Fabrik der Zukunft

Automatisierung und Robotik – die deutschen Exportschlager

1,8 Millionen Industrieroboter gibt es auf der Welt und ein großer Teil davon kommt aus Deutschland – Arbeitsmigration der ganz besonderen Art.

Industrieroboter auf der Automatica 2018 in München

Industrieroboter auf der Automatica 2018 in München

Ein neuer Rekord: Weltweit gibt es ungefähr 1,8 Millionen Industrieroboter in Fabriken. Auf der heute zu Ende gehenden Automatica 2018 in München konnten die Fachbesucher einige hundert davon näher besichtigen. Die Leitmesse für intelligente Automation und Robotik findet alle zwei Jahre statt und hatte in diesem Jahr Themen KI, Smart Factory und die Zusammenarbeit mit den Menschen als Schwerpunkte. Besonders intensiv beschäftigte sie sich mit künstlicher Intelligenz, unter anderem als Schwerpunkt des Automatica Trend Index 2018.

Die Untersuchung hat ermittelt, was Arbeitnehmer über künstliche Intelligenz denken. Das Ergebnis: KI wird längst nicht so kritisch gesehen, wie zahlreiche, eher apokalyptische Meinungsäußerungen nahelegen. Eine deutliche Mehrheit (62%) der Befragten sehen Künstliche Intelligenz in erster Linie als Technologie, mit der Maschinen zu besseren Assistenten werden. Und mehr als drei Viertel (78%) glauben, dass der Mensch dank seiner sozialen Fähigkeiten nicht ersetzbar ist.

Industrieroboter sind Exportschlager

Auf der Automatica wurde deutlich, dass der Boom in Sachen Automatisierung, KI und Robotik sicher nicht nachlassen wird. So stellten sich auf der Messe neben den klassischen Herstellern wie ABB, KUKA oder Schunk zahlreiche Startups aus ganz Europa vor, die an Produkten und Services rund um die Automatisierung arbeiten. In Deutschland hat dieser Sektor im vergangenen Jahr ein rekordverdächtiges Umsatzvolumen erreicht: 14,5 Milliarden Euro. Die Zahlen stammen vom Maschinenbauverband VDMA, der für dieses Jahr ein Wachstum um 9 Prozent erwartet.

Angetrieben wurde das vor allem durch den Export nach Asien. Im Vergleich mit 2016 haben die Verkäufe in China einen großen Sprung nach vorne gemacht und sind um 60 Prozent gewachsen. Dadurch ist China inzwischen der wichtigste weltweite Markt für Robotik und Automation. Die Nachfrage wird hauptsächlich durch die Elektronikindustrie angefeuert, die in China einen geradezu fantastischen Boom erlebt - unter anderem durch die stetig wachsende Auftragsfertigung nach dem Foxconn-Modell.

Andere asiatische Staaten sind übrigens ebenfalls starke Importeure deutscher Automatisierungstechnik, hier wuchsen die Umsätze mit rund 20 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich. An dritter Stelle der Exportliste stehen (noch) die USA. Doch es ist unklar, auf welche Weise die Trump-Zölle die Entwicklung beeinflussen. Im Ergebnis exportieren die Hersteller nun gut 60 Prozent ihrer Produktion in das europäische und außereuropäische Ausland.

Die Smart Factory kommt

Hauptgrund ist der weltweite Trend zur Automatisierung und Digitalisierung in der Fertigung. So entstehen in der Automobilindustrie durch die Elektromobilität komplett neue Fabriken mit spezifischer Ausrüstung und die Nachfrage nach Elektronikprodukten aller Art wächst derart stark, dass eine Ausweitung der Produktion inzwischen fast nur noch mit strikter Automatisierung möglich ist. So entstehen Zug um Zug moderne Fabriken, die dem Modell der Smart Factory immer ähnlicher sehen.

Sie besteht aus vernetzten Maschinen und Anlagen, die mit einem erklecklichen Maß an eigener Intelligenz ausgestattet sind. Die Analysten von CB Insights haben in einer ausführlichen Studie die Fabrik der Zukunft vorgestellt. Zu ihr gehört nicht nur die eigentliche Fabrikausrüstung, sondern auch die für Steuerung, Überwachung und Analyse notwendige Software. Die Analyse zeigt, dass Digitalisierung und das Industrial Internet of Things jeden Aspekt der Herstellung verändern.

Einige der Stichworte sind autonomes Fahren in der Logistik, Augmented Reality zur Unterstützung der menschlichen Mitarbeiter, Roboter mit Sehvermögen und der Fähigkeit, mit Menschen zusammenzuarbeiten sowie die Blockchain als sichere Datenbank für ERP und die Supply Chain. Eine wirklich 100prozentige Smart Factory gibt es zurzeit noch nicht, lediglich einzelne Projekte, die Teile dieses Konzepts verwirklichen.

Industrieproduktion im Dunkeln

Es gibt jedoch eine Reihe von interessanten Produktionskonzepten, die einen guten Eindruck davon verschaffen, wie eine Fabrik in 10-20 Jahren aussehen könnte. So produziert der japanische Hersteller FANUC seine Roboter selbst wiederum mit Robotern. Die Fabrik allerdings ist etwas Besonderes: Sie produziert in Abschnitten von 30 Tagen vollkommen autonom und unbeaufsichtigt. Es gibt im Inneren kein Licht, keine Heizung und keine Luftumwälzung. Dies alles ist nicht notwendig, da Menschen nur einmal im Monat in der Fabrik auftauchen. Das „Lights out Manufacturing“ wurde bereits 2001 eingeführt.

Solche vollautomatisch arbeitenden Fabriken sind aber selten, denn zurzeit wird noch das Fundament der intelligenten Fabrik aufgebaut, das industrielle Internet der Dinge mit den entsprechenden Plattformen. Denn IoT-Plattformen ermöglichen die Vernetzung und Interaktion verschiedenster Maschinen, Geräte und Anwendungen. Sie sind damit sowohl die technische als auch die wirtschaftliche Basis für jede Art von datenbasierte Geschäftsmodell.

Laut dem Digitalverband Bitkom ist die deutsche Industrie hier weiter, als ihr oft unterstellt wird: Gut 43 Prozent der Unternehmen nutzen bereits heute eine IoT-Plattform. Weitere 18 Prozent planen den Einsatz und 19 Prozent sind noch im Diskussionsprozess. „Alle Industrieunternehmen werden früher oder später erkennen, dass IoT-Plattformen von strategischer Bedeutung für ihre zukünftigen Geschäftsmodelle sind“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Unternehmen, die frühzeitig auf eine IoT-Plattform setzen und damit Erfahrungen sammeln, können sich einen wichtigen Wettbewerbsvorteil sichern.“

Bildquelle: Messe München GmbH, Thomas Plettenberg

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