Mobile Games

Auf den Story Content kommt es an

Im Interview erklärt Martin Müller, Vice President bei Wooga, wie sich die Arbeiten bei der Entwicklung von Mobile Games durch Corona verändert haben, dass es grundsätzlich auf die vorausschauende Planung ankommt und wie sich der Gaming-Markt in Zukunft entwickeln wird.

Martin Müller von Wooga

„Die Popularität von Mobile Games ist in der letzten Dekade extrem gewachsen“, so Martin Müller von Wooga.

MOB: Herr Müller, Corona hat bekanntermaßen Einfluss auf so ziemlich jeden Bereich genommen. Wie sieht es mit dem Mobile Gaming aus?
Martin Müller:
Vor allem während der Lockdown-Phase haben viele Menschen Mobile Games für sich entdeckt, was der Branche allgemein viel Wachstum beschert hat. Wir hatten das große Glück, unsere Produktionsabläufe zügig darauf einstellen zu können, dass alle Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Zudem haben wir gemeinsam mit anderen Branchengrößen an der „#PlayApartTogether“-Kampagne der WHO teilgenommen, die mehr Bewusstsein für die AHA-Formel – Abstand halten, Hände waschen und Alltagsmaske tragen – schaffen soll.

MOB: Wer sind Ihre User und welche Art von Spielen wurden im letzten halben Jahr am meisten gedownloadet?
Müller:
Wir haben uns auf sogenannte Story-Driven Casual Games spezialisiert. Das bedeutet, alle unsere Spiele drehen sich um eine spannende Geschichte, durch die sich unsere Spieler in wöchentlichen Kapiteln durchspielen. Unsere erfolgreichsten Spiele heißen „June’s Journey“ und „Pearl’s Peril“ und spielen beide in den 20er-Jahren. Spannend an unserer Spielerschaft ist, dass es sich dabei nicht um den „klassischen“ Gamer handelt, wie ihn viele im Sinn haben, wenn sie an mobile Games denken, sondern primär um Frauen im Alter von 45 Jahren, die sich für Krimis und spannende Geschichten interessieren.

MOB: Was sind die Herausforderungen beim Entwickeln von Spielen für mobile Endgeräte?
Müller:
Eine Besonderheit von mobilen Spielen ist, dass unsere Spieler auch unterwegs mit mobilem Internet in der Lage sein sollen, die Apps herunterzuladen oder zu aktualisieren, ohne ihr gesamtes Datenvolumen aufzubrauchen. So achten wir sehr darauf, das Download-Volumen unter einer gewissen Größe zu belassen. Darüber hinaus sind unsere größten Herausforderungen nicht zwangsläufig spezifisch für mobile Spiele. Denn Ziel für jedes Spiel ist es, den Spielern über viele Jahre neuen Story Content und aufregende neue Features zu liefern. Das bedeutet, der Großteil der Arbeit an einem solchen Spiel passiert, wenn es bereits live ist. Das Versprechen, jede Woche ein neues Kapitel bereitzustellen, bedeutet, dass wir sehr vorausschauend planen und ausreichend Puffer berücksichtigen müssen, um die sehr aufwendig gestalteten Szenen der einzelnen Kapitel immer rechtzeitig fertig zu stellen. Das erfordert einen engen Austausch der einzelnen Gewerke, die wie Zahnräder ineinandergreifen. Jedes Spieleteam setzt sich aus verschiedenen Disziplinen zusammen: Game-Designer, Writer, Artists, Programmierer, Producer und Product Manager. Zusätzlich gibt es noch zentrale Teams wie z.B. Marketing, User Acquisition, Backend Engineering und Data Science und Analytics. Alle steuern ihren Teil zum Endprodukt bei, was eine enge Abstimmung und viel Kommunikation erfordert und tatsächlich in der aktuellen Situation herausfordernder ist als vor Corona, als alle Teammitglieder noch im gleichen Raum sitzen konnten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09-10/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

MOB: Wie wird sich der Mobile-Gaming-Markt in Zukunft entwickeln?
Müller:
Die Popularität von Mobile Games ist in der letzten Dekade extrem gewachsen. Spannend dabei zu beobachten ist, wie vor allem das Durchschnittsalter der Spieler steigt und auch immer mehr Menschen ab 60 Jahren Computerspiele für sich entdecken. Gleichzeitig steigen der Umfang und Qualitätsanspruch der Spiele jedes Jahr weiter an. Was vor wenigen Jahren noch absolut innovative Erweiterungen und Spielmodi waren, wird heute bereits als Standard vorausgesetzt. Die Handys und Tablets entwickeln sich ebenfalls enorm und ermöglichen es, immer komplexere und aufwändigere Spiele auch für mobile Geräte umzusetzen. Vor fünf Jahren gab es eine Vielzahl von Genres, die nur für PC oder Konsole wirklich sinnvoll umsetzbar waren. Durch leistungsfähigere, mobile Geräte mit höherer Auflösung hat sich das jedoch stark verbessert. Dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen. Der Zugang zu Spielen wird weiterhin einfacher und vielfältiger werden und dadurch neue Menschen für Spiele begeistern, bei höherer Qualität und umfassendem Spielerlebnis. Mit unserem Ansatz der Story-Driven Casual Games, die über Jahre spannende Unterhaltung bieten, sind wir für diese Entwicklungen sehr gut positioniert.

MOB: Worauf können sich Ihre User noch anno 2020 freuen?
Müller:
Auf jeden Fall auf viele spannende neue Kapitel in „June’s Journey“.

Bildquelle: Wooga

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