Diese Branchenlösungen lassen sich mobil abbilden

„BI ist eher schwierig“

Im Interview erklärt Herbert Feuchtinger, Vice President Consulting & Support von IFS Europe Central, welche betriebswirtschaftlichen Lösungen sich am besten mobil abbilden lassen und warum hier BI weniger geeignet ist.

Herbert Feuchtinger, IFS

„Grundsätzlich gibt es vermutlich kein absolut perfektes mobiles Device auf dem Markt, das allen Wünschen und Anforderungen des Unternehmenseinsatzes gerecht wird“, meint Herbert Feuchtinger von IFS.

Herr Feuchtinger, welche Unternehmensprozesse müssen Ihrer Ansicht nach heutzutage mobil abgebildet werden können?
Herbert Feuchtinger:
Das sind natürlich zuallererst Prozesse, für die Mobilität von Haus aus von geschäftskritischer Bedeutung ist, etwa Prozesse im Service, in der Instandhaltung oder im Lager. Hier ist das Thema „Mobility“ nicht wirklich neu, denn es kommen bereits seit vielen Jahren Geräte wie Handhelds, PDAs oder Notebooks zum Einsatz. Mit Smartphones und Tablets stehen aber nun neue Technologien mit ganz ureigenen Stärken zur Verfügung. Zusätzlich können mobile Apps für einfachere, alltägliche Aufgaben wie Reisekosten- oder Zeiterfassung mobilen Mitarbeitern das Leben erleichtern und sie dabei unterstützen, Wartezeiten, etwa am Flughafen oder im Zug, sinnvoll zu nutzen. Grundsätzlich sollte es aber jeder Rolle im Unternehmen möglich sein, sich jederzeit mobil einen Überblick über die aktuelle Situation zu verschaffen.

BI, ERP, CRM, DMS & Co.: Welche Lösungen sind demnach in mobiler Variante besonders gefragt?
Feuchtinger:
Dazu gehört auf jeden Fall das CRM-System, da dies den Außendienst- und anderen Mitarbeitern im Vertriebsfall bereits am längsten mobil zur Verfügung steht. Aber auch Business-Software-Lösungen wie ERP-Systeme gehören dazu, da sie das Herzstück der betrieblichen Anwendungslandschaft bilden und die Kernprozesse eines Unternehmens integriert unterstützen. Mit entsprechenden Dashboards können sie dem Management außerdem immer den aktuellen „Pegelstand“ liefern. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Thema „Service-Management“, denn ein professioneller Service ist die beste Visitenkarte eines Unternehmens. Mobile BI ist eher schwierig, da die Darstellung auf einem Smartphone nur suboptimal möglich ist.

Was sind generell noch häufige Stolpersteine bei der Einführung mobiler Lösungen im Unternehmen?
Feuchtinger:
Die Gestaltung des Einführungsprozesses ist von zentraler Bedeutung für die spätere erfolgreiche Nutzung mobiler Lösungen. Ein ganz entscheidender Aspekt ist dabei die Nutzerakzeptanz. Ist sie gering, werden die Mitarbeiter ihre etablierten Verhaltensweisen beibehalten. Deshalb müssen sie von Anfang an so involviert werden, dass sie selbst ihre individuellen Vorteile identifizieren können und damit positiv gegenüber der mobilen Anwendung eingestellt sind. Ein weiterer Stolperstein sind Integrationsprobleme, wenn Nutzer einen mobilen Zugang zu einer steigenden Anzahl von Backend-Systemen und Datenablagen fordern. Gegebenenfalls ist auch eine Erweiterung und Neustrukturierung von Workflows erforderlich, um Daten aus Apps und anderen mobilen Anwendungen zu integrieren.

Welche Prozesse müssen nicht unbedingt mobil abgebildet werden können und warum?
Feuchtinger:
Eine generelle Antwort ist hier schwierig. Das hängt stark von der Branche ab. Bei Maschinenbauern beispielsweise arbeiten Projektingenieure oft im Haus; bei Anlagenbauern und in der Baubranche kommt es dagegen häufig vor, dass sie auf den Baustellen vor Ort den Baufortschritt überwachen. Aber auch innerhalb einer Branche gibt es Unterschiede, je nachdem, wie das konkrete Geschäft eines Unternehmens aussieht.

Welche mobilen Endgeräte machen hier im Unternehmenseinsatz am meisten Sinn? Wovon ist dies abhängig?
Feuchtinger:
Welche Devices für ein Unternehmen bzw. seine Anwender die richtigen sind, zählt zu den wichtigsten Fragen bei der Entwicklung einer mobilen Strategie. Die Anforderungen an die Geräte und ihre Betriebssysteme ergeben sich aus ihrem Nutzungskontext. Wo, wie und zu welchem Zweck sollen sie verwendet werden? Erst wenn das genau ermittelt ist, kann die Geräteauswahl getroffen werden. Grundsätzlich gibt es aber vermutlich kein absolut perfektes mobiles Device auf dem Markt, das allen Wünschen und Anforderungen des Unternehmenseinsatzes gerecht wird.

Welche Rolle spielen an dieser Stelle „Rugged Devices“? Welche Eigenschaften müssen jene Geräte mit sich bringen?
Feuchtinger:
Das hängt natürlich stark von den konkreten Anforderungen ab. Grundsätzlich gibt es viele Rugged-Android-Geräte auf dem Markt, bei iOS ist das eher nicht der Fall. Das heißt aber nicht, dass iOS-Geräte per se nicht für den Einsatz in raueren Umgebungen geeignet sind. Sowohl Android- als auch iOS-Geräte lassen sich außerdem mit Hüllen versehen. Wenn jedoch bestimmte Zertifizierungen gefordert sind, kann die Auswahl eines Geräts, das bereits von Haus aus „rugged“ ist, sinnvoll sein.

Was hält das eine oder andere Unternehmen noch davon ab, auf mobile Anwendungen und entsprechende Endgeräte zu vertrauen?
Feuchtinger:
Wenn Mitarbeiter gleichzeitig mobil und stationär arbeiten wollen, bekommen sie es heute häufig noch mit zwei unterschiedlichen Benutzeroberflächen zu tun. Das könnte einen erhöhten Schulungsaufwand bedeuten, was manche Unternehmen abschreckt. Die nötigen Investitionen und Sicherheitsbedenken spielen ebenfalls häufig eine Rolle, wenn Unternehmen zögern.

Welche Rolle spielen hier die Themen „Datensicherheit“ und „Kontrollverlust“?
Feuchtinger:
Die Sicherheit der Geräte ist selbstverständlich eines der wichtigsten Entscheidungskriterien für Unternehmen. Durch unsichere Devices könnten sensible Daten an Dritte gelangen, was für ein Unternehmen sehr verhängnisvoll werden kann. Für Sicherheit können vom Betriebssystem bereitgestellte Schutzmechanismen wie Virenscanner und Verschlüsselungsmechanismen sorgen; aber auch ein Mobile Device Management (MDM), also ein zentralisiertes Verwaltungssystem, das Updates erzwingt oder Passwortvorgaben macht, hat Einfluss auf die Sicherheit der Geräte.

Rund um die Uhr verfügbar sein: Inwieweit kann dies negative Auswirkungen auf einen Mitarbeiter haben?
Feuchtinger:
Die permanente Erreichbarkeit über Smartphone und Tablet ist einer von mehreren Gründen dafür, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmen. Das hat zur Folge, dass für Arbeitnehmer die Freizeit schwerer planbar ist. Studien zeigen, dass das sogar gesundheitliche Schäden verursachen kann. Mit den neuen technischen Möglichkeiten sind aber auch durchaus positive Auswirkungen verbunden. Die Beschäftigen begrüßen vor allem die Flexibilitäts- und Mobilitätsgewinne. Die lassen sich aber nur nutzen, wenn die Mitarbeiter – zumindest teilweise – über eigene Spielräume bei der Ausgestaltung verfügen.

Wie gehen die Unternehmen tatsächlich mit der „ständigen Verfügbarkeit“ um?
Feuchtinger:
Ein gutes Arbeitsklima ist für den Unternehmenserfolg nach wir vor wichtig. Nur dann gehen die Menschen mit Freude zur Arbeit, was sich positiv auf das Betriebsergebnis auswirkt. Daher ist es für kein Unternehmen ausreichend, den Mitarbeitern nur die modernen technischen Möglichkeiten zu bieten. Stattdessen müssen organisatorische Regelungen getroffen werden, die das veränderte Arbeitsumfeld berücksichtigen. Nur so wird es Unternehmen gelingen, die richtigen Mitarbeiter mit den richtigen Kompetenzen zu gewinnen und auch zu halten.

Was sind hier gute Kompromisse?
Feuchtinger:
Helfen können transparente und verbindliche Regeln für Zeiten der Erreichbarkeit und Nicht-Erreichbarkeit sowie zu Reaktionszeiten. Arbeitnehmer sollten zudem einen vernünftigen Umgang mit den neuen Techniken entwickeln. Ihnen sollte bewusst sein, dass das bloße Vorhandensein der technischen Möglichkeit nicht automatisch bedeutet, dass auf jeden Anruf oder jede eingehende E-Mail sofort reagiert werden muss.

Bildquelle: IFS

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