Hightech am Feldrand

Beacons in der Landwirtschaft

Mittels Beacon-Technologie sorgt Fliegl für eine lückenlose und sichere Dokumentation der Ernte- und Transportwege.

  • Mähdrescher, Fliegel
  • Beacons, Fliegl

    Um Transportwege in der Landwirtschaft nachvollziehen zu können, sind Mähdrescher und Lkw jeweils mit Beacons ausgestattet.

Der Lebensmittelunternehmer ist am besten in der Lage, ein sicheres System der Lebensmittellieferung zu entwickeln und dafür zu sorgen, dass die von ihm gelieferten Lebensmittel sicher sind“, sagt die EU-Verordnung Nr. 178/2002. Seit 2005 müssen Hersteller zusätzlich nachweisen können, woher ihre Rohstoffe kommen. Dieser Nachweis fängt bereits bei der Ernte an. Der mittelständische Landtechnikhersteller Fliegl Agrartechnik hilft mit einem bluetooth-basierten Tracker Landwirten dabei, den Agrarkreislauf transparent und nachvollziehbar zu machen.

Fliegl Agrartechnik, Hersteller von landwirtschaftlichen Anhängern, ist seit mehr als 40 Jahren am Markt tätig. Das Unternehmen mit Hauptsitz im oberbayerischen Mühldorf am Inn ist mit 1.000 Mitarbeitern international aufgestellt und exportiert u.a. Kipper, Überladefahrzeuge, Plattformanhänger oder Abschiebewagen. Das Thema „Lebensmittelsicherheit“ spielt eine besondere Rolle, vor allem hinsichtlich der lückenlosen Dokumentation der Ernte und ihres Weitertransports. Denn gerade im Übergang vom Feld zum Transport auf der Straße wird die Rückverfolgbarkeit schwierig.

Das Beispiel: Zuckerrübe

In der Zuckerrübenindustrie werden seit einigen Jahren Systeme eingesetzt, um Ernte und Transport nachzuweisen. Allerdings sind die eingesetzten Lösungen nicht miteinander kompatibel, die genutzte Technik benötigt viel Energie und ist zudem teuer. „Wir kennen das Beispiel aus der Zuckerrübenbranche und uns war von Anfang an klar, dass eine Fahrzeugerkennung anders funktionieren muss“, weiß Franz Höpfinger, Entwicklungschef bei Fliegl Agrartechnik. „Uns war es wichtig, dass für ein solches System ein Tablet oder Handy ohne Zusatzgerät ausreichen muss. Wir wollten keine Sonder-Hardware entwickeln.“ Sein Ziel: Ein System zur Fahrzeugerkennung sollte geschaffen werden, das in der rauen Umgebung der landwirtschaftlichen Ernte zuverlässig und ohne manuelle Eingriffe Ladungen erkennen und rechtssicher zuordnen kann.

Um die bestehenden Angebote zu sondieren, hat man sich zunächst einige Lösungen im Detail angesehen. Dazu gehörten auch passive RFID-Transponder. Die Kosten für den Transponderchip sind zwar sehr gering, dafür hätte das zusätzlich benötigte Lesegerät etwa 25.000 Euro gekostet. „Als wir uns umsahen, sind wir daher schnell auf die Firma Apple mit ihren iBeacons gestoßen“, erläutert Höpfinger.

Klein, leicht, wartungsarm

Beacons sind kleine Bluetooth-Sender in einem Gehäuse, die lediglich von einer eingebauten Batterie mit Strom versorgt werden. Als „aktive“ Bauelemente senden sie in bestimmten zeitlichen Intervallen ihre Kennung, die von Antennen in einem Umkreis von bis zu 30 Metern empfangen werden kann. Die Informationen eines Beacons lassen sich über jedes bluetooth-fähige Handy, Tablet oder einen Laptop abrufen und weiterverarbeiten. Eine teure „Empfangslösung“ ist nicht nötig. Da sie über eine eigene Energieversorgung verfügen, lassen sie sich in beliebigen Fahrzeugen einsetzen und sind unabhängig vom Bordnetz. „Wir waren uns schnell einig, dass Bluetooth die richtige Technologie für uns ist“, ergänzt der Entwicklungschef.

Auf dieser Basis hat das Unternehmen den „Fliegl Tracker“ entwickelt. Das Beispiel der Getreideernte zeigt die Funktionsweise: Ein oder mehrere Mähdrescher ernten das Korn und sammeln es in integrierten Tanks. Ein Überladewagen holt das Getreide am Mähdrescher ab und bringt es zum Feldrand, wo er es auf einen bereitstehenden Lkw für den Weitertransport lädt. Nicht selten sind bis zu 20 oder 30 dieser Lkw parallel im Einsatz.

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Um den Transportweg transparent nachvollziehen zu können, sind Mähdrescher und Lkw jeweils mit Fliegl-Beacons ausgestattet, die jedes Erntefahrzeug eindeutig identifizieren. Der Überladewagen wiederum ist mit einem Beacon-Empfänger versehen und fungiert damit als Knotenpunkt für den Datenverkehr. Darüber hinaus ist er mit dem Wiegesystem FWS des Agrarspezialisten ausgestattet. Dieses erfasst und dokumentiert die aufgenommene und abgegebene Menge an Getreide. „Diese Waage ist schon einige Jahre auf dem Markt. Bislang konnte damit allerdings noch nicht lokalisiert werden, von welchem Mähdrescher der Überladewagen Ware abgenommen und auf welchen LKW er diese aufgeladen hat“, erklärt Höpfinger. „Via Beacon-Empfängerkommunikation ist dies jetzt machbar. Eine Zuordnung ist rechtssicher und dokumentationsfähig möglich.“ Der Weg des Getreides vom Acker zum Lager wird so lückenlos nachweisbar.

Das Wiegesystem lässt sich so erweitern, dass sich jedem Lkw, an dem ein Beacon angebracht ist, ein Datensatz mit jeweiliger Nutzlast zuordnen lässt. Das erlaubt dem Überladefahrzeug die Lkw automatisch zu beladen und nur die vorgegebene Menge zu übergeben, was letztendlich die Verkehrssicherheit auf der Straße erhöht.

Für die Fahrer stellt der Tracker keinen Mehraufwand dar. Da die Beacons, die am Mähdrescher und Lkw angebracht sind, automatisch senden, müssen die Fahrer dieser Fahrzeuge keine Aktionen dafür durchführen. Lediglich der Fahrer des Überladewagens drückt einen Knopf, wenn er den Beladevorgang beendet. Mittels Beacon-Technologie erkennt der Überladewagen dabei automatisch, welches Fahrzeug neben ihm steht.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Dank sinkender Stückkosten und vereinfachter Anwendungsintegration empfiehlt sich die Beacon-Technologie für industrielle Anwendungen und hier als Alternative zu RFID. Da Beacons mit einem Preis von etwa 25 Euro pro Stück im Vergleich zu GPS-Lösungen kostengünstig sind, ist die Aufrüstung einer kompletten Ernteflotte mit geringen Investitionskosten verbunden. Darüber hinaus ist dieses System unabhängig von der Bordelektronik des Mähdreschers oder der Lkw.

Der Nutzen des „Fliegl Trackers“ ist allerdings nicht auf die Ernte beschränkt. Als universelles System kann er Informations- und Dokumentationslücken ganz verschiedener Art schließen. So spielt gerade der Bereich Düngung mit der geschlossenen Dokumentation von Gülle-Ausbringung und Nährstoffdaten in Deutschland eine zentrale Rolle.


Die Fliegl Agrartechnik ...
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steht für innovative Agrarlogistik und für Wirtschaftlichkeit in der Landwirtschaft. Das Unternehmen ist global aufgestellt und exportiert in alle Kontinente. Die Gruppe stellt zudem Systemlösungen für Forst- und Energiewirtschaft her und fertigt LKW-Anhänger und -Auflieger. Das Agro-Center ist der XXL-Shop für Anbaugeräte und Zubehör. Seinen Sitz hat der Hersteller von landwirtschaftlichen Anhängern im oberbayerischen Mühldorf am Inn. Das Werk verfügt über vier Montagelinien für Kipper, Biogasanlagen, Güllefässer und die patentierte Fliegl Abschiebetechnik, die den Transport von Agrarprodukten revolutioniert hat.



Bildquelle: Fliegl




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