Strategie eines Nachzüglers

Bring Your Own Blackberry

Der neue Blackberry mischt private und berufliche Anwendungen. Er positioniert sich als das definitive BYO-Device und hat von der Konkurrenz gelernt.

Der Hoffnungsträger: BlackBerry Z10

Neuer Name, neues Glück? The Company formerly known as RIM heißt jetzt Opens external link in new windowBlackberry - wie sie von vielen immer schon genannt wurde. Dieser Namenswechsel steht für einen Neuanfang des Smartphone-Vorreiters, der in den letzten Jahren den Anschluss an die aktuelle Entwicklung verloren hat.

Vor gut einem Jahr hat Thorsten Heins den strauchelnden Konzern als CEO übernommen. Kein beneidenswerter Job, denn das Unternehmen stürzte in jeder Hinsicht ab - Aktienkurs, Verkaufszahlen, Umsätze, Gewinne. Bereits damals war das neue System Blackberry 10 in Entwicklung.

Nach einer kurzen Bestandsaufnahme traf Heins eine radikale, aber zweischneidige Entscheidung: Das Veröffentlichungsdatum wird soweit hinausgeschoben, bis das System in Sachen Funktionsumfang und Benutzerfreundlichkeit auf dem Markt bestehen kann - auf Anfang 2013. Angesichts der schräg nach unten zeigende Pfeile in allen Charts eine Maßnahme mit einem enormen Risiko.

Doch Blackberry hat seine Chance als Verfolger genutzt. Das Unternehmen veringert seine Produktreihen und verzichtet auf die bisher bekannten Namen. Neu auf dem Markt sind zwei Geräte. Der Touch-Blackberry Z10 hat ein 4,2-Zoll-Display und ist das eigentliche Flaggschiff. Der Q10 ist ein klassischer Blackberry mit Tastatur und soll wohl vor allem die Fans der alten Modelle begeistern.

Die beiden Geräte halten locker bei der Konkurrenz mit, gehören aber nicht unbedingt zur Avantgarde. Die eigentliche Innovation ist das neue Betriebssystem. Es bietet etliche Verbesserungen, die es in der Handhabung deutlich von der Konkurrenz abheben. So können die Nutzer zum Beispiel eine auf dem Display sichtbare Anwendung einfach beiseite schieben, um schnell mal die Mail zu kontrollieren.

Auch die Eingabe von Texten auf dem Touchscreen glänzt durch interessante Funktionen wie einem aufwändigen Touchkeyboard und einer verbesserten Wortergänzung, die irrtümliche Übernahmen verhindert - die größte Krankheit von iOS. Zahlreiche weitere Funktionen werden viele Freunde finden unter Businessanwendern und Privatleuten - die meisten Menschen sind ja beides.

So ist der der Messenger überarbeitet worden, die Kamera-Software besitzt interessante Bearbeitungsfunktionen, es gibt einen Videochat und es gibt natürlich auch Spiele. Daneben gibt es eine Reihe von neu entwickelten und komfortablen Systembestandteilen wie den Blackberry-Hub. Dahinter verbirgt sich eine Zentralanwendung für E-Mail, SMS, Twitter, Facebook, verpasste Anrufe und so weiter.

Mit dem Hub gibt es eine einheitliche Oberfläche für alle nur denkbaren Kommunikationsfunktionen, die sich dadurch alle wiePushmail anfühlen. Der eindeutige Vorteil: Das lästige Wechseln zwischen Dienste-Apps entfällt. Das dürfte nicht nur praktisch, sondern auch ziemlich schnell und effizient sein.

Eine weitere interessante Neuerung ist bereits vorab bekannt geworden: Blackberry Balance, die Antwort von Blackberry auf den BYOD-Hype. Mit dem Z10 und dem Q10 geht das jetzt ohne größere Probleme, da private und geschäftliche Bereiche vollkommen getrennt sind.

Die BB10-Funktionen zeigen deutlich, dass Blackberry zwar auch auf Privatanwender setzt, aber gleichzeitig die (ehemaligen) Business-Kunden im Blick hat. Tatsächlich haben die meisten CIOs ihre BYOD-Programme mit einem weinenden Auge aufgesetzt: Android gilt als unsicher und iOS ist keine leichte Aufgabe für das Mobile Device Management.

Dieser Kuchen ist sicherlich auch im Jahr 2013 noch groß genug, so dass sich Blackberry ein großes Stück davon reservieren kann. Nach Ansicht zahlreicher Analysten ist der ehemalige Marktführer zwar zu einem Nischenanbieter geworden, aber mit ihm dürfte zu rechnen sein.

Bildquelle: Blackberry

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