Standortattraktivität erhöhen

App-Entwickler sind hierzulande Mangelware

Interview mit Christian Becker, Geschäftsführer der Infobest Systemhaus GmbH

Christian Becker, Infobest Systemhaus

Christian Becker, Geschäftsführer der Infobest Systemhaus GmbH

Herr Becker, inwiefern fragen Großunternehmen bzw. Unternehmen aus dem Mittelstand aktuell Nearshore-Projekte rund um die mobile App-Entwicklung nach?
Christian Becker:
Das geschieht mit steigender Tendenz. Häufig sind die Auftraggeber Medien-, Marketing- oder PR-Agenturen, die derartige Apps für ihre Kunden entwickeln. Nachfragen von Endkunden kommen deutlich seltener vor.

Ein Grundproblem vieler App-Entwicklungen ist das Volumen: App-Projekte sind typischerweise eher klein (10 bis 30 Projekttage) und liegen damit unter der Rentabilitätsschwelle für ausgelagerte Projekte. Die Lösung kann darin bestehen (und wird zunehmend so auch realisiert), entweder strategische Partnerschaften mit Nearshore-Anbietern einzugehen, um mehrere App-Projekte längerfristig umzusetzen (Stichwort "kontinuierliche Kapazitätsplanung") oder App-Entwickler aus dem Ausland direkt zu steuern – unter Umgehung von sonstigen Projektstrukturen und -prozessen beim Nearshore-Partner. In letzterem Modell steuert der deutsche Kunde den Nearshore-Entwickler wie eine eigene interne Ressource, der Nearshore-Partner verleiht nur die Ressource und nimmt keinen Einfluss auf bzw. die Verantwortung für das Projekt.

Was sind die hauptsächlichen Beweggründe der Anwender dafür, auf externe Mobility-Nearshore-Spezialisten zu setzen und keine eigenen Mitarbeiter zu beschäftigen?
Becker:
Mangelnde Verfügbarkeit in Deutschland steht an erster Stelle, gefolgt von Kostenüberlegungen.

Welche Fähigkeiten werden hinsichtlich der App-Entwicklung seitens der Unternehmen vor allem nachgefragt? Welche sind eher zu vernachlässigen?
Becker:
Am stärksten werden iOS- und Android-Fähigkeiten nachgefragt. HTML- und CSS-Kenntnisse spielen häufig mit rein, sind aber ohnehin häufig zu finden und daher nicht der kritische Faktor.

Was halten Sie von der vergangenen Sommer eingeführten „Blue Card“ – eher heiße Luft oder ein probates Mittel gegen den Fachkräftemangel?
Becker:
Wenn man ausländische Fachkräfte anziehen möchte, muss man den Standort Deutschland so attraktiv wie möglich gestalten. Deutschland zählt außerhalb Europas nicht unbedingt zu den Top-10-Auswanderungsländern, zudem kommt das Problem der deutschen Sprache z.B. für migrationswillige Inder oder andere Asiaten, die natürlich eher Englisch sprechen. Insofern sollte man von Seiten der Politik keinerlei Barrieren und Bedingungen für die avisierte Zielgruppe aufbauen und alle Kontroll- und Integrationsprozesse so einfach wie möglich gestalten – sofern man den Zuzug wirklich möchte. Die „Blue Card“ erfüllt diese Kriterien nicht.

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