WWDC 2015: Apple gibt und nimmt

Apple News, Apple Music - und Swift

Apple-Anwender müssen keine anderen Apps mehr installieren: Musik und Nachrichten kommen jetzt auch aus Cupertino, der Lock-In ist perfekt.

  • Auf der WWDC 2015 hat Apple iOS 9 vorgestellt

  • Auch die Apple Watch bekommt eine neue Systemversion: WatchOS 2

Multi-Tasking in iOS 9 mit Splitscreen auf dem iPad wie in Windows 8, mehr Akkulaufzeit, eine eigene News-App ähnlich Flipboard, ein eigenes Spotify namens Apple Music, ein Systemupdate für die Apple Watch mit einem SDK für native Apps, Siri wird noch charmanter (und smarter) - Apple hatte wieder viele Neuerungen vorzustellen.

Die Lock-In-Strategie von Apple

Besonders innovativ ist das alles nicht, aber im Moment steht das auch nicht unbedingt im Vordergrund. Es geht in erster Linie darum, die Nutzer eines iPhones noch stärker an Apple zu binden. Wer ein iPhone oder iPad nutzt, soll erst gar nicht auf die Idee kommen, andere Apps zu nutzen. An denen könnte schließlich jemand anderes als Apple verdienen.

Diese für Apple typische Strategie des Lock-Ins ist vor allem beim Audiostreaming wirkungsvoll. Die vorhandene Marktmacht von etwa 800 Millionen iTunes-Nutzern kann hier umsatzfördernd eingesetzt werden und den zuletzt etwas schwächelnden Musikdienst wieder nach vorne bringen.

Das ist natürlich ein preislicher Frontalangriff auf den Marktführer Spotify. Das Familienangebot (sechs Personen für 15 €) liegt deutlich unter dem entsprechenden Modell bei Spotify, so dass ein Preiskampf naheliegend ist. Wer dabei unter die Räder zu geraten droht, sind die Musiker. Die bekommen von Spotify ohnehin nicht besonders viel und wenn jetzt die Preise sinken, dürften nur ohnehin privilegierte Superstars noch fühlbar Geld bekommen.

Auch bei der News-App könnte es Verlierer geben, nämlich die Websites der Medien. Mit dem Nachrichtenangebot können die Anwender beliebige Anbieter zu Themenkanälen bündeln. Die Artikel sind werbefinanziert, wobei Apple auch als Werbevermarkter auftritt und an den News mitverdient.

Apple setzt also in diesen beiden Bereichen auf Angriff und möchte anderen Apps Marktanteile wegbeißen. Doch die Attraktivität eines Ökosystems wie iOS liegt nicht nur an der Standardausstattung, sondern vor allen Dingen an Alternativen und Erweiterungen durch viele schicke Apps.

Open Source für möglichst viele Apps

Das weiß Apple natürlich und ist einer der Gründe für die Schaffung der neuen Programmiersprache Swift. Vor einem Jahr wurde sie vorgestellt und ist inzwischen zu einem Erfolg geworden. Die Syntax ist an der iOS-Sprache Objective-C orientiert, doch die App-Entwicklung ist einfacher und schneller als bisher.

Die neue Version Swift 2 zwei soll deutlich mehr Performance bringen und wird von Apple im Laufe der nächsten Monate als Open Source veröffentlicht. Darüber hinaus wird es auch eine Linux-Version der Sprache geben. Sprache und Entwicklungsumgebung sind deutlich moderner und stärker an die App-Entwicklung angepasst als die Alternativen.

Apple erwartet von Swift eine große Zukunft: Chefentwickler Craig Federighi glaubt, dass Swift in den nächsten zwei Jahrzehnten die Anwendungs- und Systemprogrammierung bestimmt. Apple hofft hier darauf, möglichst viele Entwickler auf seine Plattform zu locken und sie somit durch viele innovative Apps noch attraktiver zu machen. Dies wiederum leitet Anwender zu Apple um, die dann mit News, Music und den anderen Apple-Diensten das entsprechende, umsatzträchtige Angebot finden.

Details zu iOS 9

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