Der Teufel steckt im Detail

Augmented Reality im Einsatz bei Ikea

Im Interview erläutert 
Jan F. Dukowski, User-Experience-Designer bei der Digitalagentur Demodern, warum der Möbelspezialist Ikea auf Augmented Reality vertraut, wie die Technologie bei den Schweden zum Einsatz kommt und wo es noch ein wenig hakt.

  • AR-Build-Assist

    Der Nutzer braucht eigentlich keine Vorkenntnisse – der „AR-Build-Assist“ soll Arbeit abnehmen.

  • Jan F. Dubowski, Demodern

    Jan F. Dukowski ist Senior UX-Designer bei Demodern in Köln.

Herr Dukowski, welche Rolle wird Augmented Reality (AR) 2018 in Deutschland spielen?
Jan F. Dukowski:
Eine wichtige. Im Zentrum stehen dabei Umgebungen wie Google ARCore und Apple ARKit, die die Lösungen massentauglich machen. Bei Privatkunden und -nutzern hat Augmented Reality mit Anwendungen wie Pokemon Go den Durchbruch bereits geschafft. Wir erwarten neue Generationen von AR-Brillen, die noch leistungsfähiger sind und noch mehr Möglichkeiten bieten. Magic Leap etwa hat kürzlich eine neue AR-Brille vorgestellt, zudem werden immer mehr Devices AR-fähig. Somit bringt jedes neue Gerät mit besserer Hardware die Technologie voran. Jetzt sind wir als Agenturen an der Reihe, gemeinsam mit den Kunden neue Konzepte zu entwickeln und AR einer breiten Masse zur Verfügung zu stellen.

Was ist der Unterschied zwischen Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR)?
Dukowski:
In der Virtual Reality erlebt der Nutzer eine virtuelle 360-Grad-Welt, kann diese von allen Seiten betrachten, sich in ihr bewegen und im besten Falle sogar mit ihr interagieren. Der Nutzer nimmt seine reale Umgebung hierbei aber nicht mehr wahr. Genau darin liegt der entscheidende Unterschied zu AR: Bei Virtual Reality hat der User „nur“ das Gefühl, vor Ort zu sein, bei Augmented Reality ist er tatsächlich am Ort des Geschehens und erhält weitere Informationen.

AR ist somit ein perfekter Mix aus echter Welt und digitalem Nutzen. Bücher z.B. werden zum Leben erweckt, wenn sie mit der Handykamera gescannt werden. Zudem ermöglicht AR die Einrichtungsplanung, indem Stühle und Tische virtuell im eigenen Wohnzimmer platziert oder aufgebaut werden. Im Unterschied zu Virtual Reality, bei der eine VR-Brille oder ein Cardboard benötigt werden, kommen mit Augmented Reality ganz simpel Smartphones oder Tablets zum Einsatz.

Vor welchem Hintergrund hat sich Ikea dazu entschieden, auf Augmented Reality zu „vertrauen“?
Dukowski:
Wir wissen aus unserer Zusammenarbeit mit Ikea in anderen Projekten, dass das Interesse zusätzlich zu VR zunehmend in Richtung der noch jungen Technologie AR geht. Daraufhin haben wir uns proaktiv dazu entschieden, eine App zu entwickeln, die ein Problem löst, mit dem sich viele Nutzer beim Aufbau ihrer Möbel konfrontiert sehen: nämlich die gedruckten Aufbauanleitungen nicht eindeutig zu verstehen. Ikea kann mit unserem Prototyp die Käufer unterstützen und zudem testen, wie Augmented Reality angenommen wird. Unser Prototyp nimmt den Nutzer dabei Schritt für Schritt an die Hand und beantwortet aufkommende Fragen detailliert und direkt.

Warum liegt der Fokus hinsichtlich AR aktuell auf dem Kallax-Regalsystem und welche Möglichkeit bietet Augmented Reality hier den Kunden?
Dukowski:
Wir haben uns für das modulare Regalsystem Kallax entschieden, da es sich perfekt für unsere Anwendung eignet. Auf den ersten Blick erscheint der Aufbau des Regals, im Vergleich etwa zu dem einer Küche, zwar nicht allzu komplex, aber bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass der Teufel im Detail steckt: Die Bretter sind zwar alle gleich lang, unterscheiden sich aber in der Bohrung und die genaue Reihenfolge innerhalb der Verpackung ist festgelegt. Deswegen haben wir bei unserem Prototypen z.B. darauf geachtet, direkt zu zeigen, in welcher Reihenfolge man die Bretter aus der Verpackung nehmen sollte, um dann problemlos mit dem Aufbau zu starten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Welche „Hilfsmittel“ und „Vorkenntnisse“ benötigen Ikea-Kunden, um die AR-Anwendung nutzen zu können?
Dukowski:
Die Nutzung der App sollte so gestaltet werden, dass sie selbsterklärend ist und den Nutzer bestmöglich durch den Aufbau führt. Sie zeigt beispielsweise Größenverhältnisse und die Perspektive deutlicher als das Paper Manual. Der Nutzer braucht somit eigentlich keine Vorkenntnisse – die App soll Arbeit abnehmen. Man kann nach Kauf des Produkts einfach den Barcode scannen und der Nutzer kann direkt mit der Arbeit bzw. der Montage beginnen. Aber natürlich muss er die App vorher installieren. Darüber hinaus braucht er nicht viel: ein AR-fähiges Smartphone, die App und natürlich gute Laune und Lust, etwas Neues auszuprobieren.

Mit welchen Herausforderungen war die Einführung des Prototyps von „AR Build Assist“ verbunden? An welchen Stellen hakt es aktuell noch?
Dukowski:
Wir wollten den Charakter des eigentlichen Ikea Manuals beibehalten, aber digital adaptieren, um die Inhalte dynamischer darzustellen und den User so akkurater begleiten zu können. Herausforderungen gab es hinsichtlich der User Experience, da ARKit und ARCore derzeit noch ihre technischen Grenzen haben. So war es zwar bereits möglich, Oberflächen problemlos zu scannen und darzustellen, aber vertikale Flächen oder Ecken können (noch) nicht perfekt getrackt werden.

Wo sehen Sie selbst weitere Einsatzmöglichkeiten des „AR Build Assist“?
Dukowski:
Sobald alle 3D-Daten von Ikea-Möbeln vorliegen, könnte das AR-Manual zu einer dynamischen Montageanleitung für alle Produkte des Möbelhauses werden. Ein digitales Manual für alle Möbel zu realisieren, könnte langfristig gesehen das Paper Manual ersetzen, Kosten könnten gesenkt und auch der ökologische Aspekt sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden.

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