Kommentar

Bonpflicht greift Umwelt an

Zum 1. Januar 2020 ist in Deutschland die Kassensicherungsverordnung, kurz KassenSichV, in Kraft getreten. Diese umfasst drei wesentliche Punkte: die Pflicht zur Sicherheitseinrichtung, die Kassenmeldepflicht sowie die Belegausgabepflicht. Gerade letztere wird – mit Blick auf die ebenfalls aktuellen Klimadiskussionen – stark kritisiert.

Baum vor Abendhimmel

Die Bonpflicht soll Steuersündern Einhalt gebieten – doch wie wirkt sie sich auf die Umwelt aus?

Grundsätzlich soll die Gesetzesverschärfung mögliche Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen erschweren und damit dem Steuerbetrug einen Riegel vorschieben. Zentraler Baustein zur Umsetzung des Gesetzesentwurfs ist hierbei die Einführung einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE). Ferner muss jede verwendete Kasse mit TSE-Modul beim zuständigen Finanzamt gemeldet werden. Doch das größte Ärgernis scheint die sogenannte „Bonpflicht“ zu sein. Sie besagt, dass Händler ihren Kunden in jedem Fall einen Beleg zur Verfügung stellen müssen – unabhängig davon, ob diese überhaupt einen Bon möchten. 

Es ist nur schwer nachvollziehbar, dass in Zeiten der Digitalisierung und Klimadiskussionen ein Gesetz erlassen wird, das die Umwelt scheinbar eher be- als entlastet. Denn Bons werden in der Regel auf giftigem Thermopapier gedruckt, das bekanntlich nicht in die Altpapiertonne gehört. Allerdings sei an dieser Stelle vermerkt, dass die Belegausgabepflicht bewusst technologie-neutral ausgestaltet wurde, d.h. die Quittung kann klassisch auf Papier, aber auch digital per E-Mail oder direkt aufs Smartphone ausgegeben werden. Will sich der Gesetzgeber damit aus der Affäre eines möglichen Papierchaos ziehen?

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 01-02/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo. 

Es ist fraglich, ob das gelingt, denn wie viele Menschen haben heute tatsächlich schon entsprechende Applikationen auf ihrem Handy, um Quittungen z.B. von ihrem Bäcker digital in Empfang nehmen zu können? Immerhin nehmen derzeit viele Unternehmen das „Kassengesetz 2020“ zum Anlass, um sinnvolle digitale Lösungen zu kreieren, die mögliche Kassenzettelberge begrenzen oder gar beseitigen sollen.

Bildquelle: Getty Images/iStock

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