Fahrerlose Autos

Autonomes Fahren auch für ältere Modelle

Die Fortschritte beim autonomen Fahren sind beeindruckend und werden wohl bald auch für Besitzer älterer Autos erschwinglich sein. Dadurch werden sich fahrerlose Autos schneller verbreiten.

Auto von innen, ohne Fahrer

Autonomie lässt sich auch nachrüsten

Fahrerlose Autos gehören zu den interessantesten Visionen in der Mobilität. Es gibt international mindestens 50 Unternehmen, die daran arbeiten. Als Vorreiter gilt die Alphabet/Google-Tochter Waymo. Tatsächlich scheint das Unternehmen ganz kurz vor der Markteinführung von autonomen Roboterflotten zu stehen. In Phoenix, Arizona ist beispielsweise ein kleiner Wagenpark bereits in Betrieb gegangen, vorläufig aber nur in einem bestimmten Bereich der Stadt.

Die Fortschritte zeigen sich vor allem in den Disengagement-Reports, die der kalifornischen Straßenbehörde einmal im Jahr vorgelegt werden müssen. Insgesamt haben 48 Unternehmen dort eine Erlaubnis, im normalen Straßenverkehr autonome Fahrzeuge zu testen. Einige davon sind sehr erfolgreich: So schaffen viele Fahrzeuge von Waymo eine Jahresfahrleistung von über 30.000 Meilen mit lediglich einem oder zwei Aussetzern („Disengagements“), bei denen der menschliche Testfahrer übernehmen musste. Zum Vergleich: Auch Mercedes testet in Kalifornien. Doch 2018 waren es nur vier Fahrzeuge mit wenigen 100 Meilen Fahrleistung, aber etlichen 100 Aussetzern.

Autonome Fahrzeuge sind also deutlich näher gerückt, auch wenn die wirkliche Markteinführung noch ein paar Jahre dauern kann. Häufig ist dabei von Flotten aus Robotertaxis die Rede, die den Individualverkehr vollständig ersetzen. Doch nun stellt sich eine Frage: Was wird aus den herkömmlichen Autos, die im Moment im Straßenverkehr unterwegs sind und in den nächsten Jahren sicher noch in großer Zahl verkauft werden? Zumal es durchaus denkbar ist, dass bald nach der Markteinführung ein Fahrverbot für menschliche Fahrer kommen könnte – zur Vermeidung von Vandalismus, provozierendem Fahrverhalten und menschlichen Fehlern.

Autonomie nachrüsten: KI, Kameras und Aktuatoren

Mit dieser Frage beschäftigen sich einige Startups aus den USA, Kanada und sogar Deutschland. Denn neuere Autos können aufgrund ihrer Technologie nachgerüstet werden. Dazu gehört die elektrische Servolenkung, bei der die Bewegungen des Lenkers ebenso gut durch einen Computer simuliert werden können. Zusätzliche Kommunikationsfunktionen, die der Hersteller nicht vorgesehen hat, sind außerdem über einen OBD2-Dongle nachzurüsten.

Die Nachrüstlösungen sind sich sehr ähnlich, da autonomes Fahren drei wichtige Kernaspekte hat: Erstens ist eine KI-Anwendung notwendig, die als „Fahrer“ agiert, zweitens muss diese KI Lösung mit Kameras, Radar- oder Lidar-Sensoren „sehen“ können und drittens muss sie mit angepassten Aktuatoren das Auto auch „bedienen“ können. Sie darf aber nicht die manuelle Bedienung des Fahrzeugs stören. Der Grund: Zurzeit ist nur autonomes Fahren Level 3 in der Reichweite der Lösungen. Ein menschlicher Fahrer sollte jederzeit eingreifen können.

Dieser Level an Autonomie bedeutet: Ein Fahrzeug fährt in einigen Fahrsituationen dauerhaft und ohne Benutzereingriffe autonom. Dazu gehört beispielsweise selbstständiges Fahren auf der Autobahn, inklusive Anpassung an den fließenden Verkehr, automatisches Wechseln der Spur oder Bewältigen von Autobahnkreuzen. Die KI würde sich in diesem Szenario auch nicht durch Staus, Baustellen oder Hindernisse wie liegen gebliebene Fahrzeuge irritieren lassen.

Startups aus Kanada und Deutschland

Das Entscheidende bei Lösungen für das autonome Fahren sind Daten. Die vielversprechendste Technologie hierbei ist Deep Learning, bei der ein künstliches neuronales Netzwerk (KNN) Autofahren lernt. Das geschieht zu einem Teil innerhalb von simulierten Welten. Am Rande bemerkt: Einige Startups setzen dafür sogar das beliebte Open-World-Game Grand Theft Auto V ein. Doch die Wirklichkeit liefert immer noch die besten Daten, denn viele menschliche Autofahrer verhalten sich nach dem Motto „Kannste dir nicht ausdenken“.

Aus diesem Grund läuft zum Beispiel bei dem kanadischen Startup X-Matik LaneCruise ein recht umfangreicher Betatest, für den sich technisch kundige Interessenten melden konnten. Sie bekamen ein Nachrüst-Kit, das ihr normales Serienfahrzeug auch älteren Baujahrs auf Autonomie-Level Drei brachte - zumindest langfristig. Das System ist wie seine Konkurrenten lernfähig und verbessert sich im Laufe der Zeit. Trotzdem befindet es sich zurzeit noch im Betatest. In einem YouTube-Video demonstriert der Hersteller die Fähigkeiten der letzten Version.

Auch ein deutsches Startup aus Berlin ist in diesem Bereich aktiv: Kopernikus Auto. Es entwickelt zurzeit eine Lösung, die Autos ab dem Baujahr 2015 für 3.000 Euro mit autonomen Funktionen ausrüsten soll. Dafür gibt es einen neuen Bordcomputer und sieben Kameras. Neue Aktuatoren, die zusätzlich eingebaut werden müssen, gibt es dagegen nicht. Stattdessen werden die in vielen neueren Modellen verbauten Sensoren und Aktuatoren genutzt. Die serienmäßig mitgelieferten Assistenten können bereits selbstständig lenken und bremsen. Für Kopernikus werden sie lediglich mit dem neuen Computer verbunden.

Bildquelle: metamorworks / Getty Images

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