Digitalisierungsoffensive

Bestattungen per Bitcoin bezahlen

Im Gespräch mit Björn Krämer, Gründer und Geschäftsführer des digitalen Bestattungshauses Mymoria, über eine neue Bezahlmethode, die das Unternehmen nun seinen Kunden anbietet

  • Zur Digitalisierungsoffensive für die Bestattungsbranche sollte auch das digitale Bezahlen gehören.

    Zur Digitalisierungsoffensive für die Bestattungsbranche sollte auch das digitale Bezahlen gehören.

  • Er hat das digitale Bestattungshaus gegründet: Björn Krämer.

    Er hat das digitale Bestattungshaus gegründet: Björn Krämer.

Herr Krämer, welche Rolle spielen die Themen „Digitalisierung“ und „Mobilisierung“ für das Bestattungshaus Mymoria?
Björn Krämer:
Digitalisierung und Mobilisierung sind die größten gesellschaftlichen Themen und mit unserem Unternehmen setzen wir diese Veränderungen konsequent in der Bestattungsindustrie um. Es gibt heute kaum etwas, das wir nicht online machen, und in weniger als fünf Jahren wird der Großteil der Bestattungen im Internet geplant. Dazu trägt insbesondere die Mobilisierung bei. Die Menschen sind heute viel mobiler und leben nicht mehr nur an einem Ort, Angehörige sind auf der ganzen Welt verstreut. Familien leben nicht mehr mit mehreren Generationen in der gleichen Stadt oder sogar unter dem gleichen Dach. Da sind wir ein willkommenes Angebot, weil wir für Angehörige über Grenzen und weite Entfernungen hinweg komplette Bestattungen organisieren und ihnen am Sterbeort alles abnehmen. Außerdem bietet uns das Internet den Vorteil, den Nutzern volle Kostentransparenz zu gewährleisten, indem sie im gesamten Planungsprozess immer den kompletten Gesamtpreis sehen. Das ist im Internet ja eigentlich normal, im Bestattungsbereich aber noch neu.

Vor welchem Hintergrund haben Sie sich dazu entschieden, nun auf die Kryptowährung Bitcoin zu vertrauen und Ihren Kunden die Möglichkeit einzuräumen, Bestattungskosten mit jener virtuellen Währung zu begleichen?
Krämer:
Zu unserer Digitalisierungsoffensive für die Bestattungsbranche gehört selbstverständlich auch das digitale Bezahlen. Wir wollen Hinterbliebenen in schweren Zeiten so viel Service wie möglich bieten und optimieren dafür den gesamten Prozess einer Bestattungsplanung. Bitcoins gehören dabei zu einem vollständigen digitalen Angebot dazu.

Welchen Stellenwert besitzt die Kryptowährung mittlerweile generell in Deutschland? Wer ist die Zielgruppe?
Krämer:
Ich glaube, dass Kryptowährungen großes Potential haben. Aber auch wenn die Nutzerzahlen weltweit gerade rasant steigen, wird es noch eine Weile dauern, bis die breite Bevölkerung diese als Bezahlmethode nutzt. Insbesondere in Deutschland, wo immer noch Barzahlung und Überweisung vorherrschen, werden es virtuelle Währungen zunächst schwer haben. In Berlin ist es ja immer noch ein Problem ein Taxi mit der Kreditkarte zu bezahlen. Die Industrie verweigert sich, aber der Kunde möchte es. Immer wenn dies der Fall ist, setzt sich der Kunde früher oder später durch.

Welche Voraussetzungen müssen Ihre Kunden erfüllen, um per Bitcoin bei Ihnen bezahlen zu können?
Krämer:
Jeder, der ein Bitcoin-Wallet hat, kann an Mymoria die Bestattungskosten in der virtuellen Währung überweisen.

Und mit welchem Aufwand war es für Sie selbst verbunden, jene Bezahlmethode zu integrieren?
Krämer:
Der Aufwand hielt sich in Grenzen und war geringer als bei der Integration von Kreditkartenzahlung.

Worin sehen Sie die Vorteile gegenüber der Zahlung per Banküberweisung, Kreditkarte oder Online-Bezahldienst?
Krämer:
Die Frage für uns ist eher, welche Vorteile der Kunde hat. Die ist unser Kredo, der Kunde soll sich keine Gedanken machen müssen. Wenn er mit Bitcoins bezahlen möchte, kann er dies tun. Möchte er jegliche andere Form nutzen, ist dies genauso in Ordnung. Das Bezahlen mit Bitcoins ist nur eine Erweiterung unserer Bezahloptionen, um unseren Kunden möglichst viel Service zu bieten. Vermutlich werden die meisten weiterhin per Überweisung bezahlen. Aber beispielsweise ist die virtuelle Währung für Angehörige im Ausland interessant, die hier in Deutschland mit uns eine Bestattung organisieren.

Wie ist es um die Sicherheit der Bitcoin-Bezahlmethode bestellt – vor allem bei Nutzung von Smartphones, Tablets und Co.?
Krämer:
Die Blockchain-Technologie macht Bitcoin-Überweisungen anonym und sicher. Allerdings sollten Nutzer für ihre Wallets Backups anlegen, um auf diese auch nach einem Verlust des Smartphones oder des Tablets zugreifen zu können.

Mymoria ist ein noch junges Unternehmen – wie sehen Ihre weiteren Digitalisierungsbestrebungen aus?
Krämer:
Wir haben bereits den kompletten Planungsprozess einer Bestattung bis hin zur Buchung und Bezahlung in das Web verlegt. Schon heute können Angehörige, die keinen persönlichen Kontakt zu einem Bestatter möchten oder nicht am Sterbeort wohnen, alles online abwickeln. Als zusätzliche digitale Services bieten wir seit 2017 das Online-Kondolenzbuch und das Live-Streaming von Trauerfeiern für Angehörige, die nicht zur Bestattung kommen können. Damit sind wir sicher längst nicht am Ende unserer Digitalisierungsoffensive für die Bestattungsbranche. Wir können aber bei dem Thema Tod nur Schritt für Schritt vorgehen, weil mit dem Kulturwandel eine Auflösung des Tabus verbunden ist.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Mymoria

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