Lösung „made in Germany“

Bald ein einheitliches Bezahlsystem?

Im Interview erläutert Philipp A. Pohlmann, Country Manager Germany von Qonto, u.a. inwieweit die Corona-Krise die Entwicklung eines einheitlichen Bezahlsystems der heimischen Banken vorantreiben könnte.

Philipp A. Pohlmann, Country Manager Germany von Qonto

„Insbesondere kleinere Betriebe im Gastrobereich arbeiten oft über Jahrzehnte ausschließlich mit Bargeld“, weiß Philipp A. Pohlmann von Qonto zu berichten.

MOB: Herr Pohlmann, welchen Einfluss übt die derzeitige Corona-Krise auf den deutschen Mobile-Banking-Markt aus?
Philipp A. Pohlmann:
Die Corona-Krise hat ganz klar das bargeldlose Bezahlen befeuert. Menschen wollen aus hygienischen Gründen nicht mehr mit Bargeld bezahlen und die Akzeptanz gegenüber virtuellen Karten ist stark gestiegen.

MOB: Was sind die häufigsten Bedenken, wenn es um die Einführung und Nutzung von Mobile-Payment-Lösungen geht?
Pohlmann:
Bargeld hat – anders als in anderen Ländern – in Deutschland traditionell einen hohen Stellenwert. Menschen fühlen sich oft „frei“, wenn sie mit Bargeld bezahlen können und nicht auf ein mobiles Endgerät angewiesen sind. Der Punkt ist, dass Merchants aufgrund von Kosten und Limitierungen oft mit den vorhandenen Lösungen nicht zufrieden sind. Als Beispiel ist die Verrechnung von Trinkgeld über POS-Lösungen wie Sumup nicht richtig darstellbar. Die Abrechnung muss nachträglich manuell erfolgen.

MOB: Worin bestehen für Unternehmen die konkreten Anforderungen sowie Herausforderungen in Krisenzeiten wie der jetzigen, M-Payment für Kunden zeitnah, aber vernünftig umzusetzen?
Pohlmann:
Die Herausforderungen für die konkrete Umsetzung sind ähnlich wie vor der Krise. Insbesondere kleinere Betriebe im Gastrobereich arbeiten oft über Jahrzehnte ausschließlich mit Bargeld und müssen sich aktuell erstens um eine Lösung für Kartenzahlungen kümmern, die sie auch buchhalterisch abbilden können, und zweitens eine Lösung finden, die bestimmte Fälle wie z.B. Trinkgeld mit einschließt.

MOB: Stichwort „Lösung made in Europe“: Inwieweit könnte die Corona-Krise Ihrer Meinung nach die Entwicklung eines einheitlichen Bezahlsystems der heimischen Banken vorantreiben?
Pohlmann:
Das Konzept für Peps (Pan European Payment System) wurde ja bereits 2019 vorgestellt. Ich denke, die Corona-Krise und die jüngsten Entwicklungen im Zahlungsverkehr haben den Fokus auf eine Vereinheitlichung noch einmal verschärft. Zentral ist hier sicher die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Kreditwirtschaft. Allerdings sind bestehende Systeme in Deutschland wie z.B. die Online-Bezahlsysteme Paydirekt und Giropay im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz nur mäßig erfolgreich. Daher ist es für mich schwer einschätzbar, welche Akzeptanz ein einheitliches Bezahlsystem erlangen könnte.

MOB: Wie sollten sich die Banken hierzulande generell anno 2020 aufstellen, um für Firmen-, aber auch Privatkunden attraktiv zu bleiben?
Pohlmann:
Wir legen unseren Fokus im Firmenkundengeschäft auf offene Schnittstellen und die Integration bestehender SaaS-Lösungen, um so unseren Kunden das Finanzmanagement zu erleichtern. Ich denke, das geschlossene Systeme im Firmen-, aber auch Privatkundensegment langfristig nicht zielführend sind, da sich der individuelle Anspruch an Finanzprodukte kontinuierlich verändert. Insbesondere erwarten wir starke Veränderungen im Finanzsektor durch die Gafa-Unternehmen. Gleichzeitig sehen wir bereits eine große Akzeptanz durch z.B. Zahlungsanbieter wie Stripe und Gocardless. Diese Lösungen arbeiten digital nativ und werden bereits von vielen unserer Kunden genutzt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Banken hierzulande die Integration zu neuen Lösungen erleichtern.

Bildquelle: Quentin Chevrier Fevrier

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