Kein politisches Eingreifen nötig

„Auf die Arbeitgeber kommt es an“

Julius Bolz, Gründer von Lendis, glaubt fest daran, dass es kein politisches Eingreifen erfordert, um mobile Arbeit zu fördern, sondern dass es vor allem auf die Arbeitgeber ankommt.

Julius Bolz, Gründer von Lendis

„Gefühlt ist die rasante Entwicklung der letzten Monate der größte Schritt, den die Arbeitswelt seit der Einführung des PCs gemacht hat“, so Julius Bolz von Lendis.

MOB: Herr Bolz, erneut befindet sich Deutschland im (Teil-)Lockdown. Wie hoch im Kurs steht demnach wieder das Arbeiten im Homeoffice?
Julius Bolz:
Aktuelle Studien zeigen bereits jetzt, dass die meisten Arbeitnehmer auch nach Corona vermehrt im Homeoffice arbeiten wollen. Diese Beobachtungen haben viele unserer Kunden und Partner auch so bestätigt. Einige Unternehmen sind zwar noch etwas zögerlich, was die langfristige Umsetzung des Homeoffices angeht, aber das Hybridmodell mit 50 Prozent Remote Work und dem Homeoffice als elementarem Bestandteil wird aus unserer Sicht definitiv kommen: Gefühlt ist die rasante Entwicklung der letzten Monate der größte Schritt, den die Arbeitswelt seit der Einführung des PCs gemacht hat.

MOB: Die Corona-Pandemie dauert ja schon ein paar Monate an. Inwiefern haben die Unternehmen in dieser Zeit ihre Mobile-Working-Strategien anpassen bzw. mit entsprechenden digitalen Lösungen verbessern können?
Bolz:
Die wenigsten Unternehmen haben bisher eine klare Position zu Mobile Work und daher auch keine Strategie zur Umsetzung dieses Themas. Dabei wirken vor allem die zusätzlichen Kosten, fehlende Planungssicherheit und der administrative Aufwand als größte Hürden. Viel schwerwiegender ist allerdings, dass die deutsche Wirtschaft diesem Trend ohnehin schon mehrere Jahre hinterherhinkt und Corona die verpasste Digitalisierung des Arbeitsplatzes in vielen Unternehmen noch stärker verdeutlicht. In Bezug auf die Remote-Arbeit steht hierfür die Frage nach einem sinnvollen Device-Management: Firmen müssen Lösungen finden, wie sie die mobilen Geräte ihrer Mitarbeiter, z.B. Laptops, auch bei Heimarbeit effektiv in bestehende Infrastrukturen und Datenschutzrichtlinien einbinden können. Konzepte wie COPE, COBO, CYOD, BYOD und Software-Lösungen wie Microsoft Autopilot werden die Zukunft der mobilen Arbeit bestimmen. In den vergangenen Monaten haben wir schon einen signifikanten Anstieg der Nachfrage nach Device-Management-Lösungen unter unseren Kunden verzeichnen können und werden unser Leistungsangebot in diesem Bereich weiter ausbauen.

MOB: Wie gestalteten sich die ersten Reaktionen bzgl. des von Hubertus Heil angekündigten möglichen Mobile-Arbeit-Gesetzes?
Bolz:
Zunächst einmal begrüßen wir, dass es konkrete Vorschläge auf politischer Ebene gibt, um das mobile Arbeiten künftig mehr zu fördern. Klar ist allerdings auch, dass es die „eine Lösung für alle“ nicht geben wird. Dafür sind die strukturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Industrien zu groß. Während sich das Homeoffice im Dienstleistungssektor relativ einfach umsetzen lässt, ist dies im produzierenden Gewerbe oder dem Gesundheitswesen kaum oder gar nicht möglich.

MOB: Unter welchen Bedingungen könnten sich die Führungs- und Chefetagen deutscher Unternehmen eine dauerhafte Homeoffice-Option für ihre Mitarbeiter vorstellen? Welche Regelungen müssten hierfür getroffen bzw. angepasst werden?
Bolz:
Die aktuellen Regelungen zu Datenschutz und Arbeitssicherheit sind in Deutschland traditionell sehr restriktiv und für die meisten Arbeitnehmer in den eigenen Wohnräumen so kaum umsetzbar. Dort, wo Wohnraum knapp und teuer ist, lässt sich ein Schreibtisch mit einer Breite von 160 cm nicht problemlos in jede Wohnung stellen. Um die Homeoffice-Option für möglichst viele Mitarbeiter praktikabler zu machen, müssen vor allem diese beiden Regelungen neu durchdacht werden. Eine weitere Idee wäre es, den Arbeitgeberzuschuss zu erweitern, um noch mehr Anreize und Gestaltungsspielräume für das Homeoffice zu schaffen.

MOB: Mit welchen digitalen Tools und Lösungen lassen sich die Produktivität und Arbeitszeiten der Mitarbeiter auch im Homeoffice überprüfen?
Bolz:
„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ – diese Weisheit ist unserer Meinung nach nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen sollten Arbeitgeber Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter haben und sie darin unterstützen, ihre Arbeitsumgebung so produktiv wie möglich zu gestalten. Insbesondere im Homeoffice ist das erfahrungsgemäß der größte Hebel für eine gesteigerte Produktivität. Deshalb haben wir auch für das Homeoffice eine kostengünstige und flexible Lösung entwickelt, mit der Unternehmen die notwendige Ausstattung monatlich mieten können. In Bezug auf die Zeiterfassung müssen sich die Firmen jetzt schneller denn je umstellen. Während im Büro die Arbeitszeit über die klassische Stechuhr erfasst wird, müssen für das Homeoffice digitale Lösungen her. Hier gibt es aber bereits zahlreiche Apps oder Software-Lösungen, die die Erfassung recht einfach machen.

MOB: Wird das Mobile-Arbeit-Gesetz Ihrer Ansicht nach kommen – wenn ja, wann?
Bolz:
Wir glauben fest daran, dass es kein politisches Eingreifen erfordert, um mobile Arbeit zu fördern, sondern dass es vor allem auf die Arbeitgeber ankommt. Unternehmen und Mitarbeiter haben in den letzten Monaten durchaus sehr positive Erfahrungen mit dem Homeoffice gesammelt, was die Basis für die Bereitschaft zur Veränderung ist. Wir erwarten, dass sich das Hybridmodell aus Büroarbeit und Homeoffice auch ohne ein Gesetz etablieren wird.

Bildquelle: Lendis

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