5G-Ausbau in Deutschland

„Breitband für Millionen statt digitaler Spaltung“

Im Interview beleuchtet Alexander Lautz, Senior Vice President 5G bei der Deutschen Telekom, inwieweit die 5G-Kommerzialisierung in Deutschland anno 2019 tatsächlich vorangeschritten ist und wie konkrete Anwendungsszenarien aussehen.

Alexander Lautz, Senior Vice President 5G bei der Deutschen Telekom

„Wir wollen den Menschen in Deutschland die digitale Teilhabe ermöglichen – in den Städten und auf dem Land“, so Alexander Lautz von der Deutschen Telekom.

Herr Lautz, der Markt wird von zahlreichen IT-Trends beherrscht: Welchen Stellenwert besitzt hier 5G?
Alexander Lautz:
5G ist die Antwort auf ansteigenden Datenverkehr und schafft die Grundlage für neue Kundenerlebnisse und die Vernetzung von Geräten sowie von Maschinen in der Industrie. Außerdem unterstützt die Technik die Digitalisierung vieler Lebensbereiche. In Zukunft wird die Vernetzung von Maschinen, das Internet der Dinge, erheblich an Bedeutung gewinnen. Wir wollen die leistungsfähigste Digitalinfrastruktur für die Digitalisierung Deutschlands aufbauen. 5G ist dafür eine zentrale Zukunftstechnologie.

Inwieweit ist die 5G-Kommerzialisierung in Deutschland anno 2019 tatsächlich vorangeschritten – in Hinblick auf Netzwerkausbau und Bereitstellung 5G-fähiger mobiler Endgeräte?
Lautz:
Unsere Netze sind bereit für 5G und die ersten 5G-fähigen Geräte werden von den Herstellern präsentiert. Auch der weitere Ausbau mit LTE/LTE Advanced ist als Ausbau von 5G zu sehen. Denn LTE/4G ist die Basis für 5G und wird integraler Bestandteil von 5G bleiben. Unser LTE-Netz wird in diesem Jahr weiter verdichtet und die Kapazität erweitert. Aktuell bauen wir die Anzahl unserer Mobilfunkbasisstationen von heute 29.500 auf 36.000 im Jahr 2021 aus. Wir werden 2019 rund 1.800 neue Mobilfunkstandorte bauen und planen, darüber hinaus den Bau von zusätzlichen kleineren Funkzellen zur besseren Versorgung an Stellen mit besonders starker Nachfrage oder in Gebäuden.

Das Glasfasernetz gehört dabei zu den wichtigsten Grundlagen für 5G. Mit 500.000 km Länge haben wir heute bereits das größte Glasfasernetz in Deutschland und planen in diesem Jahr 60.000 weitere Kilometer. Übrigens: Technologisch hat die Telekom 5G bereits gestartet und erste Standorte ausgebaut. Die ersten Antennen in Europa senden seit Mai 2018 unter realen Bedingungen in unserem Netz in der Berliner City. Sie sind der Grundstein für ein kommerzielles 5G-Netz in Deutschland. Die Antennen senden auf einer Testfrequenz, die die Bundesnetzagentur zur Verfügung gestellt hat. Seit Februar gibt es auch in Darmstadt ein Testnetz. Ein Testfeld für industrielle Anwendungen von 5G gibt es bereits im Hamburger Hafen. Weitere Testfelder in weiteren Städten folgen.

Wer oder was sind die Haupttreiber des 5G-Themas?
Lautz:
Besonders die Industrie und auch die Logistikbranche werden von 5G als starkem Hebel für eine Vielzahl von Anwendungen profitieren. Vernetztes Fahren ist beispielsweise ein interessanter Anwendungsfall, da 5G mehr Intelligenz in autonom fahrende Autos bringt. Daneben ist das Internet der Dinge (IoT) einer der größten Digitalisierungstreiber und in fast allen Branchen angekommen.

Worin sehen Sie die Vorteile und Möglichkeiten von 5G? Wie sehen konkrete Anwendungsszenarien aus?
Lautz:
Durch 5G wird sich unser Netz stärker den Bedürfnissen der Kunden anpassen können. Es wird extrem hohe Datenraten ermöglichen, mit denen man z.B. hochauflösende Filme in Sekundenschnelle laden kann. Was aber für die Industrie noch viel wichtiger ist, sind die geringen Latenzzeiten. Also die Reaktion des Netzes quasi in Echtzeit. Das sind Eigenschaften, die für künftige Schlüsseltechnologien nötig sind – etwa das autonome Fahren, virtuelle Realität und Industrie 4.0. Die extrem niedrige Reaktionszeit des Netzes wird eine der herausragenden 5G-Eigenschaften.

Stellt 5G wirklich ein „Wundermittel“ für IoT-Konnektivität dar oder ist dies nur eine Utopie?
Lautz:
Bei 5G wird es eine Vielzahl von Netzen und Netzteilen geben, die parallel unterschiedlichste Funktionen bedienen. Auch für das Internet der Dinge werden besondere Eigenschaften benötigt. So müssen beispielsweise Sensoren selbst unter schlechten Empfangsbedingungen verlässlich über viele Jahre hinweg funktionieren. Durch seine besonderen Eigenschaften ist das sogenannte Narrowband-IoT (NB-IoT) ein wichtiger Wegbereiter für das Internet der Dinge.

Wer oder was sind wiederum die Bremsfaktoren – und warum?
Lautz:
Die vergebenen 5G-Frequenzen haben eine geringe Reichweite. Die Telekom benötigt daher zukünftig mehr Antennenstandorte, damit die Daten auch an stark frequentierten Orten superschnell und mit guter Qualität fließen. Vereinfachte und beschleunigte Genehmigungsverfahren für den Aufbau von 5G-Antennen würden die schnelle Einführung unterstützen.

Stichwort „Sicherheit“: Welche Risiken birgt 5G? Wie groß ist etwa die Angriffsfläche der 5G-Netzwerke für Cyberkriminelle?
Lautz:
Hier muss man unterscheiden zwischen dem 5G-Ökosystem und der Mobilfunkkomponente der 5. Generation 5G-NR. 5G ermöglicht den parallelen Betrieb von Geschäftsmodellen mit unterschiedlichen technischen Bedürfnissen auf ein und derselben Infrastrukturplattform. Abhängig vom Dienst/Geschäftsmodell werden unterschiedliche Bestandteile dieser Infrastruktur genutzt. Diese Frage nach Sicherheit muss man daher für jeden dieser Dienste separat klären. Mit der größeren Angriffsfläche durch viele neue Dienste steigt zugleich sicherlich auch die Komplexität für den Angreifer. 5G-NR setzt auf 4G auf, daher gelten die Betriebs- und Sicherheitsmerkmale der 4. Generation auch, wenn zur Datenübertragung 5G-Technik verwendet wird.

Wie sollten grundsätzlich die nächsten Schritte aussehen, um 5G in Deutschland voranzubringen?
Lautz:
Für die schnelle und erfolgreiche Einführung von 5G haben wir ein Acht-Punkte-Programm vorgelegt. Darin bietet der Konzern u.a. eine 5G-Abdeckung für 99 Prozent der Bevölkerung bis zum Jahr 2025 an. Die für 5G nötige Infrastruktur wollen wir beispielsweise gemeinsam mit anderen Netzbetreibern nutzen – insbesondere auf dem Land. Daher öffnen wir unser Glasfasernetz für andere Anbieter. Alle unsere Mobilfunkmasten im ländlichen Bereich und entlang der Verkehrswege bieten wir unseren Wettbewerbern zur Mitnutzung an. Das wünschen wir uns auch von den anderen Netzbetreibern.

Wir wollen die leistungsfähigste Digitalinfrastruktur für Deutschland. Dieses Ziel wollen wir gemeinsam mit der Politik und den investitionswilligen Unternehmen verwirklichen. Wir wollen die Digitalisierung in Deutschland voranbringen: gemeinsam mit der öffentlichen Hand, indem wir die Verwaltung digitalisieren, gemeinsam mit der Industrie, indem wir den Standort Deutschland zukunftsfähig machen. Wir wollen den Menschen in Deutschland die digitale Teilhabe ermöglichen – in den Städten und auf dem Land. Breitband für Millionen statt digitaler Spaltung. Denn wir sind erst zufrieden, wenn alle dabei sein können.

Bildquelle: Deutsche Telekom

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