Immer mehr digitale Tagelöhner

Crowd Working in der Kritik

Beim Crowd Working werden bestimmte Aufgaben von der „Menge“ gelöst. Existieren im Zuge der Verbreitung des Arbeitsmodells jedoch immer mehr „digitale Tagelöhner“, kann der Vorteil der Crowd schnell ins Gegenteil umschlagen.

Das Für und Wider von Crowd Working

Crowd Working verspricht zwar mehr Flexibilität, allerdings arbeiten Crowd Worker in der Regel eher für geringes Geld.

Immer mehr Unternehmen greifen auf Crowd-Working zurück, in dessen Rahmen Aufgaben an eine Gruppe freiwilliger User, z.B. über das Internet, vergeben werden. Alexander Krapp, Geschäftsführer der Münchener Digitalagentur Soulsurf, definiert die Vorgehensweise wie folgt: „Bei Crowd Working handelt es sich um eine Art ‚Outsourcing’ traditioneller interner (Teil-)Aufgaben an eine Gruppe interessierter Crowd Worker. Diese sind kreativ, erfinderisch, offen, frei und trotzdem professionell unterwegs.“

Wie beim traditionellen Outsourcing eignen sich allerdings nicht alle Unternehmensprozesse gleichermaßen zur Bearbeitung durch die breite Masse. Vielmehr sollten abgeschlossene Projekte bzw. nicht zu große Projekt-Häppchen vergeben werden. Höchst ungeeignet seien kritische Prozesse und Aufgaben, die sensible Daten tangieren oder einen engen Zeitrahmen vorgeben.

Ohne Fleiß kein Preis. Dieses Sprichwort gilt auch für Crowd Worker. Denn dem Auftraggeber nur etwas „abzuliefern“, wäre zu kurz gedacht. Vielmehr müssen Crowd Worker den Spagat zwischen freier Zeiteinteilung und Selbstorganisation, zwischen Kommunikation und Qualitätsbewusstsein schaffen.

Crowd Working in der Kritik

In letzter Zeit ist das Modell allerdings in Verruf geraten. Kritiker sehen darin die Förderung eines Heeres an geringfügig bezahlten „Tagelöhnern“ und „Jobnomaden“. Oliver Suchy, Leiter des Projektes „Arbeit der Zukunft“ beim DGB-Bundesvorstand, glaubt, dass Crowd Work zwar mehr Flexibilität verspricht, für die wenigsten jedoch eine Basis für eine verlässliche Lebensplanung liefert. Er wägt das Für und Wider wie folgt ab: „Bei Crowd Work gibt es große Unterschiede. Einerseits bietet es Innovationspotentiale für Unternehmen, andererseits besitzt es eine zerstörerische Kraft. ‚Workers on tap‘, d.h. Arbeitseinsätze auf Zuruf als Ersatz für Jobs mit Perspektive, sollten nicht die Arbeit der Zukunft sein“, so Suchy.

Wandern zudem immer mehr Jobs in die Crowd, könnte sich dies langfristig ungünstig auf die gesamte Arbeitnehmerschaft auswirken. „Durch die digitalen Arbeitsplattformen und Crowd Sourcing ist ein Schattenarbeitsmarkt entstanden, der aller Voraussicht nach deutlich wachsen wird. Hier brauchen wir faire Regeln“, fordert Oliver Suchy.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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