Werbebetrug

Attraktiver Milliardenmarkt für Trickser

Werbebetrug auf Mobilgeräten ist ein lukratives Geschäft. Um Geld zu machen, stapeln die Betrüger sogar acht Videos übereinander.

Frau bedient Smartphone

Werbebetrug ist ein Milliardenmarkt

Werbung auf Mobilgeräten ist ein gutes Geschäft: Laut des letzten Advertising Expenditure Forecasts der Publicis-Tochter Zenith Media beliefen sich die Ausgaben für mobile Werbung im Jahr 2017 auf gut 104 Milliarden US-Dollar. Zur Einordnung: Diese Summe entspricht etwa 50 Prozent des gesamten Internet-Werbemarktes und etwa 18 Prozent der weltweiten Werbeausgaben. Die Agentur erwartet, dass der mobile Werbemarkt bis 2020 auf etwa 187 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. Er dann fast genauso groß wie der Markt für TV-Werbung. Alle anderen Medien wie Außenwerbung, Radio, Zeitungen und Magazine sowie herkömmliche Online-Werbung werden dadurch auf die Plätze verwiesen.

Geld kassieren, ohne etwas zu leisten

Ein rasch wachsender Markt zieht auch Leute an, die Geld verdienen wollen, ohne eine Leistung zu bringen. Werbebetrug („Ad-Fraud“) ist inzwischen ein echtes Problem, die Tricks der Betrüger werden immer ausgefeilter. So wurde laut Buzzfeed jüngst ein recht ungewöhnlicher Trick benutzt: Die Werbebetrüger kauften einen Slot für eine einfache, statische, kostengünstige Bannerwerbung und verkauften den Werbeplatz mehrfach weiter. Doch sie zeigten nicht nur diese Bannerwerbung an, sondern darunter bis zu acht unterschiedliche Werbevideos.

Der Entwickler der App bekam nur den niedrigen Preis für die Bannerwerbung, die Werbetreibenden zahlten allerdings für die Videos. Auf diese Weise konnten die Betrüger ihren ahnungslosen Kunden bis zu 60 Million Werbeabrufe pro Monat vorgaukeln. Dabei ging es vor allem um hochwertige, teure Werbeplätze für Fullscreen-Videos. Die Nutzer der App bekamen davon nichts mit, lediglich Akkustand und Datenvolumen wurden erheblich belastet.

Automatisierter Werbebetrug ist beliebig skalierbar

Auf normalem Wege hätten die Betrüger lediglich einen Bruchteil der Kosten eingespielt, da normalerweise gilt: Ein Slot gleich eine Werbeeinblendung, schließlich soll der Nutzer ja auch die Chance haben, die Werbung zu bemerken. Diese und andere Formen von Werbebetrug werden heutzutage im Wesentlichen durch Bots und Skripte umgesetzt. Dabei sind die betrügerisch erzielten Einnahmen praktisch beliebig steigerbar: Die World Federation of Advertisers (WFA) erwartet für das Jahr 2020 gefakte Werbeumsätze von mindestens 25 Milliarden Dollar.

Eine Variante des oben geschilderten Ad-Fraud ist der Installationsbetrug. Dabei werden den Anbietern einer App Installationen vorgetäuscht, die es in dieser Form nicht gegeben hat. Die Fake-Installationen können dann anschließend für die Simulation von „Klicks“ auf Anzeigen ausgenutzt werden. Die Rate dieses Installationsbetrugs beträgt laut AppsFlyer Performance Index seit Jahren konstant etwa 30 Prozent bei Android und 10 Prozent bei iOS. Dadurch wird das Ranking der einzelnen Apps stark manipuliert.

Wenn Entscheidungen auf falschen Daten basieren

Durch diese Betrügereien entstehen somit erhebliche Verzerrungen im Werbemarkt, denn die Betrüger täuschen den Erfolg einer App oder einer bestimmten Werbung nur vor. Im anfangs geschilderten Beispiel würde womöglich eine „virale“ Beliebtheit bestimmter Werbevideos vorgetäuscht, die in Wirklichkeit gar nicht existiert. Die Folge: Marketingentscheidungen basieren auf falschen Daten.

Ein Problem ist nach Ansicht der Mobile-BI-Plattform adjust die mangelnde Transparenz im mobilen Werbemarkt. Deshalb haben sie bereits vor zwei Jahren die Coalition Against Ad Fraud (CAAF) gegründet. Die Mitgliedsunternehmen verpflichten sich auf die Einhaltung definierter Leitlinien im Umgang mit mobiler Werbung. Außerdem übernahm das Berliner Unternehmen das KI-Startup Unbotify, dessen Machine-Learning-Modelle in Zukunft auch Ad-Fraud-Bots Boards aufdecken sollen.

Bildquelle: Getty Images 

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