Chinas KI-Strategie

China will Marktführerschaft auch bei Militärdrohnen

In wenigen Jahren will China zum Weltmarktführer für KI-Lösungen aufsteigen. Dabei denken die chinesischen Politiker auch an militärisch genutzte KI.

Die Skyline von Shenzhen, Chinas Technologie-Metropole

Die Skyline von Shenzhen, Chinas Technologie-Metropole

Die westlichen Länder einholen und überholen, das war lange die Devise der kommunistisch regierten Staaten – ohne großen Erfolg. Die chinesischen Politiker haben aus dem Scheitern der Sowjetunion gelernt. Sie gestalteten in China ihre eigene Variante eines Kapitalismus mit privaten und staatlichen Unternehmen sowie einer autoritären Regierung. Und jetzt gibt es wieder Überlegungen, sich an die Spitze der Weltwirtschaft zu stellen, nämlich im Bereich der Digitaltechnologie und der künstlichen Intelligenz.

Im Juli 2017 verabschiedete der chinesische Staatsrat den „New Generation Artificial Intelligence Development Plan (AIDP)“. Dieses Dokument bildet zusammen mit „Made in China 2025“ vom Mai 2015 den Kern der chinesischen KI-Strategie. Mit diesen Plänen und enormen Investitionen will China zum Weltmarktführer aufsteigen. Doch dahinter steckt nicht die Absicht, die Welt nun in erster Linie mit chinesischen Smartphones, Haushaltsrobotern und KI-Assistenten zu versorgen.

Es geht auch um Militär und Kriegführung, wie der Politikwissenschaftler Gregory C. Allen in einer umfangreichen Denkschrift zur KI-Strategie der Chinesen betont. Der Fellow am Thinktank „Center for New American Security (CNAS)“ stützt sich für diese Analyse nicht nur auf die Übersetzung des KI-Papers. Allen war mehrfach auf KI-Konferenzen in China und konnte dort mit hochrangigen Beamten des Außenministeriums, Leitern von militärischen KI-Forschungsorganisationen, Regierungsexperten und Führungskräften KI-Unternehmen sprechen.

Überwachen und Strafen mit Bilderkennung und Drohnen

Sein Eindruck: Militärische KI ist in China selbstverständlicher Teil der geopolitischen Strategie. Vor allem das Militär investiert sehr stark in autonome Drohnen und Roboter. Wegen der engen Verbindung zwischen Staat und Wirtschaft gibt es auch keine großen Hindernisse. Denn in China werden – anders als in den USA und einigen anderen westlichen Ländern – nur selten ethische Bedenken laut. Allen vermutet, dass die chinesischen Militärs durchaus das Potenzial haben, die USA beim militärischen Einsatz von KI zu überholen.

China will mit seiner KI-Initiativen auch wirtschaftliche Vorteile verwirklichen. So exportiert China bereits jetzt bewaffnete Militärdrohnen, die ein gewisses Maß an Autonomie kennen. Mit seiner unbemannten Drohne seien sowohl Aufklärungsmissionen als auch gezielte Präzisionsschläge möglich, bewirbt der chinesische Hersteller Ziyan sein Produkt. Zweiter Exportschlager aus China ist Überwachungstechnologie. Die SenseTime Corporation ist weltweit führend bei Technologien zur KI-Bilderkennung und liefert unter anderen die Software für die Personenerkennung in China.

China investiert enormen Summen in die technologische Entwicklung und ist dadurch bereits auf Platz zwei in einigen Bereichen der KI aufgerückt. Dieser Erfolg ist allerdings im Wesentlichen ein Erfolg der Öffnungspolitik, da die meisten innovativen Lösungen von multinationalen Teams kommen – in Unternehmen und auch in den chinesischen Universitäten. So ergab eine Benchmarking-Studie der Universität Tsinghua, dass mehr als die Hälfte der chinesischen Research Paper zum Thema KI durch Hilfe ausländischer Forscher entstanden sind.

Ohne weitere Anstrengungen fällt Europa zurück

Außerdem hängt die gesamte Technologiebranche in China in großem Maße von importierten Prozessoren ab. Auch hier versucht die chinesische Regierung, durch enorme Investitionen eine eigene Halbleiterindustrie aufzubauen. Sie zielt vor allem auf spezialisierte Chips, die Rechenoperationen rund um neuronale Netze und Deep Learning besonders schnell erledigen können. Allerdings arbeiten auch viele US-Unternehmen an dieser verbesserten Form von KI-Hardware.

Eine Frage stellt sich zum Schluss: Wo ist Europa? Der Bericht nimmt ausschließlich die US-Perspektive ein. Doch aus den Anmerkungen geht hervor, dass sowohl US-Amerikaner als auch Chinesen Europa als bestenfalls drittrangig einsortieren. Das ist nicht ganz falsch, wie eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey hervorhebt. Die Grundaussage: zu der in Europa bereits bestehenden digitalen Kluft kommt nun auch noch die KI-Lücke. Wer bereits einen digitalen Rückstand hat, fällt bei KI noch schneller zurück, basiert sie doch auf Digitaltechnologie.

Europa nutzt sein digitales Potenzial nur zu etwa 12 Prozent aus, Deutschland sogar nur zu zehn Prozent. In den USA sind es immerhin 18 Prozent. Allein um diese Kluft zu schließen, sind enorme Anstrengungen notwendig. Denn die USA verwirklichen ihr Digitalisierungspotenzial rascher, sodass die Gefahr besteht, dass die digitale Kluft sich Aufholjagd vergrößert. Wenn nun die USA in ein Wettrennen mit China gehen, könnte sich der deutsche digitale Rückstand eher noch vergrößern.

Bildquelle: Thinkstock

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