Bezahlen mit dem Smartphone

Apple Pay mischt Mobile-Payment-Anbieter auf

Obwohl Apples neuer Bezahldienst hierzulande noch gar nicht verfügbar ist, gilt dieser schon jetzt als Zugpferd für die gesamte Mobile-Payment-Branche. Verhilft Apple Pay nun dem mobilen Bezahlen zum langersehnten Durchbruch und wie profitieren die übrigen Marktteilnehmer von der neuen Situation auf dem Bezahlmarkt?

Apple Pay eröffnet Kampf unter Mobile-Payment-Anbietern.

Apple Pay eröffnet Kampf unter Mobile-Payment-Anbietern.

Nachdem allgemein erwartet worden war, dass das iPhone 6 mit NFC-Techno­logie ausgestattet sein würde, hat Apple gleich noch einen komplett eigenen Ansatz für das mobile Bezahlen entwickelt und ­vorgestellt. Mit Apple Pay versucht sich das Unter­nehmen jetzt in einem Marktsegment, in dem Paypal, Google, Amazon und et­liche kleinere Unter­nehmen mit ihren Ideen noch auf großflächigen Erfolg warten oder bereits gescheitert sind. Immerhin sind bei Apples Konzept für den US-amerikanischen Markt – seit Anfang November verfügbar – die größten Kreditkartenorganisationen von Beginn an mit an Board und erfreut, „überhaupt mitmachen zu dürfen“. Dies spiegelt sich auch in den Gebühren wieder – laut Financial Times soll Apple in den USA 0,15 Prozent des Transaktionsvolumens er­halten.

Auch einige Einzelhandelsketten sehen darin ein erfolgversprechendes Konzept: McDonald´s vermeldet schon wenige Wochen nach der Einführung, dass 50 Prozent aller kontaktlosen Zahlungen über Apple Pay erfolgen. Und bei Whole Foods war Apple bereits in den ersten Tagen für ein Prozent des Umsatzes verantwortlich. Leider wurden diese Zahlen ohne Vergleichswerte bzw. genaue Beträge genannt, so dass sie wenig aussagekräftig sind.

Doch längst nicht alle Einzelhändler sind Fans von Apples Idee. So verweigern sich einige der großen Handelsketten, darunter Wal Mart, komplett der NFC-Nutzung, um zu verhindern, dass sich Kunden an diese Lösung gewöhnen, denn im nächsten Jahr ist die Einführung des eigenen Bezahlsystems „CurrentC“ geplant. Dabei steht nicht die Zusammenarbeit mit Kreditkartenunternehmen im Vordergrund, sondern das Gegenteil: Die Zahlungsabwicklung erfolgt direkt zwischen Händler und Kunde, Kreditkartengebühren fallen dann keine mehr an.

Trotzdem scheint Apple auf einem guten Weg zu sein und bedient sich einer altbekannten Strategie: Man nehme eine bereits vorhandene Technologie und verpacke sie in einem „eigenen“ Produkt zu einem Leistungspaket. NFC-Technik, der Fingerabdrucksensor als Authentifizierung und ein inte­griertes Secure-Element sollen dem Nutzer in gewohnter Nutzerfreundlichkeit ein schnelles, einfaches und sicheres Bezahlvergnügen verschaffen.

Wird NFC Standard?


Vieles spricht schon jetzt dafür, dass sich NFC mit der Einführung von Apple Pay als der Standard für mobile Zahlungen durchsetzen wird. Der QR-Code und andere Methoden werden damit zunehmend verschwinden oder zumindest an Bedeutung verlieren, bestätigt auch Olaf Taupitz, Geschäftsführer von Cashcloud: „Die beiden Konzepte QR-Code und BLE stehen vor dem Aus“. Christian von Hammel-Bonten, EVP Telecommunications bei Wirecard, glaubt hingegen nicht, „dass die Technologien neben NFC ins Abseits geraten werden, denn diese sind komplementär zu sehen“, wenn auch nicht unbedingt mit gleichwertigem Fokus auf Mobile Payment, sondern eher für marketinggesteuerte Ansätze.

In gewohnter Manier wurden zunächst nur die Basisfunktionen von Apple Pay bekannt gegeben. Schon jetzt wird über die zusätzliche Nutzung der Bluetooth-Low-Energy-Technologie (BLE) in Form von iBeacons spekuliert. Und auch die Möglichkeit, Zahlungen von Person zu Person (P2P) vorzunehmen, sowie die Integration eines Loyality-Programms stehen zur Diskussion. Eine Verknüpfung mit Passbook – dem zentralen Ablageort für Coupons und Tickets – wäre ebenfalls denkbar und aller Voraussicht nach ein potentieller Goldesel für das mobile Bezahlen, wenn das einfache Einlösen von Rabattgutscheinen zu einem Nutzungsargument wird. Um den Verbrauchern den gewünschten „Mehrwert“ zu bieten, müssen neben dem reinen Bezahlvorgang auch die übrigen „Funktionen des Smartphones genutzt werden; dazu gehören die Echtzeitanzeige über das Guthaben, Zahlungen in mobilen Applikationen als auch bei E-/M-Commerce-Anbietern und weitere Funktionen wie die Kartensperrung“, so Christian von Hammel-Bonten.

Dass Apple nur einem erlesenen Nutzerkreis, nämlich den Neubesitzern des iPhone 6/Plus sowie der Apple Watch in Kombination mit der 5S-Generation, das Bezahlen ermöglicht, könnte trotz guter Vorbereitung und Kooperationen einen gehemmten Erfolg bedeuten. Denn hier wird keinesfalls der Massenmarkt bedient. Vielleicht steckt dahinter aber auch ein schlagkräftiges Argument für eine Smartphone-Neuanschaffung.

Apple Pay in Deutschland – Springen hiesige Finanzinstitute auf den Zug auf?


Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich anhand der US-Einführung nicht über einen Erfolg oder Misserfolg spekulieren, doch selbst der deutsche Mobile-Payment-Markt ist nur wenige Wochen nach der Ankündigung in Bewegung gekommen: Sowohl Sparkassen als auch Genossenschaftsbanken zeigen eindeutiges Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen. Aus Kundensicht ist das eine gute Nachricht.

Es überrascht kaum, dass Apples Einstieg in das Geschäft mit mobilen Bezahldiensten auch deutsche Finanzinstitute unter Zugzwang setzt und das, obwohl es noch gar keinen offiziellen Termin für die Einführung hierzulande gibt. Doch Apple Pay wird von vielen in der Branche als der entscheidende Impuls angesehen, dem Mobile Payment zum Durchbruch zu verhelfen. Bislang ist nicht bekannt, ob Apple mit hiesigen Banken Kontakt aufgenommen hat. Eine Zusammenarbeit böte deutschen Finanzinstituten allerdings die Möglichkeit, weiterhin in Geldangelegenheiten eine unverzichtbare Rolle zu spielen und künftige Entwicklungen mitzugestalten. Und befreit sie gleichzeitig von dem Zwang, eine eigene funktionierende Lösung entwickeln zu müssen. Auch für Apple wäre ein Zugewinn von Millionen Kunden(-daten) nicht zu verachten. Zudem genießen einheimische Banken das Vertrauen der Verbraucher, Datenschutzbedenken ließen sich auf diese Weise möglicherweise schnell(er) aus dem Weg räumen.

Wird die Kreditkarte zum Problem?


Bisher sieht Apple die Abrechnung lediglich über Kreditkarten vor. Das könnte in Deutschland, wo gerade einmal 5 Prozent auf Zahlungen mit der Kreditkarte entfallen, zu einem Problem werden. Eine Erweiterung auf die Girokarte – neben Bargeld das liebste Zahlungsmittel – wird daher unumgänglich sein, sprechen über 100 Millionen in Umlauf befindlicher Karten und ein Anteil von 36 Prozent der Zahlungen im Einzelhandel doch für sich.

Und wie ist es um die technische Ausstattung bestellt? Ohne einheitlichen Standard und der damit einhergehenden Qual der Wahl, sich für eine Technologie entscheiden zu müssen, zögern viele Händler, das kontaktlose Bezahlen in ihr Zahlungsverfahren-portfolio aufzunehmen. Da Apple Pay auf die Nahfunktechnologie setzt, wird diese Quasi-Erfolgsgewissheit die Zahl der NFC-Akzeptanzstellen in den kommenden Monaten und Jahren vermutlich ansteigen lassen. Denn in Deutschland sind bislang nur etwa 40.000 der 800.000 installierten Terminals im Handel NFC-fähig. Hier ist der Handel am Zug, Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen und den Point of Sale auf Vordermann zu bringen, um nicht als „Verhinderer“ des mobilen Bezahlens zu gelten. Olaf Taupitz weiß, wie wichtig dies ist: „Wir brauchen eine flächendeckende Infrastruktur mit NFC-fähigen Terminals, dann macht mobiles Bezahlen richtig Freude. Die Kombination mit Einkaufsvorteilen erhöht die Lust aufs Einkaufen und Bezahlen mit dem Mobiltelefon.“ Eine Initiative von Mastercard, die einen vollständigen Umbau/Austausch der 450.000 Akzeptanzstellen bis 2018 vorsieht, könnte entscheidend weiterhelfen.

Fraglich bleibt, ob sich die beteiligten Parteien auf einen einheitlichen Standard einigen können, denn bislang scheiterte es hauptsächlich an der Vielzahl an Insellösungen, die von verschiedenen in- und ausländischen Anbietern auf den Markt getrieben wurden. Andernfalls steht der Mobile-Payment-Markt auch in den nächsten Jahren vor einer wenig erfolgversprechenden Fragmentierung. „Mit der Einführung von Apple Pay muss sich praktisch jeder Händler mit dem Thema NFC beschäftigen. Und wenn die Entscheidung Zugunsten von Apple Pay fällt, stellt sich die Frage, ob er bereit ist, zusätzlich auf eine weitere Technologie zu setzen. Hier müssen alternative Anbieter ihren Zusatznutzen deutlich herausstellen“, gibt Dr. Markus Weber, Geschäftsführer von Ingenico Paymet Services, zu bedenken.

Apple Pay wird ganz sicher zu mehr Bewegung im Mobile-Payment-Markt führen. Ob es den Durchbruch bringt, wird die Zeit zeigen und darf im Hinblick auf den deutschen Markt skeptisch betrachtet werden. Denn die großen Gegenspieler Paypal, Google, Amazon und vielleicht auch Facebook werden in den kommenden Monaten auf Apple Pay reagieren. Auch lokale Anbieter mobiler Bezahlverfahren können von dem aktuellen Hype profitieren. Denn nicht jeder besitzt ein iPhone 6 oder will gar ein Apple-Gerät nutzen. „Am Ende soll und muss der Konsument entscheiden, welche Lösung ihm zusagt, welche bequem ist und Sicherheit bietet“, so Olaf Taupitz.

Und Christian von Hammel-Bonten gibt zu bedenken, „dass das große Interesse allein nicht dazu führt, dass Mobile Payment ein Selbstläufer wird. Neben Apple, mit einem Marktanteil bei ­Smartphones von weniger als einem Viertel im europäischen Markt, ist es wichtig, auch die Nutzer von Android und anderen Smartphones in die Betrachtung mit einzubeziehen“.Wenn sich das Bargeld oder gar das gesamte Portemonnaie aus der Hosen- und Handtasche verabschieden wird, müssen zwangsläufig andere Anbieter aktiv werden.

Olaf Taupitz wagt auf die Frage, wie hoch der Anteil mobiler Zahlungen 2020 sein wird, eine abschließende Prognose: „Ich gehe davon aus, dass bis 2020 90 Prozent aller Zahlungen im stationären Handel mit Karten und digitalen Applikationen abgewickelt werden. Ein erheblicher Anteil davon wird dann mit dem Mobiltelefon oder anderen mobilen Geräten erledigt werden (z.B. Uhren, Armbänder). Vielleicht wird auch die Politik anregen, das Bargeld einfach abzuschaffen“.

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