Ibrahim Karasu, Geschäftsführer des Bankenverbandes des Bereichs Retail Banking und Banktechnologie
Herr Karasu, mobiles Bezahlen im Handel ist in Deutschland noch nicht sehr weit. Wann kommt der Durchbruch?
Ibrahim Karasu: Dieser Bereich befindet sich in Deutschland noch in einer frühen Entwicklungsphase. Der stationäre Handel hat sehr effiziente Zahlungssysteme auf einem hohen Sicherheitsniveau. Der Durchbruch kommt erst, wenn das mobile Bezahlen genauso einfach und sicher ist, wie es Händler und Kunden es heute gewohnt sind.
Das bedeutet erstens eine allgemeine Akzeptanz bei den Händlern, die eine gute Marktdurchdringung ergibt. Zweitens ist eine hohe Reichweite durch Verfügbarkeit bei den Kunden notwendig und drittens eine hohe Zuverlässigkeit des Verfahrens, vor allem Transparenz und Sicherheit. Idealerweise ist Mobile Payment daher eine natürliche Weiterentwicklung bewährter Verfahren unter Beachtung neuer Nutzungsverhalten.
In welchen Bereichen wird sich M-Payment zuerst durchsetzen?
Karasu: In allen Fällen, bei denen eine Zahlung mit dem Smartphone und via Internet ausgelöst werden kann. Aus diesem Grund entwickeln zahlreiche Marktteilnehmer bereits heute selbst Zahlungsanwendungen, die auf bestehenden Zahlverfahren aufbauen. Die meisten Lösungen sind jedoch auf ein kleines Marktsegment oder auf einen einzigen Markt zugeschnitten. Die Erfahrungen in diesen Bereichen werden sich jedoch schnell im Gesamtmarkt ausbreiten.
Wird M-Payment traditionelle Zahlungsmittel wie Girokarte,
Kreditkarte oder Bargeld verdrängen?
Karasu: Auf mittlere Sicht wird es keine Verdrängung geben. Aber: In dem Maße wie der E-Commerce im Einzelhandel zunimmt, wird der Anteil des Bargeldes weiter abnehmen. Viele mobile Anwendungsfälle sind auf die Zahlung von Kleinbeträgen ausgerichtet. Das geht wahrscheinlich ebenfalls zulasten des Bargeldes.
Internetfähige Karten werden von der Verschiebung im Einzelhandel in Richtung E-Commerce zunächst wahrscheinlich eher profitieren. Auch weil hinter vielen mobilen Bezahlverfahren derzeit eine Kreditkarte steckt. Aktuell beobachten wir, dass sich M-Payment im Internet daher weniger in Richtung Karten als vielmehr in Richtung Vorkasse und Lastschrift ausbreitet.
Wird sich dadurch auch das Käuferverhalten ändern?
Karasu: Ein Käufer mit Smartphone ist oft viel informierter, da er rasch Informationen beschaffen kann. Das hat eine große Auswirkung auf den Markt: Wenige Klicks zum Kaufabschluss sind wettbewerbsentscheidend. Das Bezahlen muss also einfach, aber trotzdem sicher sein und dem Kunden Kontrolle und Transparenz geben. Außerdem kann der Käufer mit dem Smartphone Daten wie Coupons oder Rabatte aufnehmen, die sich in den Zahlvorgang integrieren lassen.