I need a break

Bleibt mir vom Leib mit eurer Reklame

Es reicht! Sperrt die Türen auf der dmexco zu, damit ich endlich meine Werbilepsie auskurieren kann.

Als Reklame noch stumm und unbewegt war

Fußballstadien heißen wie Versicherungen, Android heißt jetzt Kitkat und der Dienstag wird vielleicht bald in Nokia-Tag umbenannt. Werbung (oder wie meine Eltern noch wussten: Reklame) nervt mit ihrem Bling-Bling inzwischen überall.

Im RSS-Reader habe ich etwa ein vierteltausend Quellen und es werden immer mehr, die nach einem Klick auf den Header erst mal Reklame anzeigen. In meinem Facebook-Stream bekomme ich dauernd Reklame für irgendeinen Kram angezeigt, der mich nicht interessiert und den Stream immer nutzloser macht.

Anlässlich der Werbeblocker-Diskussion letztens habe ich mal den Vergleichstest gemacht und es eine Zeitlang ohne Adblocker versucht. Erkenntnis: Es geht nicht. Reklame über dem Text, Reklame neben dem Text, Reklame unter dem Text, Reklame mitten im Text.

Leute, ich will das Zeug da lesen, aber ihr verhindert das damit.

Mein Protipp an die Designer von maximal penetranter Reklame: Pinselt eure Schriften in Magenta an und den Hintergrund in Cyan, dann installiert auch Oma Krawuttke einen Werbeblocker. Unaufdringliche Banner ohne Sound, Animation und anderes Gedöns wären ja eine Lösung, es nutzt nur kaum jemand diese nervenschonende Technologie.

Denn das wirklich Groteske an dieser Situation ist: Netzmedien haben kaum eine andere Wahl. Wer sich durch Werbung finanzieret, bekommt das meiste Geld für genau diese Nervreklame: Eine browser-füllende Anzeige hinter, über und neben der Startseite? Bringt mehr als ein prominent platziertes Standbild ohne optisches Gedöhns.

Statt dessen muss ganz zwangsläufig der Reklameholzhammer eingesetzt werden, bis die Betrachter mit Werbilepsie zu Boden gehen. Und wenn die Anwender nicht mehr wollen, wird eben getrickst. So blenden manche Webangebote inzwischen ihre Texte aus, wenn man sie in einem Browser-Tab zwischenlagert und längere Zeit nicht beachtet. Statt dessen sieht man? Richtig, Reklame.

Solche Tricks werden traditionell auf der dmexco in Köln als Best Practice (“Die 11 erfolgreichsten Wege in das Kleinhirn und an die Geldbörse des Users”) abgefeiert. Ruhe verschafft uns da wohl nur das Absperren der Messetore, um die Reklamefuzzis, Marketer und Geldvermehrer vom Rest der Welt fernzuhalten.

Diese Vorstellung erleichtert ungemein ...

Aber jetzt mal Schluss mit den Fantasien und ein ernst gemeinter Vorschlag: Warum überlegen sich die Profis auf der dmexco nicht mal einen seriösen Standard für nutzerfreundliche Werbung?

Warum verzichten nicht alle Beteiligten in einer Qualitätsoffensive auf audiovisuellen Krawall? Und machen dann saugute Werbung mit Witz und Verstand, auf die tatsächlich Leute klicken - freiwillig, weil sie cool und hip ist?

Bildquelle: Dieter Schütz / pixelio.de

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok