Online shoppen ohne Dateneingabe

Checkout-Prozess im Onlineshop vereinfachen

Häufig endet ein mobiler Einkauf mit einem Abbruch, weil der Checkout-Prozess zu umfangreich ist. Der „Klarna Checkout“ soll dies ändern. Lena Hackelöer, Director Market Growth and Strategy bei Klarna AB, berichtet über die Erleichterung für Händler und Käufer.

Das Thema Mobile Commerce spielt eine immer größere Rolle „für die deutschen Onlinehändler", weiß Lena Hackelöer von Klarna.

Frau Hackelöer, seit April wird der „Klarna Checkout“ auch
in Deutschland angeboten. Wie genau funktioniert diese neue Methode?
Lena Hackelöer:
Sie bietet ein One-Klick-Erlebnis auf dem Smartphone. Nach Auswahl der Produkte in den Warenkorb geht der Kunde wie gewohnt zur Onlinekasse und gelangt automatisch zum Checkout. Dieser befindet sich zwar optisch in der Shopumgebung, ist jedoch ein komplett geschützter Zahlungsbereich (iFrame). Für den Kaufabschluss benötigt der Kunde lediglich seine E-Mail-Adresse und Postleitzahl, denn basierend auf vorherigen Käufen werden alle anderen Daten vorausgefüllt. Hat der Kunde bereits von seinem Smartphone mit dem neuen Checkout bezahlt, können auch diese Daten durch die Remember-Me-Funktion auf dem Handy gespeichert werden. Kauft der Kunde das erste Mal mit dem Verfahren ein, sind noch das Geburtsdatum und die Rechnungsadresse erforderlich. Weil der Kauf auf Rechnung in Deutschland die beliebteste Zahlungsart ist, ist diese voreingestellt. Das ist auch der Grund, weshalb Eingaben wie Kreditkarten-, Kontodaten oder andere Zahlungs- oder Kontaktangaben nicht notwendig sind. Sollte ein Kunde dennoch eine andere Zahlungsart wünschen, hat er die Möglichkeit, bis 30 Minuten nach dem Einkauf aus Ratenkauf, Sofortüberweisung, Mastercard, Visa und Lastschriftverfahren zu wählen.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch für den Händler,
welche für den Käufer?
Hackelöer:
Für den Kunden ist der größte Vorteil die Neuerung im Kaufprozess, dass er nach dem ersten Kauf in einem Shop mit „Klarna Checkout” Stammkunde in jedem beliebigen weiteren Shop mit Checkout-Integration ist. E-Mail-Adresse und Postleitzahl reichen aus, was bedeutet, dass der Kunde bequem auf mobilen Geräten einkaufen kann, weil keine Registrierung oder Eingabe von langen und sensiblen Daten nötig ist. Für Händler bedeutet die Einführung eine Steigerung der Konversionsrate. Ein Beispiel ist der schwedische Online-buchhändler Adlibris, der eine um 80 Prozent höhere Konversionsrate auf mobilen Geräten erzielen konnte. Darüber hinaus hat der Händler nur einen Vertrags- und Ansprechpartner für sämtliche Zahlungsoptionen. Das entlastet die Händler in der täglichen administrativen Arbeit. Zusätzlich übernehmen wir eine volle Zahlungsgarantie, unabhängig von der gewählten Zahlungsart. Konkret bedeutet das: ein Vertrag, ein Auszahlungsintervall, eine Integration und ein garantierter Cashflow.  

Beim Bezahlvorgang gehen Sie für kurze Zeit in Vorkasse. Wie überblicken Sie dabei mögliche Risiken und Zahlungsausfälle?
Hackelöer:
Wir setzen bei der Bewertung der transaktionsbezogenen Daten vorwiegend auf unsere eigene Erfahrung. Ein Beispiel: Wenn eine 80-jährige Dame montagnachts um 3 Uhr von einem Internet-Café in Berlin-Kreuzberg zehn iPads mit bestellt, wird das System stutzig. Das bedeutet nicht, dass eine 80-Jährige keine zehn iPads bestellen kann, sondern dass wir eine große Anzahl von situationsbezogenen Daten in unsere Entscheidung einfließen lassen. Auch wissen wir beispielsweise, dass Betrüger häufig zunächst einige Bestellungen mit geringem Warenwert vornehmen und dann auf einmal sehr viel bestellen. Eine Vielzahl von Parametern wird also im Moment der Transaktion in Sekundenschnelle im Hintergrund überprüft. Dabei haben wir grundsätzlich den Anspruch, so vielen Kunden wie möglich den Rechnungskauf anzubieten.

Onlinekäufern ist es wichtig, ihre favorisierte Zahlungsvariante auswählen zu können. Anhand welcher Informationen wird entschieden, welche Bezahlmöglichkeiten dem jeweiligen Kunden zur Verfügung stehen?
Hackelöer:
Grundsätzlich möchten wir jedem Kunden so viele Zahlungsmöglichkeiten wie möglich bieten. Hat der Kunde jedoch eine negative Zahlungshistorie oder werden Unregelmäßigkeiten bei der Bonitätsprüfung festgestellt, so kann er seine Waren nicht über Rechnung einkaufen. Wir bieten ihm dann die Möglichkeit, seinen Einkauf mit einer anderen Zahlungsart abzuschließen.

Der Schutz persönlicher Daten hat für Onlineshopper oberste Priorität. Welche Sicherheiten bietet das System dem Nutzer?
Hackelöer:
Dem Checkout liegt ein avanciertes Risikomanagement zugrunde, das nicht zuletzt auch Betrugsversuche abwehrt. Da sowohl dem Kunden ein Käuferschutz als auch dem Händler volle Zahlungsgarantie gewährleistet werden, haben wir ein grundsätzliches Interesse daran, Transaktionen im Internet mit größtmöglicher Sicherheit abzuwickeln. In anderen Ländern hat sich bereits gezeigt, dass das Risikomanagement gut funktioniert. Sollten Kunde trotzdem noch Bedenken haben, so können sie die eigenen Daten jederzeit mit einem PIN-Code verschlüsseln.

Welche Erfolgsprognose können Sie nach der
Markteinführung wagen?
Hackelöer:
Wir freuen uns, dass das Interesse in Deutschland so groß ist, und sind bereits mit vielen großen Händlern im Gespräch. Das Thema Mobile Commerce spielt eine immer größere Rolle für die deutschen Onlinehändler, denn hier gibt es noch enormen Nachholbedarf: Ich schätze, dass nur ca. ein Drittel der angebundenen Händler einen mobil optimierten Onlineshop haben. Trotzdem sehen die Händler, dass immer mehr Traffic auf ihrem Shop über mobile Geräte kommt. Das neue Checkout-Verfahren kann hier ein großes Problem ganz einfach lösen.

Was werden Sie künftig im Bereich Mobile Commerce noch tun?
Hackelöer:
Wir haben eine Zahlungslösung entwickelt, die das zuvor komplizierte Einkaufen über mobile Geräte einfach und sicher macht. Wir arbeiten täglich daran, unser Angebot zu optimieren und Mehrwerte zu schaffen. So bieten sich beispielsweise durch eine wirklich gut konvertierende Zahlungslösung ganz neue Möglichkeiten im Marketing. Wir sehen bereits heute, dass die meisten Newsletter auf dem Smartphone gelesen werden. Unser Checkout lässt sich auch in Newsletter integrieren, so dass Kunden in einen vorausgefüllten Checkout geleitet werden können.

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