Herausforderungen bei der App-Entwicklung

Apps für Wearables nicht nur „verkleinern"

Kleiner Bildschirm, knappe Ressourcen und spezifische Einsatzszenarien – App-Entwickler müssen bei Wearable-Geräten einige Besonderheiten beachten.

Die Softwareentwicklung für Wearables sollte geprägt sein von zwei Faktoren: Vom User-Interface (UI) und den Ressourcen: Beides ist im Vergleich zum Smartphone noch kleiner und eingeschränkter. “Das ist der Kernpunkt für die Entwicklung: Man arbeitet mit stark reduzierten Funktionalitäten und natürlich auch auf einem viel kleineren Bildschirm”, so Dr. Frank Höwing, Technischer Leiter bei der c4c Engineering.

Dem Nutzer auf den kleinen Bildschirmen eine sinnvolle, stimmige Erfahrung mit dem Wearable zu ermöglichen, ist auch für Sascha Martini, CEO von Razorfish, der erste wichtige Punkt: „Da kaum Fläche zum Transportieren der Informationen vorhanden ist, muss man sehr strikt sein in dem, was man dem Nutzer zeigt. Bei einem ‚Zu viel‘ überfachtet man ihn mit Informationen. Bei einem ‚Zu wenig‘ erzeugt man keinen Nutzen.”

Außerdem stehen nur beschränkte Ressourcen zur Verfügung. Entwickler sollten also bedenken, wie viel Power, Netzwerk und Prozessor-Kapazitäten ihre Apps beanspruchen. „Wearables sollten passive Endgeräte sein. Wenn man etwas für sie entwickelt, sollte man sich darum immer vor Augen halten, dass man nur für einen Sekundenbruchteil die Aufmerksamkeit des Users hat. Also muss man es kurz halten”, so Martini weiter.

Cross-Device- statt Multi-Device-Ansatz

Tamio Patrick Honma, Senior Developer bei Aperto Move, sieht Entwickler zudem in der Pflicht, an die geräteübergreifende Nutzung zu denken und die Einsatzgebiete des jeweiligen Geräts zu berücksichtigen: „Im Grunde erweitert sich der UX-Ansatz somit vom Smartphone und Tablet um Smartwatches, Datenbrillen, TV, Automotive, etc.”, erklärt er. „Es ist wichtig zu begreifen, dass es dabei nicht um einen Multi-Device-Ansatz geht, sondern um einen Cross-Device-Ansatz. Ersteres würde bedeuten, so viele Features wie möglich auf allen Gerätetypen zugänglich und nutzbar zu machen – also in Bezug auf Smartwatches etwa eine vollumfängliche Miniaturisierung einer Smartphone-App. Der zweite und sinnvollere Ansatz bedeutet, den Nutzer und dessen Geräte und deren Einsatzszenarien zu kennen und genau zu entscheiden, welche Features in welchem Gerät und in welcher Form umgesetzt werden.” Hier sind vor allem die Szenarien interessant, die auf dem jeweils anderen Gerät nicht möglich sind, aber einen Nutzen für den Gesamtservice darstellen.

Generell bringt jedes Weareable, ob nun Google Glass, die Pebble Smartwatch oder die Apple Watch, ein eigenes Software Deveolpment Kit (SDK) mit. Die Frameworks schaffen eine einheitliche Grundlage für die Kommunikation zwischen den Geräten. „Es empfiehlt sich, sich möglichst eng an die vorgegeben Methoden zu halten, um bei Updates des SDKs oder des Betriebssystems die Kompatibilität zu gewährleisten“, rät Gerd Güldenast, Director Consulting & Technology bei der Agentur „Hmmh“.

Android hat für Wearables mit „Android Wear“ ein eigenes Betriebssystem entwickelt. Bei diesem System besteht die Möglichkeit, eine „Companion App“ zu programmieren, mit der es über eine simple Kopplung von Smartphone und z.B. Smartwatch möglich ist, eine App vom Phone auf die Uhr zu schieben. „Das bedeutet, wir müssen zwei Apps entwickeln, die allerdings in ein Paket gepackt werden, damit der User nur eine herunterladen muss“, erklärt Dr. Höwing.

Ein Problem in der Software-Architektur sieht Jörg Rensmann, Geschäftsführer beim App-Entwickler Infomantis – zumindest für alle, die bisher „nur“ klassische Apps programmieren. „Bei Wearables existiert kaum Vor-Ort“-Speicher, ist aber darauf ausgelegt, „Always On“ zu sein und die gesamte Logik und Datenhaltung in der Cloud vorzunehmen.”

Der größte Schwachpunkt der Smartwatches ist nach wie vor der kleine Akku, kritisiert Dr. Frank Höwing abschließend: „Wir können heute nahezu alles miniaturisieren, nur die Akkus nicht. Die bleiben der Flaschenhals bei den technischen Möglichkeiten.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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