop-PC befand. Es ist also recht nahe liegend, ein Smartphone auch als Ersatz für einen normalen Arbeitsrechner zu benutzen.

Bei Notebooks gibt es diese Lösung schon recht lange: Monitor, Tastatur und Maus werden an einer Dockingstation angeschlossen, in die dann das Notebook eingeklinkt wird. Das Betriebssystem schaltet die Bildschirmausgabe sofort auf den externen Monitor um und aktiviert die Eingabegeräte. Anschließend kann es losgehen, der Unterschied zu einem herkömmlichen Computer ist im Alltag nicht zu bemerken.

Bei Smartphones gibt es solche Verwandlungskünste bisher nicht. Ein noch bis zum 25. Januar laufendes Kickstarter-Projekt will diese Situation ändern. Es soll bei Fertigstellung und mit dem vollen Lieferumfang ein Smartphone zu einem vollständigen Desktoprechner umwandeln. Dafür hat der Hersteller „Andromium Inc.“ ein Funding-Ziel von 100.000 Dollar angegeben.

Das Produkt heißt „Andromium“ und ist eine Kombination aus Hardware und Software. Es besteht aus einer Docking-Station mit drei USB-Ports und einer Buchse für ein Netzteil. Dadurch arbeitet das Dock auch als Ladegerät. Außerdem besitzt das Dock einen eigenen Bluetooth-Adapter und soll in Zukunft auch mit HDMI ausgerüstet werden. Mit den Adaptern können Monitor, Tastatur, Maus oder ein Gamecontroller angeschlossen werden.

Die Software-Seite des Systems wird abgedeckt durch das so genannte „Andromium OS“. Die App wird über Google Play installiert und erweitert Android ab Version 4.4.2 um diverse Desktop-Funktionen. Auf dem angeschlossenen Monitor erscheint nach dem Einstecken des Smartphones in die Docking-Station ein eigener Andromium-Desktop.

Der Andromium-Desktop

Er entspricht in Funktion und Bedienungsweise ungefähr den Desktops von Linux (KDE, Gnome) oder von Windows 7. So gibt es links unten ein Startmenü, in einer Taskleiste werden die Symbole der aktiven Apps angezeigt und alle App-Symbole sowie weitere Ordner und Dateien können auf dem Desktop abgelegt werden.

Wichtig: Das originale Android-System des Smartphones arbeitet auch im Dock wie gewohnt weiter. Das Gerät kann also beispielsweise Anrufe und SMS empfangen. Auch die meisten vorhandenen Apps arbeiten unter Andromium, starten aber auf dem Desktop. Systemnahe Apps sind allerdings nicht in der Lage, mit dem Android-Aufsatz zusammenzuarbeiten.

Die auf dem Smartphone installierten Apps erscheinen als Symbole auf dem Andromium-Desktop und arbeiten dann im Vollbild-Modus. Speziell an die Zusammenarbeit mit Andromium angepasste Apps arbeiten wie bei einem Desktop-Betriebssystem gewohnt in einem Fenster. Im Desktop-Modus werden alle Apps mit Tastatur und Maus bedient.

Zum Lieferumfang von Andromium gehören bereits einige spezielle Andromium-Apps, unter anderem ein Browser, Video- und Musik-Apps, eine Office-App und ein Dateimanager. Außerdem wird es ein Entwickler-Kit geben, so dass weitere Programmierer Apps für Andromium schreiben können.

Ein Hinweis zur Hardware: Zur Zeit unterstützt das System noch nicht alle Smartphones. Doch viele Highend-Androiden arbeiten damit zusammen. Das Samsung Galaxy S3, S4 und alle Galaxy Notes passen in den Docking-Anschluss. Das Galaxy S5 sowie HTC One M8, LG N5/G3, Motorola Nexus 6 und One Plus One werden via Chromecast unterstützt. Weitere Docking-Stationen für diese und andere Geräte sind angekündigt.

Doch im Moment sieht es leider so aus, als ob die Idee eines Desktop-Docks für Smartphones auch weiterhin ein schöner Gedanke bleiben wird. Zwar sind es noch mehr als eine Woche bis zum Ende des Fundings, doch bisher lediglich etwas mehr als 60 Prozent der notwendigen Investitionssumme zusammengekommen. Das könnte knapp werden.

Bildquelle: Andromium Inc.

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