Mobile Payment: Interview mit Olaf Taupitz, Cashcloud

Bis 2020 Bargeld abschaffen

Im Interview erklärt Olaf Taupitz, Geschäftsführer von Cashcloud, welche Bedingungen eine mobile Bezahllösung erfüllen muss und warum bis 2020 das Bargeld schon abgeschafft sein könnte.

Olaf Taupitz, Cashcloud

Herr Taupitz, mobile Bezahlmethoden – egal welcher Art – konnten sich bisher beim Verbraucher nicht durchsetzen. Seit Apple seinen Bezahldienst Apple Pay vorgestellt hat, wird dem Mobile Payment nun der sichere Durchbruch vorhergesagt. Wie nehmen Sie Apples Marktmacht (-position) in diesem Zusammenhang wahr?
Olaf Taupitz:
Zunächst ist es erfreulich, dass Apple in den USA einen eigenen Mobile Payment Dienst eingeführt hat. Auch wenn dieser auf Basis der großen Kreditkarten-Netzwerke beruht.
Damit wurde unsere strategische Entscheidung, auf NFC zu setzen, bestätigt. Für Europa ist dieser Service jedoch wahrscheinlich nicht vor 2016 verfügbar. Auch müssen in Europa die Themen SEPA Direct Debit und allgemeine Durchdringung von Kreditkarten und Zahlterminals im Handel zunächst Wachstum erfahren.
 
Apple greift mit seiner Lösung auf NFC-Technologie zurück, genau wie viele andere Anbieter bei vorhandenen Lösungen auch. Warum wird dennoch so viel über Apples Verfahren gesprochen?
Taupitz:
Apple wird allgemein mit Innovation gleichgesetzt. In diesem Fall handelt es sich aber eher um eine Innovation im US-Markt. In Europa ist diese Technologie schon im Einsatz. Ähnlich wie in den späten 90ern beim Thema GSM im Mobilfunk, ist Europa auch Vorreiter bei der Initiierung von komplexen Technologien. Die US-Unternehmen schaffen es jedoch häufig, diese besser zu vermarkten.
 
Derzeit versuchen sich auch andere große Internet-/Mobilfunkunternehmen – u.a. Paypal, Payback und Amazon – an einer Lösung für das bargeldlose Bezahlen. Wird Apple Pay also unnötig gehypt?
Taupitz:
Ja, es wird einen Wettbewerb geben, bei dem mehrere Unternehmen eine wichtige Rolle einnehmen wollen und auch können. Am Ende soll und muss der Konsument entscheiden, welche Lösung ihm zusagt, welche bequem ist und Sicherheit bietet.
 
Sehen Sie die Gefahr, dass die konkurrierenden Technologien (QR-Code oder Bluetooth Low Energie) durch Apples Entscheidung auf NFC zu setzen ins Abseits geraten?
Taupitz:
Absolut! Die beiden Konzepte QR und BLE stehen vor dem Aus.

Welche Kriterien müssen Bezahlverfahren generell erfüllen, um die kritische Masse an Konsumenten sowie Händlern bzw. anderen Akzeptanzstellen zu überzeugen?
Taupitz:
Zunächst müssen sie einfach sein, dann sicher und sie dürfen die Konsumenten für Basisleistungen nichts kosten. Sie müssen unabhängig von einer Bank oder von einem Mobilfunk-Anbieter (z.B. durch eine feste SIM-Karte) nutzbar sein. „Mein Portemonnaie“ muss ich überall benutzen können, sonst kann Mobile Payment mit dem Smartphone nicht das Bargeld ersetzen. Plastikkarten sind definitiv digitalisierbar, diese müssen möglichst umfassend als digitale Variante angeboten werden. Damit können auch die s.g. Loyalty Systeme genutzt werden.
 
Welches Bezahlverfahren hat aus Ihrer Sicht die größte Chance vom Verbraucher akzeptiert und angewandt zu werden? Sind mehrere Standard-Lösungen auf dem Markt denkbar?
Taupitz:
Das kommt auf den lokalen Markt an: In Deutschland wird es ohne die Girocard (in digitaler Form) schwierig sein. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Produkt mittelfristig abgelöst wird, wenn die deutschen Banken weiterhin das Thema mobiles Bezahlen vernachlässigen. Der moderne Bankkunde und die heranwachsende Generation suchen sich ihre Produkte und warten nicht. Derzeit ist absehbar, dass Mastercard und Visa, teils auch Amex, sich in diesem Markt intensiv etablieren werden.
 
Woran werden voraussichtlich viele der heute am Markt befindlichen kleinen Anbieter scheitern?
Taupitz:
An den finanziellen Mitteln. Es ist noch ein langer, steiniger Weg. Auch können bzw. sollten kleinere Unternehmen nicht in Infrastruktur investieren. Deswegen sind Standards so wichtig, um Wettbewerb auch von guten, innovativen Lösungen zu bekommen.
 
Welche Auswirkungen haben mobile Bezahllösungen auf Banken- und Kreditkartenunternehmen? Inwiefern wird sich die Situation in den kommenden Jahren ändern?
Taupitz:
Zum Januar 2015 werden die s.g. Interchange Fees in Europa drastisch gesenkt. Damit werden Kreditkartenzahlungen günstiger für den Handel, günstiger als Bargeld zu bewegen. Das ist ein gutes politisches Zeichen. Der Handel verliert die Scheu, weitere Zahlungsmethoden zu akzeptieren, wird sie sogar forcieren. Wie bereits erwähnt, kann das auch dazu führen, dass die Girocard und auch andere lokale, nicht globale Produkte, ihre Bedeutung verlieren. Für die Banken bedeutet es: Mehr Anstrengungen bei weniger Marge. Hier und da mag es deswegen zum Ausstieg einiger Banken bei der Herausgabe von Kreditkarten kommen oder zu Preiserhöhungen.  
 
Haben Sie persönlich Erfahrung mit mobilen Bezahldiensten gemacht? Was spricht aus Ihrer Sicht dafür, was dagegen?
Taupitz:
Wir brauchen eine flächendeckende Infrastruktur mit NFC-fähigen Terminals, dann macht mobiles Bezahlen richtig Freude. Die Kombination mit Einkaufsvorteilen (Coupons, Cashback) erhöht die Lust aufs Einkaufen und Bezahlen mit dem Mobiltelefon. Zumindest in einigen Ländern wie z.B. Großbritannien, Polen oder der Schweiz bezahle ich nur noch kontaktlos mit meinem Cashcloud NFC-Sticker und der App. Ich benötige dort schon kein Bargeld oder Karten mehr. Und wenn ein Geschäft diese Zahlmethode nicht anbietet, entscheide ich im Zweifel als Konsument, dort nicht einzukaufen.
 
Ein Blick in die Zukunft: Wie hoch wird der Anteil mobiler Zahlungen 2020 in Deutschland sein?
Taupitz:
Ich stelle mal eine gewagte Prognose auf: Da uns die Technologie bereits seit einigen Jahren geradezu überrumpelt und bis 2020 noch sechs Jahre Zeit sind, gehe ich davon aus, dass bis dahin 90 Prozent aller Zahlungen im stationären Handel mit Karten und digitalen Applikationen abgewickelt werden. Ein erheblicher Anteil davon wird dann mit dem Mobiltelefon oder anderen mobilen Geräten erledigt werden (z.B. Uhren, Armbänder). Aber auch Plastikkarten werden wir noch zuhauf in den Brieftaschen (insbesondere der älteren Generation) anfinden. Vielleicht wird auch die Politik anregen, das Bargeld einfach abzuschaffen.
 
 

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