Freelancer-Matching

Apps zur Projektsuche für Freiberufler

IT-Freelancer arbeiten in einem Boomsektor. Drei neue Apps wollen die Buchung von Freelancern und die Suche nach Projekten erleichtern.

  • Freiberuflerin arbeitet mit Laptop am Strand

    Freiberufler-Klischee: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

  • Freiberufler checkt Smartphone

    Freiberufler-Realität: Arbeiten

Portale für Freelancer aus IT- und Medienberufen gibt es in großer Zahl und sie gleichen mehr oder weniger wie ein Ei dem anderen. Alle bieten eine Möglichkeit an, ausführliche Profile anzulegen und sortieren Tausende von Projekten in technologisch orientierte Kategorien. Im Gefolge des Freelancer-Booms in der IT-Branche expandieren auch die Jobvermittler. Vor allem die Marktführer wie GULP, Freelancermap oder Freelance.de sowie die entsprechenden Angebote bei Xing bieten abertausende Projekte an und haben ebenso viele registrierte Mitglieder.

Doch sie haben ein Problem: Es gibt von allem zu viel, das Matching ist schwierig. Das liegt zum Teil an den Projektanbietern selbst, denn sie haben sich angewöhnt, gleichlautende Anzeigen in alle Projektbörsen einzustellen. Logischerweise bekommen sie dann sehr viele Rückmeldungen, von denen nur ein gewisser Teil tatsächlich zum Projekt passt. Denn umgekehrt haben sich auch viele Freelancer angewöhnt, sich auf jedes auch nur annähernd passende Projekt zu bewerben, um ihre Chancen auf den nächsten Auftrag zu vergrößern.

Auf der Strecke bleibt dabei die Qualität. Auf der einen Seite gehen komplexe Projekte, die seltene Skills erfordern, in der Menge unter, auf der anderen Seite finden Freiberufler mit besonders speziellen Fähigkeiten passende Aufträge nicht immer auf Anhieb. Drei neue Services möchten hier ansetzen und Projekte besser mit Freiberuflern zusammenführen.

Asap Industries

Das Hamburger Start-up entwickelt im Moment eine neuartige Managementlösung für Freelancer. Sie verzichtet vollständig auf die Öffentlichkeit des Internets, sondern setzt auf das in den meisten Unternehmen bereits vorhandene Geheimwissen über die Skills regelmäßig gebuchter Freiberufler. Vermutlich gibt es das in vielen Unternehmen: Informelle Excel-Listen, Notizzettel in Schubladen und nur in der „Brainware“ gespeicherte Geheimtipps für gute, flexibel einsetzbare Spezialisten. Die Lösung will sie ersetzen durch eine um Fähigkeiten angereicherte Kontaktdatenbank. Wenn tatsächlich jeder Mitarbeiter eines Unternehmens seine eigenen Kontakte dem gesamten Unternehmen zur Verfügung stellt, kann das Matching bei Projekten deutlich einfacher werden. Die Lösung richtet sich zwar im Moment noch an Agenturen in der Kreativbranche, kann aber sicher auch von zahlreichen IT-Unternehmen sinnvoll eingesetzt werden.

Smartjobr

Die App des Hannoveraner Start-ups ist eine Kombination aus Freiberufler-Matching und Business-Netzwerk. Die Freiberufler müssen zunächst ein Profil anlegen, in das sie möglichst viele Stichworte (Hashtags) zu ihren Fähigkeiten und Einsatzgebieten angeben - beispielsweise #php, #backend oder #microservices. Die Projektanbieter statten ihre Beschreibungen ebenfalls mit diesem Hashtag aus, sodass die App den Nutzern passende Projekte anzeigen kann. Im Unterschied zu anderen Services ist die Nutzung der Basisvariante für Freiberufler kostenlos, auch eine Vermittlungsgebühr gibt es nicht. Geld verdienen will das Start-up über einen Premium-Service, der mehr als nur 30 Kontakte und weitere Zusatzfunktionen bietet. Demnächst soll die App um eine Teamfunktion erweitert werden. Freiberufler können dann ein Team bilden, das für Projekte gebucht werden kann. Die Vermittlung geschieht ausschließlich über die App.

YOSS

Yoss ist ein Start-up aus Paris, das von der Zeitarbeitsfirma Adecco unterstützt wird. Es bietet eine Plattform, mit deren Hilfe Projekte und Freiberufler zusammenfinden. Interessant an der neuen Lösung sind die weiteren Services. Unter anderem kann die Kommunikation zu den Projekten, der Austausch von Dokumenten, Rechnungsstellung oder Performance-Monitoring direkt in der App erledigt werden. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Dienstleistungen wie Versicherungen, Rechtsberatung oder Unterstützung bei der Buchhaltung, die von Adecco-Partnerunternehmen auf der Plattform angeboten werden. Zudem gibt es eine Art „Factoring-Service“: Die Freelancer sollen ihr Honorar innerhalb weniger Tage von Yoss erhalten, die Abrechnung mit dem Auftraggeber geschieht über die Plattform entsprechend der Geschäftsbedingungen für Projektanbieter.

Freelancing als Lebensstil

Die neuen Dienstleister für Freiberufler unterscheiden sich deutlich von den bisherigen Plattformen, deren Kerndienstleistung die reine Projektvermittlung ist. Aufgrund des Zuschnitts ihres Angebots richten sie sich in erster Linie an jüngere (oder jung gebliebene) Freiberufler in der Digitalwirtschaft, die das freie, projektgebundene Arbeiten aus Prinzip schätzen und als Lebensstil zelebrieren.

Asap rollt das Thema aus Anbietersicht auf und schafft eine interne Plattform für die Zusammenarbeit mit Freiberuflern, sodass bewährte Leute immer wieder gebucht werden können. Bei Smartjobr steht zwar das Matching zwischen Freiberuflern und Projekten im Vordergrund, aber das Start-up bietet einen einfach zu nutzenden Service auf dem typischen Freiberufler-Endgerät, dem Smartphone.

Yoss ist in der Betaphase zwar nur auf dem französischen Markt aktiv, könnte aber europaweit Standards setzen für die Weiterentwicklung der Freelancer-Szene mit den Mitteln der Plattformökonomie. Durch neue Services wie Abrechnung, Buchhaltung oder Versicherungen erhalten Freiberufler wegen der Skaleneffekte in einem großen Netzwerk einiges von dem Komfort einer Festanstellung.

Bildquelle: Thinkstock

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