Im EU-Projekt CityMobil2 fahren vollautonome Minibusse durch die französische Stadt La Rochelle. Bald kommt im englischen Milton Keynes ein Testsystem auf Basis autonomer Pods als Teil des öffentlichen Verkehrs hinzu. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Technik für vollautonome Fahrzeuge massenmarktfähig ist. Betrachtet man rein die technologische Seite, so schätzen Experten in zehn Jahren.
Massiver Rückgang des Autobesitzes
Im Hinblick auf die Funktionsweise unseres Verkehrssystems hat die Nutzung autonomer Fahrzeuge jedoch das Potential einer Revolution, die die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Verkehr aufweichen wird. Zum anderen ist, u.a. durch neue Angebote in Form von autonomen Taxi- oder Carsharing-Flotten, ein massiver Rückgang des Autobesitzes zu erwarten. Eine Simulation des Royal Institute of Technology Stockholm zeigt, dass der Autobestand in der schwedischen Hauptstadt um bis zu 90 Prozent reduziert werden kann. Eine Prognose der University of Michigan schätzt, dass die Anzahl privater Fahrzeuge pro Haushalt in den USA nahezu halbiert werden kann.
Offen bleibt aber der Grad der Akzeptanz beim (potentiellen) Nutzer, insbesondere vor dem Hintergrund ungeklärter Rechts- und Haftungsfragen. In diesem Zusammenhang sind weitere Fragen nicht primär technisch oder rechtlich, sondern eher in Dimensionen von Ethik und Verantwortungsbereitschaft zu sehen. Hier ist die gesellschaftliche Debatte noch offen. Aktuelle Umfragen (Bearing Point, Continental-Mobilitätstudie) zeigen, dass eine große Mehrheit den Nutzen autonomer Fahrzeuge sehr positiv bewertet. Gleichzeitig gibt es jedoch bei fast der Hälfte der Befragten noch Zweifel in punkto Zuverlässigkeit der Technik und auch Bedenken, die Steuerung des Fahrzeuges einem Computer zu überlassen.
Debatten sind offen
Innerhalb von fünf Jahren wird man wissen, welche Zahlungsbereitschaft bei Aufpreisen von geschätzt bis 5.000 Euro bezüglich zunächst nur teilauotonomer (Assistenz-)Systeme im Markt herrschen. Hier wird sich zeigen, wie schnell die Entwicklung hin zum automatischen Fahren in der Bevölkerung vorankommt und welche (Haftungs-)Risiken in der Co-Existenz von automatisierten Fahrzeugen und „gewöhnlichen“ Autos liegen. Erst dann wird man erahnen können, ob wirklich von einer Revolution der Mobilität auszugehen ist oder ob es nur eine punktuelle Evolution ist.
Vorteile autonomer Fahrzeuge
Quelle: Mobilité Unternehmensberatung GmbH
Bildquelle: Volvo