Konzerne als Kapitalgeber

Corporate VC wächst, ist aber noch ein Randthema

Venture Capital aus Unternehmen hat für Startups wachsende Bedeutung. Doch 80 Prozent des Geldes kommt von den altbekannten Kapitalgebern.

Corporate Venture Capital wächst

Investionen von Corporate Venture Capital wachsen

Atomico, Founders Fund, Hightech-Gründerfonds, Kleiner Perkins, Sequoia, Wellington Partners und viele andere Wagniskapitalfirmen haben einen großen Teil des gesamten Silicon Valley finanziert. Ihre Gemeinsamkeit: Die Geldgeber kommen ebenfalls aus der Szene und haben ihr Vermögen entweder mit klassischen IT-Unternehmen oder Digital-Startups gemacht. Doch daneben haben sich Parallelstrukturen entwickelt, das sogenannte Corporate Venture Capital (CVC). Dazu zählt Risikokapital von einzelnen Unternehmen oder Unternehmenskonsortien, die zumeist der traditionellen Wirtschaft entstammen und in der Digitalwirtschaft investiert werden.

In den USA gibt es so etwas schon seit längerem, es hatte aber für Silicon-Valley-Startups keine sehr große Bedeutung. Doch seit einigen Jahren ist CVC ein heißes Thema, zahlreiche große Unternehmen auch in Deutschland haben entsprechende Gesellschaften oder Fonds gegründet. Die Analysten von CBInsights haben sich in einer Studie mit den weltweiten Trends in Sachen „Corporate Venture Capital“ beschäftigt.

Europa ist dabei nur ein Programmpunkt unter vielen und Deutschland kommt als einzeln zu betrachtende Region erst gar nicht vor. Doch die geschilderten Trends sind durchaus auch hierzulande fühlbar. Risikokapitalgeber aus Unternehmen werden möglichst auf die entsprechenden Züge aufspringen, auch wenn die Startup-Szene vergleichsweise klein ist.

Corporate Venture Capital wächst

Zunächst einmal gilt es Rekorde zu vermelden. Die Anzahl der VC-Deals ist nach einem etwas schwächeren vierten Quartal 2016 wieder angestiegen, gleich um ein gutes Viertel. Darüber hinaus gibt es immer mehr Corporate-Investoren. So sind mehr als 260 VC-Gesellschaften in Unternehmenshand in der Szene unterwegs. Insgesamt gab es allein in der ersten Hälfte des Jahres fast 800 Deals, bei denen mehr als 13 Milliarden US-Dollar investiert wurden. Seit 2012 sind die Ausgaben der Unternehmen für CVC stark angestiegen, mit einem vorläufigen Höhepunkt im Jahr 2015 (28 Mrd. USD).

Dabei orientieren sich die CVC-Gesellschaften an den typischen Valley-VCs und sind ebenfalls dem Megatrend Künstliche Intelligenz erlegen. Die Investitionen von CVCs in diesem Bereich steigen seit einigen Jahren stark an. So wurde bereits im ersten Halbjahr 2017 gut 1,8 Milliarden Dollar in die KI-Technologie investiert, mehr als 2016. Insgesamt floss seit 2012 fast 6 Milliarden Dollar Corporate-VC in diesen Bereich. Besonders stark im Trend mit 15 Prozent aller Geschäftsabschlüsse sind Unternehmen, die KI in der IT-Sicherheit einsetzen wollen. Ebenfalls sehr stark sind die Investitionen in KI im Internet der Dinge, sie machen zehn Prozent aus.

Ein interessantes Detail: Intel und Google sind besonders aktiv bei der Finanzierung von KI-Startups. Für Google oder vielmehr Alphabet muss man noch die zahlreichen Akquisitionen in diesen Bereichen hinzuzählen. Doch auch Microsoft und Salesforce sind recht aktiv und haben einige KI-Startups finanziert. Doch nicht nur in die KI fließt viel Geld. So sind beispielsweise die Investitionen in Healthcare-Unternehmen stark angestiegen, auf bisher 3,3 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr.

Unternehmen bleiben als Kapitalgeber am Ball

Der Blick auf die aggregierten Zahlen zeigt: Gut die Hälfte aller Investitionen im ersten Halbjahr gingen in die Frühphase von Unternehmen, kamen den Startups also kurz vor („Seedfunding“) oder kurz nach („Series A“) dem Start der Geschäftstätigkeit zugute. Trotzdem bleiben die Investoren einem Großteil ihrer Startups treu: Wachstumsinvestments, vor allem in der „Series C“ sind in den letzten Quartalen recht stark gestiegen und machten im zweiten Quartal 2017 ein Anteil von 13 Prozent aus. Dies heißt, dass die CVC-Gesellschaften ihr Geschäft im Großen und Ganzen ernsthaft betreiben.

Denn das Risikokapital aus der „Traditionswirtschaft“ hat in der Startup-Szene Kritiker. Viele halten es für widersinnig, wenn nicht kontraproduktiv. Denn ein schon längere Zeit bestehendes Unternehmen wird in erster Linie darauf achten, sein Kerngeschäft zu stärken und auf Innovationen nicht besonders viel Wert legen - so die Kritiker. Sie befürchten aber vor allem, dass die Konzerne relativ schnell die Freude an nicht sofort exponentiell skalierenden Unternehmen verlieren könnten. Das scheint zumindest in globaler Hinsicht und über alle Deals hinweg gesehen nicht der Fall zu sein, anderenfalls würden die Series-C-Fundings nicht ansteigen.

Doch ein Blick auf die gesamte, globale VC-Szene zeigt, dass der (positive oder negative) Einfluss von Corporate-VC nicht überschätzt werden sollte. Denn diese Form des Risikokapitals ist im Moment noch in der Minderheit. Im ersten Halbjahr 2017 verzeichnen die Analysten etwas mehr als 4000 einzelne Deals. Lediglich bei 20 Prozent davon war Corporate-VC vertreten. Dieser Anteil ist übrigens über die letzten Jahre hinweg nur gering gewachsen, 2013 lag er bei etwa 15 Prozent. Der Gesamtmarkt wächst stark, aber Corporate-VC hat Schwierigkeiten, hier mitzuhalten.

Bildquelle: Thinkstock

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