Smarte Uhren am Handgelenk

Bisher kein Durchbruch für Smartwatches

Im Interview erklärt Alexander Perederi, Product Marketing Manager bei LG Electronics, warum Smartwaches den Durchbruch im Mainstream noch nicht geschafft haben, doch welchen Nutzen sie bereits im Geschäftsbereich bringen.

Alexander Perederi, LG

„Ich trage meine Smartwatch nahezu ständig – den zusätzlichen Komfort möchte ich nicht mehr missen“, betont Alexander Perederi von LG Electronics.

Herr Perederi, welche Rolle spielen Smartwatches anno 2016 in Deutschland?
Alexander Perederi:
Smartwaches haben den Durchbruch in den Mainstream noch nicht geschafft. Die meisten Menschen haben noch eine unzureichende Vorstellung vom Nutzen und den Vorteilen der Geräte. Allerdings können wir beobachten, dass die Wahrnehmung über den Nutzen einer Smartwatch sich bei nahezu allen Menschen ändert, die die Geräte tatsächlich selbst ausprobiert haben – hier sprechen wir nicht vom Anfassen am POS, sondern einer tatsächlichen Nutzung für mindestens einen Tag. Meistens wollen die Personen in diesen Fällen auf die Smartwatch gar nicht mehr verzichten.

Inwieweit kommen Smartwatches im Geschäftsalltag zum Einsatz?
Perederi:
Für den Geschäftsalltag spielen Smartwatches vor allem als Erweiterung des Smartphones eine Rolle. So kann man z.B. in einer Besprechung diskret kontrollieren, ob eine wichtige E-Mail endlich eingetroffen ist oder ob man einen relevanten Anruf verpasst hat. Auch Kalender- und Erinnerungsfunktionen bieten eine praktische Unterstützung im Geschäftsalltag. Einige Unternehmen nutzen Smartwatches konkret im Geschäftsalltag im Tandem mit speziell entwickelten Apps, um z.B. einem Mitarbeiter Status-Updates zu geben, ohne seinen Workflow zu unterbrechen, denn der Griff in die Tasche zum Smartphone entfällt.

Was macht eine gute Smartwatch konkret aus?
Perederi:
Eine gute Smartwatch sollte robust sein und zuverlässig funktionieren. Auch darf die Batterielaufzeit nicht zu gering ausfallen und die Smartwatch muss einfach und logisch zu bedienen sein. Wenn eine Smartwatch auch unabhängig vom Smartphone funktioniert, steigert das ihren Nutzwert zusätzlich.

Welche Funktionen sind bei den Nutzern besonders gefragt?
Perederi:
Für Endkunden ist insbesondere das Design ein zentrales Kaufentscheidungselement. Kunden bevorzugen in erster Linie Smartwatches, die wie eine echte, hochwertige Uhr aussehen.

Was kritisieren Nutzer noch häufig an den smarten Uhren?
Perederi:
Der Mainstream nimmt den Komfortvorteil einer Smartwatch noch nicht vollständig wahr. Stattdessen richtet sich der Blick auf vermeintliche „Nachteile“ wie z.B., dass man damit ein (zusätzliches) Gerät hat, was man aufladen muss. Auf den ersten Blick erscheint den meisten Menschen eine Smartwatch daher als wenig sinnvoll, schließlich sei das Smartphone ja in fünf Sekunden griffbereit. Für diesen, im ersten Moment, vermeintlich geringen Nutzen sind die Meisten deshalb nicht bereit, über 100 Euro zu bezahlen. Dies ist eine typische Reaktion bei vielen Innovationen, man denke nur an die Anfänge des Tablets. Vor nicht allzu langer Zeit hielten sehr viele Menschen diese Geräte auch für unnütz, insbesondere zuhause, da man ja einen Computer und Fernseher hätte und das völlig ausreichen würde. Inzwischen gibt es mindestens ein Tablet in jedem Haushalt.

Wo sehen Sie persönlich noch Verbesserungsbedarf?
Perederi:
In erster Linie ist hier die Akkulaufzeit zu nennen. Unsere aktuellen Modelle halten bei normaler Nutzung bis zu zwei Tage ohne Aufladen durch. Dies ist schon ein sehr guter Wert. Doch es gilt, die Laufzeiten weiter zu optimieren, denn mit jedem zusätzlichen Tag ohne Aufladen steigt der wahrgenommene Nutzen. Langfristiges Ziel ist es, irgendwann einen Wert von einer Woche zu erreichen. Dafür arbeiten wir schon seit Jahren mit unserem Schwesterunternehmen LG Chem zusammen und experimentieren u.a. mit neuartigen Akkudesigns, z.B. Akkus in Kabelform. So könnte man in der Zukunft das Armband einer Smartwatch als Zusatzakku einsetzen und so die Akkulaufzeit erhöhen, ohne dass man das Design der Smartwatch zugunsten eines größeren (und dickeren) Akkus opfern müsste.

Wie ist es um die Sicherheit von Smartwatches bestellt?
Perederi:
Die Sicherheit stellt grundsätzlich kein zusätzliches Problem bei der Nutzung einer Smartwatch dar. Die verwendeten Verbindungstechnologien sind bereits auf anderen Geräten im Einsatz und nicht weniger sicher als beispielsweise bei Verwendung des Smartphones. Und eine Smartwatch trägt man in der Regel am Handgelenk. Sie bleibt also nicht so schnell liegen und lässt sich nicht so einfach stehlen wie beispielsweise ein Smartphone.

Tragen Sie persönlich auch eine Smartwatch? Wenn ja, jederzeit bzw. zu welchen Gelegenheiten?
Perederi:
Ich trage meine Smartwatch nahezu ständig – den zusätzlichen Komfort möchte ich nicht mehr missen. Eher weniger trage ich tatsächlich das Smartphone mit mir herum. Seitdem ich die LG Watch Urbane 2nd Edition nutze und auch ohne Smartphone erreichbar bin, gehe ich schon mal des Öfteren ohne Smartphone aus dem Haus, z.B. zum Einkaufen.

Bildquelle: LG

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