Nachgefragt bei Dominikus Hierl, Telit

Anstieg auf breiter Front

Interview mit Dominikus Hierl, Chief Marketing Officer bei Telit Wireless Solutions

Dominikus Hierl, Telit

„Die Verwaltung der großen Datenmengen wird ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt im Bereich M2M sein“, weiß Dominikus Hierl, Chief Marketing Officer bei Telit Wireless Solutions.

Herr Hierl, inwiefern ist das Thema „M2M-Kommunikation“ bereits in den Unternehmen angekommen? Wie ist der Stand der Dinge?
Dominikus Hierl:
Die Nachfrage nach M2M-Lösungen steigt auf breiter Front. Und wir stehen hier gerade erst am Anfang, denn dem „Internet der Dinge“ gehört die Zukunft: Der Marktforscher IDC rechnet damit, dass 2015 rund 15 Milliarden intelligente Geräte über das Internet vernetzt sind und ohne menschliches Zutun selbstständig Daten untereinander austauschen.

Für welche Branchen bzw. Unternehmensbereiche ist M2M besonders interessant/relevant und warum?
Hierl:
Hier gibt es nahezu keine Einschränkungen wie folgende Branchen, Bereiche und Anwendungsfälle belegen: im Energiesektor das Smart Metering, im Automotive- und Telematikbereich Themen wie das Connected Car, Pay-as-you-drive-Versicherungen, Toll Collect und Fuhrparküberwachung, oder auch bei privaten Haushalten das Smart Home. Auch Security-Anwendungen wie die Echtzeitüberwachung mit Livestreams sind zu nennen. Nicht zuletzt finden sich auch verstärkt M2M-Lösungen in den Bereichen Health- und Telecare. Ein Beispiel ist die weltweit erste Notrufuhr des Schweizer Unternehmens Limmex.

Welche Anforderungen müssen die Unternehmen erfüllen, um auf M2M setzen zu können?
Hierl:
Die Entwicklung und Bereitstellung einer M2M-Lösung ist komplex. Eine erfolgreiche Nutzung hängt von zahlreichen Faktoren ab: etwa von einer umfassenden Modulüberwachung, einem durchgängigen SIM-Karten-Management oder einem umfangreichen Billing- und Business-Support-System. Unternehmen brauchen hier einen guten Lösungspartner, am besten einen Provider, der alle erforderlichen Services für den Betrieb einer M2M-Lösung aus einer Hand anbieten kann.

Mit welchem Aufwand (zeitlich, personell, kostentechnisch) sind M2M-Projekte verbunden?
Hierl:
Der zeitliche Aufwand – von der Idee bis zur Umsetzung – liegt durchschnittlich bei etwa sechs bis 12 Monaten. Hinsichtlich Kosten und Personaleinsatz sind Aussagen nur sehr schwer zu treffen, da dies stark projektabhängig ist.

Wie können die Unternehmen die Kosten im Blick behalten, wenn die Kommunikation der Geräte/Maschinen/Automaten etc. über das Internet bzw. das Mobilfunknetz läuft – teilweise auch über Ländergrenzen hinweg? Welche Tarifmodelle sind im M2M-Bereich üblich?
Hierl:
Hier gilt es, geeignete Preismodelle je nach Nutzungsdauer und Nutzungsmenge zu finden, damit der Betrieb der M2M-Anwendung profitabel bleibt. Auch die Art und Weise der Rechnungsabwicklung muss geklärt werden. Beim Roaming kann es beispielsweise sein, dass die einzelnen lokalen Mobilfunk-Provider verschiedene Preis- und Abrechnungsmodelle nutzen. Gefragt sind also Billing-Systeme, die diese unterschiedlichen Modelle unterstützen.

Wie kann eine sichere Übertragung der Daten gewährleistet werden (Stichwort: Datenschutz)?
Hierl:
Beim Thema „Sicherheit“ sind mehrere Aspekte zu beachten: Hier geht es nicht nur um übliche Kriterien wie Authentifizierung, Verschlüsselung und Datenschutz, sondern auch um Fragen wie „Was passiert, wenn ein Gerät oder eine SIM-Karte gestohlen wird? Wer kümmert sich um die Deaktivierung des Endgeräts?“ Man sollte sich folglich für einen M2M-Lösungspartner entscheiden, der diese Fragen berücksichtigt und ein vollständiges Sicherheitspaket anbietet: mit einer umfassenden Modulüberwachung mit „Over-the-Air“-Management-Services (OTA) einschließlich Netzwerkdiagnosen, IP- und Hardwaretests, einem SIM-Karten-Management mit Troubleshooting und Diagnosen sowie Alarmierungen bei betrügerischer Netzwerk- und Modulnutzung. Auch eine Erkennung von SIM-Karten-Entnahmen und SIM-Karten-Deaktivierungen sollten zum Service-Angebot des Providers gehören.

Was werden Ihrer Meinung nach die nächsten Entwicklungsschritte im Bereich „M2M“ sein?
Hierl:
Die Stichworte lauten hier Cloud und Datenverarbeitung. Mit der zunehmenden Verbreitung von M2M-Anwendungen wächst auch die Datenmenge kontinuierlich. Das wird auch die Nachfrage nach Cloud-basierten Lösungen im M2M-Umfeld forcieren, denn in der Cloud können umfangreiche Echtzeitinformationen problemlos gespeichert, geteilt und korreliert werden. Und die Verwaltung der großen Datenmengen wird ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt im Bereich M2M sein, das heißt die Aufbereitung der erfassten Daten in Form von „Smart Data“, auf deren Basis Analysen durchgeführt und strategische Entscheidungen getroffen werden können.

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