„Der Einsatz von IoT-basierter Aufzugüberwachung kann den Übergang vom reaktiven zum proaktiven Field Service Management beschleunigen“, meint Matthias Lübko von Fieldcode.
MOB: Herr Lübko, wie hat sich der Markt im Bereich „Personenaufzüge“ in den letzten Jahren – vor allem auch unter Einfluss der Corona-Pandemie – entwickelt?
Matthias Lübko: Personenaufzüge sind ein wachsender Markt. Seit 2012 ist die Zahl der Aufträge im Markt für Aufzüge und Fahrtreppen in Deutschland jährlich konstant gestiegen. Auch die Corona-Pandemie konnte dem stetigen Aufwärtstrend wenig anhaben: Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die Branche 2020 trotz Pandemie immerhin ein Plus von drei Prozent. Im gleichen Jahr wurden in Deutschland rund 675.000 installierte Aufzüge zur Personenbeförderung gezählt.
MOB: Wie lassen sich technische Unregelmäßigkeiten und Abweichungen vom Normalbetrieb frühzeitig erkennen (Stichwort „Predictive Maintenance“)?
Lübko: Der Schlüssel ist eine entsprechende Software, die mit der Aufzugsensorik verbunden ist und unterschiedliche, vorab definierte Parameter überwacht und erfasst: Mit welcher Geschwindigkeit bewegt sich der Aufzug? Bleibt die Temperatur konstant? Verändert sich der Geräuschpegel in der Kabine? Öffnen sich die Türen wie erwartet? Unsere Software kann Über- oder Unterschreitungen von Schwellenwerten, die im Vorfeld individuell konfiguriert werden können, feststellen. Normabweichungen werden über die Sensorinfrastruktur erfasst, gemeldet, ausgewertet und dann, in Form eines Serviceauftrages, an die Fieldcode-App auf dem mobilen Gerät des zuständigen Technikers übermittelt. Dieser muss dann schnell am jeweiligen Aufzugstandort eintreffen und die Störung beheben mit der Unterstützung der mobilen Applikation. Generell lassen sich Aufzüge mithilfe der App in Echtzeit überwachen; die ausgelesenen Daten werden in einem übersichtlichen Analyse-Dashboard zusammengefasst. Mithilfe von standardisierten Arbeitsabläufen werden die Techniker intelligent durch den Prozess geführt und können anhand der vorher erfassten Daten Fehlerquellen zuverlässig evaluieren und das Problem schneller beheben.
MOB: Welche Rolle spielt hierbei das Internet of Things (IoT)?
Lübko: Hier gibt schon die Begriffsklärung, was das IoT eigentlich ist, eine erste Antwort – nämlich ein Sammelbegriff für Technologien, die es ermöglichen, physische und virtuelle Objekte miteinander zu vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten zu lassen. Ohne das IoT gäbe es also keine Predictive-Maintenance-Lösung, da diese auf der Kommunikation bzw. Zusammenarbeit von Objekten basiert. Für das Elevator Monitoring, wie ich es beschrieben habe, ist eine sichere und verlässliche Kommunikation zwischen Aufzugsensorik und Applikations-Software das A und O. Genau für jene sensorbasierte Übermittlung von Echtzeitdaten spielt das IoT die alles entscheidende Rolle, da es die Kommunikation zwischen Maschine – in dem Fall dem Aufzug – und Software erst möglich macht.
MOB: Was sind die bisherigen Herausforderungen und Stolpersteine beim Einsatz IoT-basierter Aufzugsüberwachung?
Lübko: Eine der größten Herausforderungen liegt darin, aus der Flut der Daten – wir sprechen hier von „White Noise“ – die für den Techniker relevanten Daten zu extrahieren. Viele der IoT-basierten Daten dienen nämlich zunächst nur als Status-Update und deuten keineswegs immer gleich auf eine Fehlfunktion oder gar Alarmsituation hin, die den Einsatz eines Technikers vor Ort erfordern würde. Machine Learning und KI kann dabei helfen, in der eingehenden Datenflut die für den Servicetechniker relevanten Daten zu identifizieren. Im Laufe der Zeit können die Algorithmen sogar dazu beitragen, falsch-positive Ergebnisse zu reduzieren und langfristige Trends und Muster sichtbar zu machen, die auf einen möglichen Defekt oder Ausfall hindeuten.
MOB: Inwieweit kann das IoT-basierte Elevator Monitoring den Übergang vom reaktiven zum proaktiven Field Service Management beschleunigen?
Lübko: Der Einsatz von IoT-basierter Aufzugüberwachung kann den Übergang vom reaktiven zum proaktiven Field Service Management beschleunigen. Die Informationen über eine Auffälligkeit an einem Aufzug gehen keinen Umweg über den Hersteller oder dessen Servicedienstleister; stattdessen werden die Daten direkt aus dem Aufzug an den zuständigen Servicetechniker übermittelt. So muss der Notrufknopf gar nicht erst betätigt werden.
Bildquelle: Fieldcode