Flut an mobilen Applikationen

App-Entwicklung ist kein Hexenwerk

Ein Kommentar von Dr. Michael Bark, Geschäftsführer der Evodion GmbH, über die Berücksichtigung der Nutzererfahrung bei der App-Entwicklung

"Mit der rasanten Zunahme von mobilen Applikationen auch im Berufsalltag lassen sich mangelnde Nutzerfreundlichkeit und fehlende intuitive Benutzerführung nicht länger vertuschen", so Dr. Michael Bark, Geschäftsführer der Evodion GmbH.

Häufig fühlen sich Anwender von Businessapplikationen nach dem Motto „Friss oder stirb!“ behandelt. Auslöser solcher Assoziationen ist meist mangelnde Benutzerfreundlichkeit. Die Verursacher solcher Mängel versuchen diese Unzulänglichkeiten oftmals durch Dokumentationen und Schulungen zu kaschieren. Doch mit der rasanten Zunahme von mobilen Applikationen auch im Berufsalltag lassen sich mangelnde Nutzerfreundlichkeit und fehlende intuitive Benutzerführung nicht länger vertuschen. In Zukunft werden Mitarbeiter es als selbstverständlich voraussetzen, dass sie Geschäftsanwendungen auch auf Tablets und Smartphones bedienen können. Dabei orientieren sie sich an den Nutzungsstandards des Internets und erwarten eine Usability, wie sie sie beispielsweise von Ebay und anderen Anwendungen gewohnt sind.

App-Entwicklung ist kein Hexenwerk. Wesentliche Komponenten einer Business-App werden durch Services im Backend auf herkömmliche Art entwickelt und zur Verfügung gestellt. Wer aber ein mobiles Gerät mit einer herkömmlichen Bildschirmanwendung gleichsetzt – lediglich auf einem kleineren Bildschirm –, bekommt schnell Probleme. Es ist eine besondere Herausforderung, komplexe Desktopanwendungen adäquat als App umzusetzen. Die Benutzer müssen intuitiv geführt werden und die App sollte selbsterklärend und fehlertolerant in allen Phasen die Erwartungen der User erfüllen. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die Nutzer die unterschiedlichsten Voraussetzungen mitbringen können – vom internetaffinen Jugendlichen bis hin zum Rentner bei seinen ersten Gehversuchen im Internet.

Ab in den virtuellen Mülleimer

Die Investitionen der User in eine App sind sehr gering – viele sind kostenlos. Dementsprechend niedrig sind auch das Engagement und die Frustrationstoleranz der Nutzer. Nicht selten landet eine App nach zwei gescheiterten Versuchen im virtuellen Mülleimer. Es sind nicht nur Programmfehler, die dazu führen; auch die Missachtung der Nutzererwartung – neudeutsch „User Experience“ oder auf Fachchinesisch kurz „UX“ – führt zielsicher in den digitalen Papierkorb.

Eine hohe UX erreicht man auf keinen Fall, indem sich Entwickler ins Labor zurückziehen und irgendwann eine fertige Lösung auf den Markt werfen. Ohne direkte und indirekte Beteiligung der Nutzer lässt sich kein perfektes Ergebnis erzielen. Ein Zauberwort in diesem Zusammenhang heißt Lo-Fi – ein Antonym zum bekannten Hi-Fi. Gemeint ist damit eine spezielle Form des Prototypings mit geringer Wiedergabetreue. Mit einfachsten Mitteln wird dabei ein Prototyp auf Papier erstellt. Die Vorteile liegen darin, dass der Nutzer am Entwurf direkt beteiligt wird. Technische Details werden ausgeblendet, Programmierkenntnisse spielen keine Rolle und Änderungen lassen sich schnell und ohne verlorene Investitionen durchführen. Bei diesem Paper-Based-Prototyping mit Bleistift und Mockups können einzelne Funktionen und Oberflächen designed werden wie auch komplette Story Boards, die es selbst IT-Laien ermöglichen, in einem Praxistest wichtige Hinweise zu geben. Dieser Ansatz mag auf den ersten Blick ein wenig anachronistisch wirken – erfolgsversprechend ist er auf jeden Fall. Denn ohne Mitwirkung des Users lässt sich keine optimierte „User Experience“ realisieren.

Eine weitere Herausforderung stellen die Zielsysteme dar. Je nach Geschäftsmodell und Zielkunden müssen Herausgeber einer App zwei bis fünf unterschiedliche Plattformen bedienen. Neben den Platzhirschen iOS und Android gibt es Blackberry und Symbian sowie Windows Phone. Um wirtschaftliche Aspekte und Nutzerbedürfnisse auszubalancieren, muss der richtige Architekturansatz gewählt werden. Neben dem nativen Ansatz, der bei der Entwicklung für mehrere Plattformen die Entwicklungskosten schnell explodieren lässt, verspricht die Hybrid-App-Vorgehensweise als plattformübergreifende Variante für viele Einsatzszenarien eine gleichwertige Alternative: mit einem effizienten Ressourceneinsatz und attraktiven Apps mit hervorragender „User Experience“.

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