Zum VDI Wissensforum „Automated Driving“

Autonomes Fahren auf der Überholspur?

Zum VDI Wissensforum „Automated Driving“ trafen sich Mitte Mai zahlreiche Automobilhersteller und -zulieferer in Frankfurt und stellten ihre aktuellen Entwicklungen hinsichtlich des autonomen Fahrens vor.

  • Die aktuellen Ford-Fusion-Technologieträger scannen über vier auf dem Fahrzeugdach montierte Infrarotlicht- und Abstandssensoren die Umgebung in einem Umkreis von rund 70 Metern und sollen dabei sowohl Fahrzeuge als auch Fußgänger, Radfahrer und sogar kleine Tiere erkennen.

  • Für die autonome Fahrt ist der Nissan Leaf u. a. mit Kameras, Laser- und Radartechnik ausgestattet.

  • Viele Landmaschinen des Herstellers John Deere können fahrerlos durch Felder und Äcker bewegt werden.

Die weltweite Autobranche ist der Studie „Automobilstandort Deutschland 2015“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) zufolge im Investitionsfieber. Demnach stieg die Zahl der von den 16 führenden Automobilherstellern durchgeführten Investitionen – etwa in neue Fabriken, Design- oder Entwicklungszentren – von 2010 bis 2014 um 56 Prozent an. Dieser Trend wird in den nächsten Jahren laut Peter Fuß, Partner bei EY, auch anhalten. „Die Autobauer müssen ­Milliarden in die Digitalisierung ihrer Produktion, ihres Vertriebs und ihrer Geschäftsmodelle (...) und vor allem in neue Technologien investieren.“

Gerade in neue Technik wie das autonomen Fahren pumpen die großen Autobauer bereits jetzt viele Forschungsgelder. Aktuelle Ergebnisse stellten sie auf dem VDI Wissensforum „Automated Driving“ in Frankfurt vor. Neben derzeitigen Entwicklungsprojekten zeigten sie Szenarien auf, inwieweit fahrerlose Pkws in Zukunft wirklich die Straßen beherrschen könnten.

Ford-Prototyp mit Lichtsensoren

James McBride von der Ford Motor Company fokussierte sich in seinem Vortrag auf die Entwicklung der Sensor-Lasertechnik beim US-Autohersteller. So verwendet das Unternehmen bei seinem aktuellen Prototypen „Fusion Hybrid“ sogenannte LiDAR-Lichtsensoren (Light Detection And Ranging) sowie eine 360-Grad-Kamera, mit denen die Fahrzeugumgebung erfasst (gescannt) und Hindernisse lokalisiert werden können. Aus den ermittelten Daten erstellt LiDAR 2,5 Millionen Mal pro Sekunde eine virtuelle 3D-Karte und berechnet die Distanz aller erkannten Objekte zum Fahrzeug. So registriert das System laut McBride, wenn sich ein Hindernis auf der Fahrbahn befindet (z.B. ein liegen gebliebenes Auto) oder ein Fußgänger plötzlich die Straße betritt.

Optimismus bei Nissan 

Nissan konzentriert sich bei seinen aktuellen Forschungen auf das Thema Elektromobilität in Verbindung mit Fahrsicherheitssystemen. Letztere sollen den Weg zum autonomen Fahrzeug begleiten. David Moss, Vice President, Vehicle Design and Development bei Nissan Europe, erklärt, dass 90 Prozent der heutigen Autounfälle durch den Fahrer selbst verursacht werden. Systeme wie Spurhalte- oder Abstand-Regelassistent würden ihn zwar unterstützen, doch wäre seiner Meinung nach die Zahl der Unfälle geringer, wenn Fahrzeuge autonom fahren würden. Denn „eine Maschine reagiert 100 Mal schneller als der Mensch“, so Moss. Somit würden Fahrfehler und daraus resultierende Unfälle der Vergangenheit angehören. Zudem stellte er Nissans Zukunftspläne im Bereich autonomes Fahren vor: Für nächstes Jahr soll es bereits im Stau möglich sein, dem E-Auto Nissan Leaf das Kommando zu übergeben. Ab 2018 soll der Autopilot im Leaf-Modell auf Schnellstraßen automatisch Spurwechselmanövern einleiten können. Und ab 2020 sollen sich nach Angaben des japanischen Automobilkonzern Pkws dann im Stadtverkehr intelligent fortbewegen können, ohne dass der Fahrer eingreifen muss.

Traktoren fahren selbstständig im Feld

Dass autonomes Fahren auch branchenübergreifend ein Thema ist, bestätigte Diplomingenieur August Altherr vom Landmaschinenhersteller John Deere. Per GPS-Modul und automatischem Lenksystem können entsprechende Traktoren des Herstellers fahrerlos über das Feld navigiert werden. „Bereits 30 Prozent der verkauften Maschinen in Deutschland werden mit GPS-Modul verkauft“, berichtet Altherr. Zudem stehen Systeme zur Verfügung, die vollautomatisierte Wendevorgänge erlauben – auch der autonome Einsatz zweier Maschinen, die über Sensoren miteinander kommunizieren, ist bereits möglich. So kann z.B. der Fahrer eines Mähdreschers per Knopfdruck die Kontrolle über die Fahrgeschwindigkeit und Lenkung des Traktor-Anhängergespanns übernehmen, wodurch die Entladung während der Fahrt bei gleichbleibender Erntegeschwindigkeit ermöglicht wird.


Bildquelle: Ford, Nissan, John Deere


©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok