„Unsere Studie zeigt, dass Unternehmen zu wenig für ihre Sicherheit tun“, betont Markus Adolph.
MOB: Herr Adolph, arbeiten soll mobil, flexibel und digital sein – doch wo stehen deutsche Unternehmen derzeit bei der Realisierung einer solchen modernen Arbeitswelt?
Markus Adolph: Das letzte Jahr hat erheblich dazu beigetragen, dass Unternehmen ihre Arbeitswelt weiter digitalisiert haben – oder zumindest erste Schritte gegangen sind. Dadurch wurde ein Prozess beschleunigt, der vorher nur sehr langsam voranging. Dennoch stellen wir fest, dass es noch viel Nachholbedarf gibt. Das zeigen Gespräche mit Unternehmen ebenso wie die Studie „Tomorrow’s Digital Workplace“, die wir vor kurzem gemeinsam mit unseren Partnern der Enterprise Mobility Expert Alliance durchgeführt haben. 329 IT-Experten haben wir hierbei zum Status quo ihrer Arbeitsumgebungen befragt. Laut der Studie mussten 58 Prozent der Unternehmen ihre Ausgaben aufgrund der Corona-Pandemie leicht oder sogar deutlich erhöhen, um mobile Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen oder zu verbessern. Das spricht dafür, dass Remote Work bis dahin in den meisten Unternehmen noch nicht üblich war – vor allem nicht in einem solch großen Ausmaß.
MOB: Welche Potenziale sind derzeit noch ungenutzt?
Adolph: Es gibt viele Punkte, an denen Unternehmen ansetzen können. Naheliegend ist es, bei den vorhandenen Technologien zu beginnen. Denn die Studie hat gezeigt, dass Unternehmen das Potenzial ihrer Unified-Endpoint-Management-Systeme (UEM), die bei vielen zum Einsatz kommen, noch längst nicht ausschöpfen. Mit ihnen lassen sich heute sämtliche Endgeräte verwalten – vom Smartphone und Tablet über Laptops und Desktop-Geräte bis hin zu Weareables oder Rugged Devices. Trotzdem beschränken viele Unternehmen die Nutzung auf erstere – auf Smartphones und Tablets. Lediglich 57 Prozent verwalten Windows-Geräte über ihr UEM-System. Hier können Unternehmen viel Aufwand einsparen, den ein Management über verschiedene Lösungen verursacht. Und auch in puncto Funktionen gibt es noch Potenzial: Erweiterte Funktionen für mobile Sicherheit und Datenschutz, Device-Lifecycle-Management-Funktionen oder Conditional Access bleiben beispielsweise häufig ungenutzt.
MOB: Was sind häufige Stolpersteine bei der Umsetzung von Modern Workplaces?
Adolph: Der Nutzungskomfort ist für einen guten digitalen Arbeitsplatz essenziell. Denn wenn das mobile Arbeiten zwar sicher ist, aber für sämtliche Logins komplexe Verfahren angewendet werden müssen, Verbindungen ständig abbrechen oder die Inbetriebnahme von Geräten zu aufwändig ist, dann sinkt das Nutzungserlebnis und damit auch die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter, während der Support-Aufwand steigt. Genau das ist aktuell noch häufig der Fall: Fast die Hälfte der Unternehmen, die Remote Work eingeführt haben, berichten von Problemen beim Nutzungserlebnis und von Verbindungs- und Breitbandproblemen. Und das verwundert nicht, wenn man sich anschaut, dass zwar 81 Prozent die Verbesserung der Zufriedenheit und Erfahrung der Mitarbeiter als wichtigsten Erfolgsfaktor des digitalen Arbeitens ansehen, allerdings nur 22 Prozent die Nutzungsfreundlichkeit an erste Stelle setzen. Das muss sich ändern, wenn Unternehmen einen modernen Arbeitsplatz anbieten wollen, der ihre Mitarbeiter überzeugt.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
MOB: Inwieweit setzen Unternehmen auf entsprechende Sicherheitsmaßnahmen, um die mobilen Arbeitsplätze vor Cyberangriffen zu schützen?
Adolph: Unsere Studie zeigt, dass Unternehmen zu wenig für ihre Sicherheit tun. Es fehlt an wichtigen Technologien und einer Sensibilisierung von Mitarbeitern. So führen z.B. nur 37 Prozent regelmäßig Penetrations- und Schwachstellentests für mobile Geräte durch. Lediglich der gleiche Anteil hat eine Lösung zur Abwehr mobiler Bedrohungen im Einsatz. Und jedes dritte Unternehmen führt keine Schulungen für Mitarbeiter durch.
MOB: Ist Remote Work gekommen, um zu bleiben?
Adolph: Das Arbeitsmodell hat sowohl für Mitarbeiter als auch für Unternehmen große Vorteile: mehr Flexibilität, eine bessere Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben und weniger Pendelei. Daher werden Unternehmen nicht zu alten Arbeitsmodellen zurückkehren können. Arbeit wird jedoch nicht nur remote stattfinden. Es braucht hybride Modelle, die verschiedene Formen von Arbeit ermöglichen – mit dem gleichen Level an Sicherheit und Nutzungskomfort für jeden Arbeitsort.
Bildquelle: EBF