Apps aus dem Baukasten
Alle wollen Apps. Kleinunternehmen, Informationsdienste, Künstler, Autoren oder Bands. Wer nicht gerade über ein riesiges Budget verfügt, wird vor "echter" App-Entwicklung zurückschrecken. Außerdem ist der Markt an Software-Entwicklern mit iOS- und Android-Kenntnissen nicht unbegrenzt groß. Eine Marktlücke für Unternehmen, die App-Baukästen anbieten. Hier kann jeder seine eigene App aus vorgefertigen Bauteilen gleich für mehrere Smartphone-Systeme zusammenstecken.
Der bekannteste Baukasten ist Mobile Roadie. Wer Musikfan ist und sich via Smartphone über seine Lieblingsbands informieren möchte, wird vermutlich schon eine Mobile Roadie-App nutzen. Zahlreiche, auch sehr bekannte Künstler, haben eine solche App. Mobile Roadie bietet die Verwaltung des Inhalts mit einem CMS sowie die Möglichkeit, in die Benutzeroberfläche mithilfe von Grafiken weitgehend individuell zu bestimmen. Bei Highend-Apps ist es fast nicht mehr möglich, das Ergebnis von individueller Programmierung zu unterscheiden.
Ein sehr ähnliches Konzept verfolgen auch AppMakr, Appanda, MyAppBuilder oder TotallyApp. Hier liegt der Schwerpunkt auf Informationsangeboten, die in Apps für iOS, Android und bei AppMakr auch Windows Phone 7 umgewandelt werden. In eine dieser Baukasten-Apps können HTML-Elemente, RSS-Feeds, Texte aus Twitter und Facebook, Videos und Bilder eingebaut werden.
"Baukasten-Apps erlauben keine großen Sprünge, bei vielen von ihnen sind die Funktionen recht eingeschränkt," fasst Andre Vatter von der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften seine Erfahrungen mit den Instant-Apps zusammen. "Doch wer sich an das mobile Web nur einmal unverbindlich herantasten möchte, ist damit zunächst gut bedient."
Dies wird vielen Unternehmen nicht ausreichen. Die Apps sind recht schematisch aufgebaut, vor allem bei den kostenlosen oder kostengünstigen Angeboten. Doch es gibt noch einen dritten Weg zwischen den eher simplen Baukästen und der individuellen Programmierung: Der Baukasten für den Entwickler. Diesen Ansatz verfolgt die App-Agentur Glanzkinder mit der Hersteller-App und der Messe-App.
Im Prinzip handelt es sich um zwei modular aufgebaute App-Rohlinge, die auf spezielle Zielgruppen zugeschnitten sind: Messeveranstalter und Unternehmen, die Produkte herstellen. Für beide Anwendungsfälle gibt es schnell konfigurierbare Standardelemente wie Ausstellungspläne oder Produktübersichten.
Zusätzlich bietet die Agentur auch Zusatzmodule wie Funktionen zur Bestellung von Tickets oder Produkten. Solche Erweiterungen müssen allerdings speziell für die vorhandenen Bestellverfahren bei den Auftraggebern entwickelt werden. Besonderes praktisch: Die Inhalte wie z. B. Produkt- oder Ausstellerinfos werden vom Unternehmen selbst und nicht von der Agentur aktualisiert.
Die vorgestellten App-Baukästen verfolgen trotz der unterschiedlichen Herangehensweise ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Apps möglichst kostengünstig machen. Zumindest die einfachen Angebote wie AppMakr sind unschlagbar billig. Aber ob ein Abosystem, das bis zu 5.000 Euro im Jahr (Mobile Roadie) kostet, wirklich günstiger ist als individuelle Programmierung plus Contentmanagement ist, muss jeder selbst herausfinden.
Bildquelle: designritter / pixelio.de