Keine Berührungsängste mehr?

Bargeldorientierte Traditionalisten

„Das Zahlungsverhalten der deutschen Verbraucher hat sich geändert und die Ansprüche sind deutlich gestiegen“, betont Jan Eric Bollig, Head of Marketing & Communications von Evo Payments International in Deutschland.

Jan Eric Bollig, Evo Payments International

Jan Eric Bollig verantwortet und steuert sämtliche Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen des in Köln ansässigen Unternehmens Evo Payments International in Deutschland.

MOB: Herr Bollig, wie wird hierzulande aktuell an der Kasse am liebsten bezahlt: mit Bargeld, per Karte oder via Mobile-Payment-Lösung?
Jan Eric Bollig: Wie unsere neueste Studie „Die Haltung der Europäer zu Zahlungsmethoden“ ganz klar zeigt, entwickeln sich bargeldlose Zahlungsmethoden zunehmend zur ersten Wahl der Deutschen. Es ist deutlich erkennbar, dass sich Berührungsängste, Skepsis und Hürden mehr und mehr abbauen – der deutsche Markt wird offener und macht sich endlich bereit für kontaktlose, elektronische Zahlungslösungen. Dies ist nicht nur eine erfreuliche Entwicklung aus der Sicht von Payment-Anbietern, sondern öffnet auch die Tür für eine neue Generation moderner Zahlungsabwicklungen, die für Händler unerlässlich sind, um im internationalen E-Commerce-Wettbewerb mithalten zu können und langfristig zu bestehen.

MOB: Welchen Einfluss haben die Krisen der letzten Monate auf das Bezahlverhalten der Deutschen ausgeübt?
Bollig: Die globale Corona-Pandemie hat in jedem Fall dazu geführt, dass die Europäer und insbesondere auch die Deutschen, welche bislang als „bargeldorientierte Traditionalisten“ galten, verstärkt kontakt- und bargeldlose Zahlungsmethoden bevorzugen. Der Wunsch, sicher einkaufen und bargeldlos bezahlen zu können, und so das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus zu verringern, hat viele Menschen von der Notwendigkeit und Benutzerfreundlichkeit moderner elektronischer Zahlungsmittel überzeugt.

MOB: Inwieweit bieten Händler bereits eigene Smartphone-Apps an, mit denen man an der Kasse bezahlen kann, und wie gestaltet sich deren Akzeptanz?
Bollig: Fakt ist: Das Zahlungsverhalten der deutschen Verbraucher hat sich geändert und die Ansprüche sind deutlich gestiegen. Daher ist es für Händler enorm wichtig, nicht nur im E-Commerce-Bereich, sondern auch am POS deutlich nachzurüsten und ihren Kunden effiziente und zeitgemäße Lösungen anzubieten, welche die Zahlungsabwicklung möglichst einfach, schnell und sicher gestalten. Mobile-Payment-Systeme via Smartphone-App, wie z.B. Lösungen von Apple Pay und Google Pay oder Silkpay und Pay with Charlie, ermöglichen heutzutage ganz neue Spielräume im Konsumverhalten von Kunden und bieten ein enormes Potenzial für den Handel. Daher wird das mobile Bezahlen bereits von vielen Händlern angeboten und von den Kunden immer häufiger und mit zunehmender Akzeptanz genutzt.

MOB: Wie funktioniert das kontaktlose Bezahlen via QR-Code?
Bollig: Das kontakt- und bargeldlose Bezahlen via QR-Code funktioniert denkbar einfach, schnell und unkompliziert: Zunächst wird der QR-Code auf einer Rechnung, einem Automaten oder direkt an der Kasse gescannt. Das Kassensystem überträgt an die App des Smartphones des Kunden den Rechnungsbetrag sowie die Iban-ID. Die in der App hinterlegten Zahlungsdaten werden eingelesen und der Payment-Anbieter bzw. die jeweilige Bank wird über den erwarteten Zahlungseingang informiert und für die Abbuchung des fälligen Betrags autorisiert. Der erhaltene Betrag wird im Anschluss an das System am POS übertragen. Noch einfacher, sogar ganz ohne physisches, klassisches Terminal oder Kartenlesegerät, funktionieren Bezahl-Apps wie „Pay with Charlie“: Bei der Zahlung wird das Smartphone sozusagen zum „digitalen Terminal“. Auch hier müssen einfach nur der QR-Code eingescannt und die bevorzugte Zahlweise ausgewählt werden, um den fälligen Betrag in Sekunden zu begleichen.

MOB: Was sind die Vorteile solcher Mobile-Payment-Lösungen, welche Risiken verbergen sich zugleich dahinter?
Bollig: Die Vorteile von Mobile-Payment-Lösungen liegen klar auf der Hand: Neben der besseren Hygiene gegenüber Bargeld bieten sie eine höhere Sicherheit, da ein Diebstahl praktisch fast unmöglich ist. Zahlungstransaktionen an der Kasse nehmen deutlich weniger Zeit in Anspruch, Ausgaben lassen sich leichter und transparenter im Blick behalten und überprüfen. Auch für Menschen mit Behinderung bietet das „Digitale Portemonnaie“ bei Zahlungen in Geschäften eine große Erleichterung im Alltag.

MOB: Unter welchen Voraussetzungen werden die Verbraucher bei den neuen, innovativen Zahlungsmethoden bleiben bzw. was muss anno 2022 geschehen, damit sie nicht zurück zu ihrer alten Zahlungsgewohnheit kehren: der Barzahlung?
Bollig: Schnell, einfach und unkompliziert – so zahlen die deutschen Verbraucher am liebsten. Und damit das auch so bleibt und sich der Trend weiterhin fortsetzt, muss der deutsche Handel umdenken und sich den geänderten Ansprüchen im Konsumentenverhalten anpassen. Um Mobile Payment in Geschäften nutzen zu können, sind auf Händlerseite bestimmte Geräte und eventuell Konfigurationen erforderlich. Das Kassensystem muss für das mobile Bezahlen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um die Daten der Kunden zu empfangen und an den Payment-Anbieter bzw. an die Bank weiterzuleiten. Das technische Set-up und die Verwendung der neuesten „State-of-the-Art“-Kassen-Software spielen daher eine tragende Rolle, um dem Kunden das bestmögliche Einkaufserlebnis zu bieten.

Bildquelle: Evo Payments

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